Der Kandidat der US-Demokraten für die Präsidentschaftskandidatur und ehemalige Vizepräsident Joe Biden spricht in Wilmington.
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Joe Biden tritt 2020 zum dritten Mal als Präsidentschaftskandidat an.

Donald Trumps Gegner im Porträt

Joe Biden: Vom Vizepräsidenten zum Trump-Herausforderer

  • vonCarolin Schulz-Osterloh
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Am 25. April 2019 gab die Demokratische Partei der USA ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2020 bekannt: Joe Biden wurde nach dem Rückzug von Bernie Sanders offiziell nominiert. Wer ist der Mann, der das höchste Amt in den Vereinigten Staaten anstrebt?

  • Joe Biden ist seit 1973 in der US-Politik aktiv.
  • Von 2009 bis 2017 war er Vizepräsident unter Barack Obama.
  • Bereits 1988 und 2008 erklärte Biden seine Präsidentschaftskandidatur, zog sie jedoch beide Male wieder zurück.

Washington, D.C. – Joe Biden tritt 2020 zum dritten Mal als Präsidentschaftskandidat an. 1988 stieg er bereits sechs Wochen nach seiner Kandidatur aus, 2008 erklärte er seinen Rückzug nach schlechten Ergebnissen in den ersten Vorwahlen. Im Jahr 2020 soll es gelingen: Joe Biden setzte sich unter anderem gegen Bernie Sanders, Elizabeth Warren und Michael Bloomberg durch und tritt am 3. November 2020 gegen Donald Trump an.

Joe Biden: Herkunft und Familie

Joseph Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton, Pennsylvania geboren. Er ist irisch-amerikanischer Herkunft. Seine Familie zog 1952 von Pennsylvania nach New Castle County, Delaware.

1965 beendete Biden sein Studium der Geschichte und Politikwissenschaft an der University of Delaware in Newark und schloss drei Jahre später den „Juris Doctor“ am College of Law der Syracuse University ab. Ab 1969 war er als Anwalt in Wilmington, Delaware tätig. 1991 nahm er eine Lehrtätigkeit in Verfassungsrecht an der Widener University School of Law auf.

Joe Biden: Ehen und Kinder
Joe Biden heiratete 1966 seine Highschool-Partnerin Neilia Hunter. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Joseph Robinette „Beau“ Biden III war von 2007 bis 2015 Attorney General in Delaware. Er starb 2015 an den Folgen eines Hirntumors. Robert Hunter Biden ist heute Rechtsanwalt und Wirtschaftslobbyist. Tochter Naomi Christina und Bidens Ehefrau kamen im Dezember 1972 bei einem Autounfall ums Leben. Die Söhne überlebten verletzt. 1977 heiratete Biden Jill Tracy Jacobs, mit der er eine Tochter hat.

Joe Biden als Senator für Delaware

Joe Bidens politische Karriere begann 1970 mit einem Mandat im Rat von New Castle County. Zwei Jahre später stellte er sich für die Senatswahl auf und gewann als jüngster Kandidat in der Geschichte. Von 1973 bis 2009 vertrat er als Senator seinen Heimat-Bundesstaat im US-Senat; den Eid für den Senat legte er im Januar 1973 am Krankenbett seiner verletzten Söhne ab. Fünfmal wurde er in diesem Amt wiedergewählt.

Er setzte sich im Rat stark für die Interessen der US-amerikanischen Bahngesellschaft Amtrak ein, für den Luftwaffenstützpunkt Dover U.S. Airforce Base sowie für die für den Bundesstaat Delaware wichtige Geflügelproduktion.

Biden saß dreimal im US-Justizausschuss:

  • von 1981 bis 1987 als Ranking Minority Member
  • von 1987 bis 1995 als Vorsitzender
  • von 1995 bis 1997 wiederum als Ranking Minority Member

In seiner Tätigkeit als Senator war er maßgeblich am 1994 beschlossenen Violent Crime Control and Law Enforcement Act beteiligt. Dieser schränkte unter anderem den Besitz von halbautomatischen Waffen ein und dehnte bestimmte Verbrechen auf Bundesebene aus, etwa Hate Crimes – u. a. rassistische oder antisemitische Verbrechen – sowie Sexual- und Bandenverbrechen.

Biden setzte sich als Vorsitzender des International Narcotics Control Caucus für verschärfte Maßnahmen beim Besitz verschiedener Drogen ein.

Joe Biden: Außenpolitische Positionen als Senator von Delaware

Außenpolitisch vertrat Joe Biden als Senator von Delaware eine aktive Rolle der USA. So forderte er nach den Jugoslawienkriegen eine zur Not gewaltsame Einflussnahme der Vereinigten Staaten auf der Balkanhalbinsel. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 stellte er sich auf die Seite von George W. Bush. Er war für den Irak-Krieg und für die Ausweitung der Bodentruppen in Afghanistan verantwortlich.

Seine Zustimmung zum Irak-Krieg und zum Sturz Saddam Husseins bereut er heute.

Joe Biden: Vizepräsidentschaft 2009

Bidens Vizepräsidentschaft von 2009 bis 2017 gingen zwei Kandidaturen zum ersten Mann im Staat voraus, eine davon 2008, in der sich Barack Obama als Spitzenkandidat und schließlich als Präsident durchsetzte. Biden erklärte zuvor, er werde sich zwar nicht aktiv um das Amt des Vize bewerben, es jedoch annehmen, falls es ihm angeboten werde. Das geschah am 23. August 2008. Insbesondere in außenpolitischen Fragen sollte der darin erfahrene Joe Biden den zukünftigen Präsidenten unterstützen. Aufgrund seines guten Rufs in der weißen Arbeiterschaft in den USA rechnete Obama außerdem mit einem Stimmenplus unter den demokratischen Anhängern.

Am 4. November 2008 wurde Barack Obama zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten mit Joe Biden als Vizepräsident an seiner Seite. Die Vereidigung fand am 20. Januar 2009 statt. Damit löste der ehemalige Senator Joe Biden den Vize unter George W. Bush, Dick Cheney, ab. Dieser hatte einen offensiven politischen Stil gepflegt. Biden sollte einen anderen Weg gehen. Er agierte insbesondere als Berater im Hintergrund und beeinflusste damit die Innen- und Außenpolitik der USA erheblich.

Joe Biden: Politische Schwerpunkte als Vizepräsident 2009 bis 2012

Joe Biden unterstützte als Vizepräsident den 2010 verabschiedeten Patient Protection and Affordable Care Act, besser bekannt als Obamacare. Bei der schwierigen Verabschiedung des Budget Control Act im Jahr 2011 mit dem Ziel der Erhöhung der Schuldengrenze war er maßgeblich am Durchbruch der Verhandlungen beteiligt. Diese gestalteten sich zwischen Demokraten und Republikanern mit ihrer Mehrheit im Repräsentantenhaus schwierig, was einen drohenden Staatsbankrott zur Folge hatte.

Gegen Ende seiner ersten Amtszeit sorgte Joe Biden für Schlagzeilen, als er sich für landesweite homosexuelle Ehen aussprach. Obama unterstützte die Forderung.

Joe Biden: Zweite Amtszeit als Vizepräsident 2012 bis 2017

Entgegen Spekulationen, dass Obama Joe Biden als Vizepräsidentschaftskandidaten im Wahlkampf 2012 ersetze, traten beide erneut gemeinsam an. Am 6. September 2012 wurden sie von der Demokratischen Partei für eine zweite Amtszeit nominiert. Gewählt von 332 Wahlmännern – 270 sind notwendig – nahmen Barack Obama und Joe Biden am 20. Januar 2013 ihre zweite Amtszeit auf.

Biden setzte sich erneut für eine Verschärfung des Waffenrechts ein, fand im Kongress dafür allerdings keine Mehrheit.

Als sich Obamas Amtszeit 2016 dem Ende zuneigte, wurde Biden abermals als Kandidat für die Präsidentschaft gehandelt, lehnte eine Kandidatur jedoch ab. Stattdessen unterstützte er die Spitzenkandidatin Hillary Clinton, wobei er dem späteren US-Präsidenten Donald Trump die Eignung für das Amt absprach.

Mit Trumps Sieg gab Joe Biden sein Amt als Vizepräsident an Mike Pence ab, bis dato Gouverneur des Bundesstaats Indiana.

Joe Biden: Der Weg zur Präsidentschaftskandidatur 2020

In den Wahlkampf 2020 stieg Biden später ein als andere Kandidaten wie Bernie Sanders und Elizabeth Warren. Er erklärte am 25. April 2019 seine Kandidatur für die Vorwahl der Demokraten. Lange Zeit galt Sanders als Favorit, erst im Februar 2020 holte Joe Biden mit 49 Prozent der Stimmen einen klaren Sieg ein. Sanders stieg im April 2020 aus dem Wahlkampf aus. Auf dem Parteitag der Demokraten am 5. Juni 2020 wurde Joe Biden offiziell als Präsidentschaftskandidat nominiert.

Joe Biden im US-Wahlkampf 2020

Umfragen zufolge hat Joe Biden im Herbst 2020 einen großen Vorsprung vor dem amtierenden Präsidenten Donald Trump. Insbesondere nach dem ersten TV-Duell am 29. September 2020 konnte Biden zulegen. Am 2. Oktober lag er mit 7,2 Prozentpunkten vor Trump.

Im Wahlkampf warf Biden Trump unter anderem vor, im Kampf um die Ausbreitung des Coronavirus versagt zu haben. Mit seinem Wahlprogramm schlägt er einen moderaten, arbeiterfreundlichen Kurs ein. Dies sind die wesentlichen Punkte:

  • Investitionen von 300 Milliarden Dollar in neue Technologien
  • Erhöhung des Mindestlohns auf 15 Dollar pro Stunde
  • Kampf gegen Benachteiligungen u. a. von Schwarzen
  • Steuererhöhungen für Großkonzerne

Am 12. August 2020 gab Joe Biden die Vizepräsidentschaft bekannt: Im Falle seines Wahlsiegs übernimmt Kamala Harris, Senatorin von Kalifornien, das zweithöchste Amt der USA.

Biden gilt anders als Trump als pragmatisch und ausgeglichen. Bekannt ist er nicht zuletzt für seine langen, emotionalen Reden.

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