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Militärexperte sieht „operationelle Pause“ kommen – und nennt weiteren Trumpf der Ukraine

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Von: Momir Takac

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Die russischen Streitkräfte kommen im Ukraine-Krieg nur mühsam voran. Dafür gibt es Gründe. Ein Militärexperte sieht einen weiteren Trump bei der Ukraine.

Kiew/München - Im Donbass tobt der Ukraine-Konflikt seit Wochen besonders heftig. Diese Karte zeigt, wo der Ukraine-Krieg wütet. Sowohl der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj als auch Russlands Machthaber und Kriegstreiber Wladimir Putin sehen das Gebiet als entscheidend für den weiteren Verlauf des Kriegs an.

Während die Ukraine hinsichtlich ihres EU-Beitrittsstatus‘ vor einem historischen Tag steht, intensivieren russische Truppen die Angriffe im Osten des Landes. Im Fokus steht dabei die strategisch wichtige Stadt Lyssytschansk im Gebiet Luhansk. Das russische Militär versucht von mehreren Seiten an die Stadt heranzurücken. Ukrainischen Truppen droht in Lyssytschansk eine Einkesselung.

Die Brücke von Lyssytschansk ins benachbarte Sjewjerodonezk ist nahezu komplett zerstört.
Die Brücke von Lyssytschansk ins benachbarte Sjewjerodonezk ist nahezu komplett zerstört. © IMAGO/Madeleine Kelly

Ukraine-News: Zermürbungstaktik und Zeitgewinnungstaktik scheint aufzugehen

Doch Putin scheint das alles nicht schnell genug zu gehen. Der Kremlchef soll bereits zum zweiten Mal den Oberbefehlshaber der Ukraine-Invasion abkommandiert haben. Die Schlacht im Donbass hat sich für beide Seiten zu einem Abnutzungskampf entwickelt. Immer wieder gibt es Berichte von russischen Vormärschen und Rückeroberungen durch die Ukraine.

Die ukrainischen Streitkräfte haben es durch ihre große Widerstandskraft geschafft, die Moral der russischen Truppen zu zermürben und Zeit zu gewinnen. Wichtig, denn nur so kann westliches Kriegsgerät nachbeschafft und zum Einsatz gebracht werden.

Ukraine-News: Ex-General sieht kommende Monate als entscheidend für Kriegsverlauf an

Der australische Ex-General und Militärexperte Mick Ryan geht davon aus, dass die kommenden Monate von entscheidender Bedeutung für den weiteren Kriegsverlauf sein werden. Ryan beobachtet einen nahenden Erschöpfungszustand auf beiden Seiten, was eine baldige „operationelle Pause, in der die Kampfhandlungen deutlich reduziert werden“, nach sich ziehen werde, schreibt Ryan in einer aktuellen Analyse im Sydney Morning Herald.

In dieser Pause biete sich dann die Gelegenheit, Truppen zu regenerieren und westliches Waffenmaterial - darunter die gelieferten Panzerhaubitzen aus Deutschland - in Stellung zu bringen, schreibt Ryan. Die Ukraine hätte ein Ziel erreicht.

Ukraine-News: Militärexperte sieht Partisanenkampf durch ukrainische Streitkräfte

Doch der Experte sieht noch eine Möglichkeit, wie ukrainische Streitkräfte die Moral der Russen ruinieren können. Ryan spricht von einem Partisanenkampf, der sich bereits in den von Russland besetzten Städten Cherson, Melitopol, Berdjansk und Kremenna zeige. Dort haben Anschläge gegen russische Soldaten und ukrainische Abtrünnige zugenommen.

Ryan wies darauf hin, dass das ukrainische Parlament bereits im Mai 2021 „Grundlagen des nationalen Widerstands“ verabschiedete. „Darüber hinaus scheinen im Vorfeld des Krieges Waffenlager an verschiedenen Orten in der Ukraine angelegt worden zu sein. Es ist wahrscheinlich, dass kleine Teams von Militärspezialisten im ganzen Süden Widerstandszellen ausbilden“, schreibt Ryan im Sydney Morning Herald weiter.

Ziel des Partisanen- oder Guerillakampfes sei es, „die Aufmerksamkeit einer Besatzungsarmee auf sich zu ziehen, ihre Kapazität und ihre Moral langsam zu schwächen, um sich auf konventionelle Offensiven vorzubereiten, die dieses Gebiet befreien werden.“ (mt)

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