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Serdar Somuncu (r), Regisseur des Stücks Mein Kampf von George Tabori, spricht im Theater Konstanz während einer Pressekonferenz, in der Mitte sitzt Professor Christoph Nix, Intendant des Theaters Konstanz.

Premiere an Hitlers Geburtstag

Empörung über Serdar Somuncus „Mein Kampf“: Wer Hakenkreuz trägt, darf gratis rein

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Serdar Somuncu sorgt mit der Premiere von George Taboris "Mein Kampf" beim Theater Konstanz für Empörung. Wer eine Hakenkreuz-Binde trägt, kommt gratis rein.

Konstanz - Der Skandal um den antisemitischen Text der Rapper Farid Bang und Kollegah ("Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen") und ihre Auszeichnung mit dem Musikpreis „Echo“ ist noch nicht verraucht. Da kommt schon der nächste kalkulierte Nazi-Skandal ums Eck. Kabarettist Sedar Somuncu ist Regisseur einer Aufführung des Theaterstückes „Mein Kampf“ von George Tabori in Konstanz. Die Bühnen-Farce taugt jetzt nicht unbedingt zum Skandal-Stück, immerhin wurde das Stück erst im Januar am Münchner Volkstheater von Regisseur Christian Stückl inszeniert

Wohl aber das, was Somuncu und Intendant Christoph Nix daraus machen: Die Premiere von „Mein Kampf“ soll an einem der höchsten Feiertage der Nationalsozialisten stattfinden, am 20. April, dem Geburtstag Adolf Hitlers. Nach wie vor zelebrieren Neonazis an diesem Tag den „Führergeburtstag“.

Damit nicht genug der geplanten Geschmacklosigkeiten. Besucher, die die Premiere kostenfrei besuchen wollen, müssen eine Hakenkreuz-Binde tragen. Zahlende Besucher können ja während der Aufführung von „Mein Kampf“ einen Davidstern tragen - als Zeichen der Solidarität mit den jüdischen Opfern der Nazis. So argumentiert jedenfalls Theater-Intendant Nix.

Gegen die Inszenierung regt sich erwartbarer Widerstand. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft in der Bodenseeregion und die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Konstanz haben in einem offenen Brief die Inszenierung am 20. April kritisiert. 

Serdar Somuncu inszeniert “Mein Kampf“ in Konstanz: Sind Hakenkreuz-Binden eigentlich erlaubt?

Das Tragen von nationalsozialistischen Symbolen ist in der Öffentlichkeit in Deutschland eigentlich verboten. Aber: Schon in der Vergangenheit wurde juristisch entschieden: Die Verwendung von Nazi-Symbolen ist - etwa bei Theater-Inszenierungen - von der Kunstfreiheit gedeckt. Darauf spekulieren die Macher des Stücks offenbar.

Wie der SWR berichtet, sind gegen die Hakenkreuz-Aktion bei der Staatsanwaltschaft Konstanz bereits Anzeigen eingegangen. Man prüfe diese, hieß es am Dienstag. Grundsätzlich sei das Tragen von NS-Symbolen eine Straftat, möglicherweise sei dieser Fall aber von der Freiheit der Kunst gedeckt. 

Nach Auskunft des Theaters haben sich bereits 50 Interessierte gemeldet, die zur Premiere mit Hakenkreuz-Armbinde erscheinen wollen.

Dass sich jemand über diese Aktion aufregen kann, darüber zeigt der Theater-Intendant sich nach eigenem Bekunden erschrocken. „Es trifft mich, wenn ich erfahre, dass jüdische Freunde und Mitbürger durch unsere Inszenierung verletzt worden sind." Ja, wer hätte auch gedacht, dass jemand daran Anstoß nehmen könnte?

Man sei außerdem überrascht und erschrocken über die Anzahl der Menschen, die bereit sind, für freien Eintritt während der Vorstellung ein Hakenkreuz zu tragen, erklärte das Theater Konstanz gegenüber dem SWR. 

Serdar Somuncu: So rechtfertigt er seine Inszenierung von „Mein Kampf“ in Konstanz

Wie Serdar Somuncu bei der Pressekonferenz am Dienstag erklärte, will er mit seiner Inszenierung von „Mein Kampf“ gegen einen wachsenden Rechtsradikalismus in Deutschland angehen. Gewohnt emotional blaffte er die Reporter bei der Pressekonferenz an: „Es tut mir leid, wenn es Ihnen zu emotional ist. Es tut mir leid, wenn Sie denken, ich bin aggressiv. Es ist mir ein verdammtes Anliegen, das zu sein. Wenn Menschen vor die Hunde gehen seit Jahren, ohne dass der Großteil dieser Bevölkerung das wahrnimmt. Weil Leute wie Frauke Petry, wie Alice Weidel, wie Gauland genau mit diesem Gewissen spielen. Und die Leute, die dagegenhalten können, hier im Theater sitzen und sich über Hakenkreuz-Binden beschweren. Also: Bewegen Sie Ihren Arsch und tun Sie das, was Ihre verdammte Pflicht ist. Nämlich die Gedanken, die Sie hier produktiv geleistet haben, morgen wieder zu leisten, wenn es für Sie ein größeres Risiko bedeutet, als einen Regisseur nach seiner Inszenierung zu fragen.“ Na klar: Die Inszenierung dient also aufklärerischen Zwecken. Wer sich über die Premiere an Hitlers Geburtstag und über Hakenkreuz-Binden empört, verkennt Serdar Somuncus gute Absichten völlig.

In einem Kommentar stellt SWR-Journalist Christian Gampert den Skandal als kalkulierte Provokation dar. Er meint: „Erkenntnis ist aber wohl gar nicht das Ziel der Konstanzer Theaterleute, eher gieren sie nach Aufmerksamkeit. Die ist heute gerade durch antisemitische Aktionen leicht zu haben: soeben wurde in Berlin ein Rapper mit dem ‚Echo‘-Musikpreis bedacht, der seinen fitnessgestählten Körper mit den unterernährten Leibern von ‘Auschwitzinsassen‘ vergleicht und vorschlägt ‚mache wieder mal nen Holocaust‘.“

Gamperts Fazit zum kalkulierten Skandal: „Rappende Antisemiten und deutsche Theaterleute haben eines gemeinsam: sie halten sich für Tabubrecher. Und es nützt gar nichts, sich darüber aufzuregen - das ist ja genau das, was sie wollen.“

fro

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