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Serdar Somuncu

„Haben ihren Platz hier verloren“

Serdar Somuncus harter Vorwurf an die deutsch-türkischen Erdogan-Wähler

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Köln - Kabarettist Serdar Somuncu schüttelt den Kopf über Türken, die hierzulande für Erdogans Referendum gestimmt haben. Er zweifelt daran, dass sie unter Erdogan leben wollten.

Seit bald vier Tagen ist das Türkei-Referendum Geschichte - und noch immer wundern sich so einige Beobachter über das Ergebnis; das „Ja“ für das umstrittene Präsidialsystem. Auch was das Wahlverhalten der in Deutschland lebenden Türken angeht. Der türkischstämmige Kabarettist Serdar Somuncu etwa hat nun ein hartes Urteil über all jene gefällt, die in Deutschland für Recep Tayyip Erdogans Präsidialsystem gestimmt haben.

"Viele von denen, die hierzulande die AKP bei dem Referendum unterstützt haben, würden wahrscheinlich nicht einmal eine Woche in der Türkei leben können, weil ihnen dann elementare Freiheiten fehlen würden“, sagte Somuncu am Mittwochabend in der Sendung „Stern TV“ auf RTL.

Somuncu: Deutsche AKP-Anhänger schreiben Türken „Diktatur“ vor

Nach Lachen war dem Spaßmacher, der für die Satirepartei „Die Partei“ bei der Bundestagswahl antritt, offensichtlich nicht zumute. Er griff all jene harsch an, die ihr Kreuzchen für Erdogan gemacht hatten: "Wer nur von unserer Auffassung profitieren will, wenn er hier ist, den Leuten in seinem Heimatland aber vorschreibt, sich einer vermeintlichen Diktatur unterzuordnen, der hat seinen Platz hier verloren."

Zugleich warnt Somuncu vor einer sich anbahnenden Diktatur in der Türkei - und forderte klare Haltung von den Deutschen gegenüber Erdogan-Anhängern: "Wir müssen den Menschen, die hier leben, sagen, dass hier eine Auffassung erforderlich ist, die ein gemeinsamen friedliches Leben möglich macht."

So wählten die Deutsch-Türken

Nach dem vorläufigen Endergebnis der türkischen Wahlkommission votierten in der Türkei 51,4 Prozent der abstimmenden Türken für die Verfassungsreform. In Deutschland kam Erdogan auf 63,1 Prozent. In allen 13 Generalkonsulaten, denen die Wahlberechtigten in Deutschland zugeordnet sind, gab es mehr „Ja“- als „Nein“-Stimmen.

Allerdings gingen hierzulande auch deutlich weniger türkische Wähler an die Urnen. Nur die Hälfte der 1,43 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland nahm an dem Referendum teil - damit stimmten nur noch 28,8 Prozent der Wahlberechtigten in Deutschland für Erdogans Verfassungsreform. Nimmt man alle drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland als Grundlage, halbiert sich diese Zahl nochmals.

Eine detaillierte Auswertung der Wahlergebnisse des Türkei-Referendums in Deutschland finden Sie in diesem Artikel.

fn (mit dpa)

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