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Sepp Dürrsitzt seit 1998 für die Grünen im Landtag.

Interview mit Grünen-Abgeordneten 

Sepp Dürr: "Lufthoheit über die Parlamentssitze"

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München - Wie geht es eigentlich Tag für Tag im Landtag zu? Im Interview spricht der leidenschaftliche Zwischenrufer Sepp Dürr über Störfeuer, Entschuldigungen und die „bleierne Zeit“.

Die Gefahr für den Redner lauert links hinten: Dort sitzt der Grünen-Abgeordnete Sepp Dürr (60), einer der erfahrensten und lebhaftesten Zwischenrufer in der deutschen Parlamentslandschaft. Ein Gespräch über kurze Rufe und langweilige Sitzungen.

Herr Dürr, gehen Sie an Plenartagen manchmal heiser heim?

Eigentlich nie. Das Geheimnis des Zwischenrufs ist: Schwierige Zusammenhänge in möglichst ein bis drei Worten zusammenfassen. Da kann man kaum heiser werden, auch wenn ich im neuen Plenarsaal lauter rufen muss als im alten, damit mich auch die Protokollanten hören.

Wie böse, wie unflätig darf der Zwischenruf sein?

Ich bemühe mich, ohne Schimpfworte auszukommen. Am schönsten ist es, wenn sich vorne einer aufplustert – und es mir mit einem Ruf gelingt, die Luft aus dem Auftritt rauszulassen, und wenn dann alle lachen.

Geht es vor allem darum, den Redner von oft langweiligen, abgelesenen Beiträgen aus dem Konzept zu bringen?

Nein. Falls jetzt unsere Redezeit weiter begrenzt wird – die CSU redet und redet, dann die Regierung und dann wieder die CSU –, kann man nicht alles unwidersprochen lassen. Es geht um die Lufthoheit über die Parlamentssitze. Ich will denen das Wort streitig machen, die die Macht haben.

Droht eine Strafe, wenn Sie danebengreifen?

Eine Strafe nicht. Man muss sich ab und zu mal entschuldigen. Als Zwischenrufer muss man ja sofort schreien, knapp, aber nix, was einem hinterher um die Ohren gehauen werden kann. Ab und zu gehen dann auch mal die Pferde durch. In einer Debatte, als die CSU gegen bundesweite Volksentscheide kämpfte, die in Bayern ja in der Verfassung stehen, habe ich „Verfassungsfeind?“ gerufen. Hinterher musste ich mich für das leider nicht gehörte Fragezeichen entschuldigen.

Gilt der Grundsatz: Je schlechter der Redner, desto wichtiger Zwischenrufe?

Nein. Wenn einer schlecht redet, gehe ich raus. Das langweilt mich.

Was öfter vorkommt in der jüngeren Zeit – verzweifeln Sie an der Debattenkultur im Landtag?

Ich verzweifle vor allem dran, dass die Langeweile im Parlament der Ausdruck dessen ist, dass im Land nichts voran geht. Wir haben eine Regierung, die nicht regiert, und eine Opposition, die es nicht schafft, diese Regierung zu stellen. Es ist eine bleierne Zeit.

Was müsste besser werden im Landtag?

Man müsste was riskieren. Vor gut zehn Jahren haben wir es unter Alois Glück schon versucht, das Parlament lebendiger zu machen. Aber auch die Strukturen, die wir jetzt haben, entsprechen nicht der Realität. Es geht nicht darum, dass die CSU-Mehrheit im Parlament die CSU-Regierung kontrolliert, sondern um Minderheit gegen Mehrheit im Landtag. Wenn wir mehr Druck wollen, müssten mehr konfrontative Elemente in die Abläufe im Landtag rein. Das Plenum muss wieder der Ort werden, wo etwas passiert.

Interview: Christian Deutschländer

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