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Der Zwischenfall beim UN-Tribunal sorgt für viel Aufsehen.

Offene Fragen nach Eklat vorm UN-Tribunal

Wie kam der General an das Gift? Experten äußern Vermutungen

Der Tod von Slobodan Praljak wirft Rätsel auf. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die wichtigsten Fragen im Überblick.

Den Haag - Es war der dramatische letzte Akt im Leben eines Mannes, der in seiner Heimat von vielen als Held gefeiert wird. Nachdem der kroatisch-bosnische General Slobodan Praljak wegen Völkermordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, trank der ehemalige Theaterregisseur wie Claudius in Shakespears „Hamlet“ Gift und starb kurze Zeit später daran. Die Anwesenden des UN-Kriegsverbrecher-Tribunals im niederländischen Den Haag machte Praljak dabei zum unfreiwilligen Publikum seiner tödlichen Inszenierung. Seine letzten Worte: „Slobodan Praljak ist kein Kriegsverbrecher. Ich weise Ihr Urteil zurück."

Am Tag nach dem Suizid Praljaks hat die Staatsanwaltschaft nun damit begonnen, die vielen Fragen aufzuarbeiten. 

1. Woran starb Praljak?

Das Bild kennt mittlerweile jeder, es prangt als Headline vieler europäischer Zeitungen: Mit weit aufgerissenen Augen trank Praljak aus einem kleinen braunen Fläschchen - später starb er im Krankenhaus. Doch was genau hat er da eigentlich getrunken? Die Ermittler bestätigen mittlerweile, dass sie Spuren von Gift gefunden haben: "Es handelt sich um einen chemischen Stoff, der für Menschen tödlich sein kann." Keine Auskunft wurde aber darüber gegeben, um welches Gift es sich handelt.

2. Wie kam Praljak überhaupt an das Gift?

Unklar ist auch, woher Praljak das Gift hatte. Der 72-Jährige sitzt seit 2004 in Haft und wird rund um die Uhr überwacht. Die Vermutung liegt nahe, dass ihm jemand das Fläschchen zugesteckt hat.

3. Wie konnte Praljak das Gift in den Gerichtsaal schmuggeln?

Bevor der Angeklagte den Gerichtssaal in Den Haag betrat, musste er an Sicherheitskontrollen vorbei -  vergleichbar mit den Kontrollen an Flughäfen. Gegenüber der Bild-Zeitung mutmaßt Kriminalbiologe Mark Benecke, Praljak könnte das Fläschchen rektal versteckt haben. Diese Taktik werde auch immer wieder bei Gefängnisinsassen angewendet. Security-Experten sollen laut der Bild außerdem davon berichtet haben, dass das Sicherheitssystem zu lasch umgesetzt worden sei.

Sicherheits-Experten Mate Laušić vermutet gar eine größere Verschwörung: Die Leute, die das Gift in das Gefängnis geschmuggelt hätten, wären demnach dafür verantwortlich, dass man Praljak nur halbherzig kontrollierte.

In Kroatien hat Praljak viele Anhänger

Während des Bosnienkriegs soll Praljak die Zerstörung der bekannten Brücke von Mostar befehligt haben. Dadurch habe er der muslimischen Zivilbevölkerung "unverhältnismäßig großen Schaden" zugefügt, so die Richter in Den Haag.

Die wiedererbaute Brücke in Mostar im heutigen Bosnien-Herzegowina. Ihre Zerstörung wurde zum Symbol des Bosnienkrieges.

In Kroatien beurteilen viele Menschen die Rolle Praljaks ganz anders als die UN-Richter, zum Teil wird er als Held gefeiert. So hat der kroatische Regierungschef Andrej Plenković den Schuldspruch durch Den Haag scharf kritisiert. "Das Urteil ist unbegründet und ungerecht, kollidiert mit den Fakten und ist als solches für Kroatien inakzeptabel", sagte der Ministerpräsident im kroatischen Fernsehen.

bah

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