+
Einsatzkräfte der Polizei sichern die Umgebung der US-Botschaft in Montenegros Hauptstadt Podgorica. Foto: Risto Bozovic/AP

Mit Handgranate

Selbstmordanschlag auf US-Botschaft in Montenegro

Montenegro steht als jüngstes Nato-Mitglied seit Monaten zwischen seinem historischen Freund Russland und Washington. Hat dieses politische Tauziehen jetzt zum Anschlag auf die US-Botschaft geführt?

Podgorica (dpa) - Auf die US-Botschaft in dem kleinen Adriastaat Montenegro ist ein Anschlag verübt worden.

Ein Mann habe kurz nach Mitternacht offensichtlich eine Handgranate auf das Botschaftsgebäude in der Hauptstadt Podgorica geworfen und sich dann mit einer zweiten Handgranate selbst umgebracht, berichteten die Regierung und örtliche Medien. Die US-Botschaft empfahl ohne weitere Einzelheiten, die Nähe zu dem attackierten Gebäude zu meiden. Die Botschaft sei aber nicht beschädigt worden, hieß es.

Montenegro steht seit langem zwischen den politischen Fronten. Im letzten Sommer wurde das Land in die Nato aufgenommen, obwohl es traditionell sehr enge Beziehungen zu Russland hat. Im Umfeld dieses Beitritts hatte US-Vizepräsident Mike Pence das Land mit nur 620.000 Einwohnern besucht und alle Staaten der Region gedrängt, ihre Beziehungen zu Russland zu lösen, um sich dem Westen zuzuwenden.

Bei der letzten Parlamentswahl im Oktober 2016 hatte es einen gescheiterten Putschversuch gegeben. In dem laufenden Gerichtsverfahren behauptet die Staatsanwaltschaft, Russland und der Nachbar Serbien als sein ebenfalls enger Verbündeter seien darin verwickelt gewesen. Moskau bestreitet jede Beteiligung als absurd und beschuldigt die montenegrinische Regierung, den Fall konstruiert zu haben, um das Land weiter von Russland zu entfernen.

Montenegro war als letzter Teil des auseinandergebrochenen Vielvölkerstaates Jugoslawien 2006 selbstständig geworden. Zunächst hatten russische Oligarchen große Teile der Wirtschaft übernommen und massiv Grundstücke an der Adriaküste aufgekauft. Russische Urlauber bildeten das Rückgrat der heimischen Tourismusindustrie. Inzwischen ist das Land jedoch Nato-Mitglied und einer der aussichtsreichsten EU-Kandidaten. Die EU-Kommission hatte zuletzt 2025 als mögliches Beitrittsdatum genannt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Puigdemont ruft neue katalanische Separatistenbewegung ins Leben
Aus dem Exil gründet der ehemalige Regionalpräsident Kataloniens, Carles Puigdemont, eine neue separatistische Bewegung. Das Ziel ist eine katalanische Republik.
Puigdemont ruft neue katalanische Separatistenbewegung ins Leben
Abschiebung von Sami A. Tage im Voraus geplant
Den Islamisten Sami A. wollten Nordrhein-Westfalen und Innenminister Seehofer schon lange loswerden. Nun ist er wieder in Tunesien. Und die Zweifel am Vorgehen der …
Abschiebung von Sami A. Tage im Voraus geplant
Mays Brexit-Strategie stößt im Parlament auf Kritik
Vor einer Woche waren zwei Hardliner in der britischen Regierung im Streit um die Brexit-Pläne zurückgetreten. Und nun verärgert die Premierministerin die …
Mays Brexit-Strategie stößt im Parlament auf Kritik
Senator McCain bezeichnet Trumps Auftritt mit Putin als historischen "Tiefpunkt"
Donald Trump und Wladimir Putin treffen sich am Montag zum mit großer Spannung erwarteten Gipfel in Helsinki. Wir berichten im News-Ticker.
Senator McCain bezeichnet Trumps Auftritt mit Putin als historischen "Tiefpunkt"

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.