Vor der Internationalen Import-Messe in Shanhgai
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Blick auf die Skyline von Shanghai bei Nacht

Die Finanzmetropole Chinas

Shanghai: Wirtschaftszentrum und Finanzmetropole

Die Megastadt Shanghai ist nicht nur die größte Metropole Chinas. Sie ist auch ein modernes Wirtschafts- und Finanzzentrum des Landes.

  • Shanghai ist Chinas wichtigste Finanzmetropole
  • Hier liegt mit Yanshan der weltweit größte Frachthafen
  • Shanghai ist Zentrum der Textilindustrie; das Umland ist eine und wichtige Agrarregion

Shanghai – Shanghai ist mit 25,6 Millionen Einwohnern die größte Stadt Chinas. Weltweit übertreffen nur Tokio und Delhi die chinesische Großstadt bei der Einwohnerzahl. In der Hafenstadt am ostchinesischen Meer sind viele wichtige Industriezweige zu Hause, zum Beispiel die Textil- und die Automobilindustrie. Der Tiefseehafen von Shanghai auf den Yanshan-Inseln ist der größte Frachthafen der Welt. Das Jangtse-Delta im Norden der Stadt sorgt für fruchtbaren Boden und ein gutes Klima. Shanghais Umland ist deswegen auch ein wichtiges Zentrum der chinesischen Landwirtschaft.

Shanghai hat eine recht junge Geschichte. Der Aufstieg begann erst im 19. Jahrhundert, unter anderem mit der Ankunft der Ausländer, die den kleinen, strategisch günstig gelegenen Ort am Meer - auch ohne Einwilligung des Kaiserhofs - zu einem Handelszentrum aufbauten. Internationale Einflüsse zeigen sich bis heute auch in der Architektur der Stadt; und sie gilt als kosmopolitischste der Millionenstädte Chinas.

Shanghai: Geografische Lage und Klima

Die Lage am Jangtse-Delta verbindet Shanghai mit anderen chinesischen Großstädten - entlang des Jangtse und der Küste - und der Welt. Darüber hinaus ist der Boden im Jangtse-Delta besonders fruchtbar, und das Gebiet im Hinterland Shanghais somit eine wichtige Agrarregion. Hier wachsen unter anderem Reis, Weizen sowie viel Gemüse. Weizen.

Shanghai liegt nah an der Küste des ostchinesischen Meeres. Zahlreiche Seen und Flüsse prägen das Stadtbild. Das Klima ist feucht - mit kühlen Wintern und heißen und schwülen Sommern. Temperaturen von über 30 Grad Grad bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit sind dann nicht selten.

Shanghai: Geografische Merkmale

Shanghai liegt in einer wasserreichen, fruchtbaren Ebene. Zahlreiche Flüsse und Kanäle durchziehen die Stadt. Der größte von ihnen ist der Huangpu, der an seiner breitesten Stelle 700 Meter misst. Der Huangpu mündet nur wenige Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums in den Jangtsekiang, den längsten Fluss Chinas und drittgrößten Fluss der Welt.

Der Jangtsekiang bildet nördlich von Shanghai das große Jangtse-Delta, bevor er in das ostchinesische Meer mündet. Der Fluss ist sehr sedimentreich, und so bildeten sich über die Jahrhunderte aus den Ablagerungen nahe der Mündung neue Landmassen im Delta. i. Zum Stadtgebiet gehört auch die Insel Chongming im Fluss Jangtsekiang. So entstand mitten im Delta die Flussinsel Chongming, die heute die drittgrößte Insel Chinas ist. Ihre über 600.000 Einwohner gehören verwaltungstechnisch zu Shanghai.

Von der Fläche her ist Shanghai doppelt so groß wie das Saarland. Dabei gehören allerdings nur ungefähr 30 Prozent zur Kernstadt. Die restlichen 70 Prozent entfallen auf Vororte mit eigenen Subzentren und ländliche Siedlungen.

Shanghai: Die Bevölkerung der Metropole

Shanghai besteht aus einer Kernstadt mit ungefähr 15 Millionen Einwohnern. Um das Gebiet herum gibt es zahlreiche Vororte, die verwaltungstechnisch ebenfalls zum Stadtstaat Shanghai zählen. Diese Vororte liegen in einem Radius von 50 Kilometern um das Stadtzentrum von Shanghai herum. Auch ländliche Siedlungen gehören noch zu Shanghai.

Nur 16 Millionen der 25,6 Millionen Einwohner Shanghais leben dauerhaft in der Stadt. Die restlichen Einwohner haben nur temporäre Aufenthaltsgenehmigungen - es sind die Wanderarbeiter, die unter anderem Chinas Restaurants, Baustellen und Fabriken am Laufen halten.

Die meisten Bewohner Shanghais sind Han-Chinesen. Da die Stadt eine Handelsmetropole ist, leben hier Menschen aus allen Teilen der Welt. 150.000 Ausländer sind derzeit dort offiziell registriert. Die meisten von ihnen sind Japaner, US-Amerikaner und Südkoreaner. In Shanghai leben auch einige Deutsche, denn viele deutsche Unternehmen haben dort ihre China-Zentrale und/oder ihre Produktionsstätten in der benachbarten Provinz Jiangsu.

Shanghai: Geschichte

Bereits im Jahr 4000 vor unserer Zeitrechnung siedelten Menschen im Gebiet des heutigen Shanghai. Allerdings tat sich jahrtausendelang zunächst wenig. Erst im Jahr 960 erwähnt eine Urkunde erstmals ein Dorf namens Shanghai, was im Chinesischen soviel bedeutet wie „hinaufgehen zum Meer“. Im Mittelalter gewann das Jangtse-Delta immer mehr an Bedeutung, und Shanghai baute einen ersten Handelshafen. Bis zum 15. Jahrhundert regierten in Shanghai kaufmännische Gilden und prägten den Ort als Handelsstandort.

Im 19. Jahrhundert kam die Wende, als Großbritannien China dazu zwang, Shanghai für den Handel mit europäischen Märkten zu öffnen. In der Folge errichteten Briten, Franzosen, Japaner und Amerikaner eigene Konzessionen in der Stadt. Ihre Architektur prägt die Innenstadt bis heute. Shanghai entzog sich damals zunehmend der politischen Kontrolle des Kaiserreichs. Parallel zu den Verwaltugnen der Ausländern entstanden Mafia-ähnliche Organisationen, die eine Parallelmacht entfalteten. Trotzdem nahm Shanghais Bedeutung als Handelsstadt immer weiter zu. 1920 hatte Shanghai bereits eine Million Einwohner. Es kam immer wieder zu Aufständen gegen die ausländischen Besatzer, bei denen zahlreiche Menschen starben.

Im zweiten Weltkrieg wurde Shanghai von Japan besetzt - der chinesische Teil ebenso wie die ausländischen Konzessionen. Trotz der Kriegswirren war die Stadt auch ein Zufluchtsort für Juden, die vor den Nazis aus Europa entkamen. Die Menschen flohen zwischen 1938 und 1941 nach China und fanden in Shanghai Zuflucht, weil dort kein Visum benötigt wurde. Die japanische Verwaltung gründete auf Anweisung deutscher Nationalsozialisten ein jüdisches Ghetto in Shanghai, lieferte die dort lebenden Juden aber nicht aus. Noch heute zeugt ein jüdisches Museum im Stadtteil Hongkou von dieser Zeit.

Erst nach der Kapitulation Japans 1945 erlangte China die vollständige Kontrolle über Shanghai zurück. Nach dem Ende des Bürgerkriegs 1949 fiel die Stadt an die siegreiche Kommunistische Partei und Mao Zedong, der in Peking die Gründung der Volksrepublik China ausrief. Als einstiges Zentrum des Kapitalismus fristete Shanghai unter Mao ein Schattendasein. Erst mit Beginn der Reformpolitik ab den 1980er Jahren begann der Wiederaufstieg der Metropole.

Shanghai: Wirtschaftsmetropole

Heute ist Shanghai Chinas zweitwichtigste Wirtschaftsmetropole nach der Sonderverwaltungszone Hongkong. Die chinesische Regierung investiert inzwischen massiv in den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt. Die Stadt ist durch ihren Hafen, zwei internationale Flughäfen und ein dichtes Eisenbahnnetz - unter anderem mit vielen Hochgeschwindigkeitsstrecken - an den nationalen und internationalen Güterverkehr angeschlossen. Das bietet ideale Bedingungen für Unternehmen. In Shanghai liegt zudem mit Yanshan der größte Containerhafen der Welt, der auf einer Inselgruppe angelegt wurde. Hier werden pro Jahr 31,7 Millionen Standardcontainer (TEU) umgeschlagen. Um den alten Flusshafen herum gibt es zahlreiche große Werften, was Shanghai zu einem führenden Hersteller von Schiffen verschiedenster Klassen macht.

Der Jangtse verbindet Shanghai mit zahlreichen weiteren Wirtschaftsmetropolen in Ostchina, darunter Nanjing und Wuhan. Die Gegend südlich des Jangtsedelta ist mit ihren vielen kleineren Städten zu einem wichtigen Produktionsszentrum geworden. Shanghai selbst ist ein Zentrum der Textilindustrie in China und durch den Staatskonzern Shanghai Automotive (SAIC), mit dem sowohl VW als auch General Motors zusammenarbeiten, auch ein Hauptstandort der Autobranche. Das Joint Venture von VW und SAIC produziert im Vorort Anting. Desweiteren gibt es in Shanghai Chemie- und Pharmazieunternehmen, sowie Stahlproduktion und Maschinenbau.

Shanghai: Zentrum der Finanzwirtschaft

Nach Gründung der Volksrepublik China zogen viele Unternehmen nach Hongkong, und Shanghai erlebte einen wirtschaftlichen Abschwung. Die Finanzwelt fürchtete wirtschaftliche Nachteile durch die neue Regierung. Erst in den 1980er Jahren entschied China, Shanghai als Wirtschafts- und Finanzmetropole wieder aufzubauen - und begann in den Bankensektor zu investieren. Seitdem konkurriert Shanghai mit Hongkong um Rang Eins als Finanzmetropole Chinas. 1990 eröffnete die Shanghai Stock Exchange, heute wichtigste Börse auf dem chinesischen Festland. 2002 öffnete dann die Shanghai Gold Exchange. Diese Einrichtung ist die größte Börse Chinas für den Handel mit Gold, Silber und anderen Edelmetallen.

Shanghai spielt auch als globale Finanzmetropole eine immer größere Rolle. Das belegt der Global Financial Centres Index, der verschiedene Finanzzentren miteinander vergleicht. Belegte die Stadt 2008 noch Platz sechs im Ranking der wichtigsten Finanzzentren, liegt Shanghai inzwischen auf Platz drei, sogar einen Platz vor Hongkong. Übertroffen wird die Stadt nur noch von New York und London.

Shanghai: Landwirtschaft im Jangtse-Delta

Das Jangtse-Delta, das die Region um Shanghai prägt, sorgt für nährstoffreichen, gut bewässerten Boden. Das liegt vor allem daran, dass der Jangtse fruchtbaren Schlamm in der Gegend ablagert. Dadurch ist Shanghai ein idealer Standort für die Landwirtschaft und besitzt einen der fruchtbarsten Böden von ganz China. In den dünner besiedelten Gegenden um die Kernstadt Shanghai herum bauen große und kleine landwirtschaftliche Betriebe Baumwolle, Getreide, Reis, Tee und Hanf an. Auch Fischzucht und Viehwirtschaft spielen eine Rolle für die Wirtschaft der Metropole.

Die Agrarpotentiale von Shanghai sind noch nicht ausgeschöpft, und die Regierung fördert die Entwicklung des Wirtschaftszweiges mit Investitionen und Infrastruktur. Vor allem die Herstellung von Milchprodukten ist ein florierender Wirtschaftszweig, der jährlich anwächst. Auch ausländische Investoren drängen in Shanghais Landwirtschaftssektor. Viele von ihnen investieren in ökologische Landwirtschaft, da die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt.

Shanghai: Die Kultur der Megastadt

Gegensätze machen die Kultur in Shanghai aus. Durch die Rolle der Stadt als Wirtschafts- und Finanzmetropole hat sich das Stadtbild in kurzer Zeit rasant verändert und ist heute vor allem im Ostteil Pudong von Wolkenkratzern geprägt. Moderne Architektur spielt eine große Rolle in Shanghai, und viele Banken und Unternehmen präsentieren sich in Pudong durch ihre eindrucksvollen Firmensitze. Daneben gibt es aber auch alte Bauten aus der Kolonialzeit und eine traditionell chinesische Altstadt. Ein wichtiges Kulturgut in Shanghai ist der dort gelegene Yu-Garten. Diese Parkanlage ist über 500 Jahre alt und zeigt die klassische chinesische Gartenbaukunst. Die Kontraste aus Alt und Neu treffen unter anderem an der spektakulären Flusspromenade „Bund“ aufeinander. Hier liegen sich Altstadt und Wolkenkratzer-Skyline über den Huangpu-Fluss genau gegenüber.

Shanghai ist viele Jahre ein Schmelztiegel der Kulturen gewesen, in dem Einflüsse aus Ost und West zusammengekommen sind. Viele Viertel zeigen Einflüsse koreanischer, japanischer, französischer oder britischer Architektur. Das hat auch Shanghais Küche geprägt, die heute deutlich internationaler ist als in anderen Regionen Chinas.

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