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Luftbild von Shenzhen

Shenzhen in China

Shenzhen: Geografie, Geschichte und Wirtschaft

Shenzhen profitierte bereits früh von der Nähe zu Hongkong und ist nunmehr eine der wichtigsten Wirtschaftszentren in China.

  • Shenzhen ist eines der bedeutsamsten Wirtschaftszentren in China
  • Shenzhen ist von dynamischem Wachstum und hoher Innovationstätigkeit geprägt
  • Shenzhen ist die Stadt mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen innerhalb der Volksrepublik China

Die Millionenmetropole Shenzhen liegt im Südosten Chinas, direkt an der Grenze zu Hongkong. Die Stadt zählt mit ihrem Umland aktuell runs 12,7 Millionen Einwohner und erstreckt sich auf einer Fläche von knapp 2.000 Quadratkilometern. Sie ist damit die viertgrößte Metropole der Volksrepublik - und zugleich ihre jüngste. Shenzhens Aufstieg begann, als China die Stadt 1980 zur ersten Wirtschaftssonderzone erklärte, um dort mit einer wirtschaftlichen Öffnung zu experimentieren. Das Konzept war ein durchschlagender Erfolg, von dem Shenzhen bis heute profitiert.

Durch die verkehrsgünstige Lage im Perlflussdelta nahe der Küste ist Shenzhen ein bedeutender Wirtschaftsstandort, Warenumschlagplatz und Sitz namhafter chinesischer High-Tech-Unternehmen - etwa die Telekommunikationsausrüster Huawei und ZTE, der Elektroautohersteller BYD oder der weltgrößte Hersteller ziviler Drohnen, DPJ. Sie alle haben ihren Sitz in der Metropole Shenzhen, ebenso wie eine große Zahl kleinerer Tech-Startups. Der Containerhafen Yantian gehört zu den größten der Welt.

Shenzhen: Historische Stadtentwicklung

Shenzhen wurde in der Historie erstmals 1410 während der Ming-Dynastie erwähnt. Zur damaligen Zeit war die gesamte Region von Perlfluss und Bachläufen geprägt. Die Bewohner der Gegend erwirtschafteten ihren Lebensunterhalt hauptsächlich mit Reisanbau. Dank des Flussdeltas konnten die Reisfelder vor der Ernte auf einfache Art und Weise entwässert werden. Diese Entwässerungsgräben bezeichneten die damaligen Bewohner als „zhen“. „Shen“ wiederum bedeutet „tief.“ Der Name Shenzhen kann somit als „tiefe Entwässerungsgäben“ übersetzt werden.

Auf dem Gebiet des heutigen Shenzhens befand sich ein Landkreis namens Bao’an. Wichtigster Ort dieses Kreises war ein kleineres Fischereistädtchen unweit der Grenze zu Hongkong namens Shenzhen. Um von den damals positiven wirtschaftlichen Entwicklungen in der benachbarten britischen Kronkolonie Hongkong zu profitieren, entschied die chinesische Zentralregierung im März 1979, dass aus dem bisherigen Kreis Bao’an ab sofort die Stadt Shenzhen entstehen sollte. Die Entscheidung wurde zusammen mit Vertretern der Provinz Guangdong getroffen, zu der Shenzhen gehört. In Bao‘an liegt heute der Flughafen von Shenzhen.

Shenzhen: Vorteile eine Sonderwirtschaftszone

Im Jahr 1980 wurde Shenzhen unter Führung des Wirtschaftsreformers Deng Xiaoping (*22.08.1904, †1997) erste von später fünf Sonderwirtschaftszonen. Die günstige Lage Shenzhens sollte genutzt werden, um dort mit einer Öffnung der bislang abgeschotteten Wirtschaft der Volksrepublik zu experimentieren. Ausländische Firmen durften in Shenzhen investieren; lokale Firmen mit dem Ausland Geschäfte machen. Genutzt wurde dies von Anfang an intensiv von Unternehmen aus Hongkong und Taiwan, die in Shenzhen Fabriken errichteten, um für den Export zu produzieren.

Dadurch kam es zu einem lokalen Wirtschaftsboom, der die Erwartungen Pekings deutlich übertraf. Shenzhen entwickelte sich zu einer florierenden Stadt mit einem wahren Bauboom. Die Region war auf dem Weg, eines der wichtigsten Wirtschaftszentren in China zu werden.

Shenzhen: Erweiterung der Sonderwirtschaftszone

Im Jahr 2009 hatte die Sonderwirtschaftszone bereits eine Größe von 396 Quadratkilometern erreicht und war somit deutlich größer als es die Planungen im Jahre 1980 vorgesehen hatten. Dort galten Sonderbestimmungen wie etwa Zollvergünstigungen für Güter gelten, die nicht in den inländischen Warenverkehr eingebracht werden. 2010 wurde die Sonderverwaltungszone der Stadt abermals erweitert, indem die Stadtbezirke Bao’an - Sitz des Flughafens - und Longgang in die Zone integriert wurden. Mittlerweile ist die Sonderwirtschaftszone auf eine Größe von 1.953 Quadratkilometern angewachsen.

Die Zone ist über Jahrzehnte magischer Anziehungspunkt für junge Wanderarbeiter und Wanderarbeiterinnen aus den ländlichen Regionen gewesen, die in den Leichtindustriefabriken vergleichsweise gut verdienen konnten. Das Geld sparten sie oder schickten es nach Hause an die Familien. Als aufgrund der langen Arbeitszeiten und schlechten Arbeitsbedingungen die Migranten fernblieben, wurden Arbeiter knapp. Die Stadt erließ Regeln, um etwa Überstunden zu reduzieren. Seit vielen Jahren ist der lokale Mindestlohn zudem höher als anderswo in China.

Aufgrund des wirtschaftlichen Erfolgs ist Shenzhen heute die chinesische Stadt mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen. Der Nachteil: Auch die Immobilienpreise liegen an der Spitze.

Shenzhen: Bedeutender Wirtschaftsstandort für innovative Tech-Unternehmen

Shenzhen ist vor allem durch einen dynamischen Hochtechnologiesektor geprägt. Im High-Tech-Sektor hat sich ein Unternehmenscluster herausgebildet, das mittlerweile zwischen 8.000 bis 12.000 Unternehmen umfasst. Seit 1999 wird in Shenzhen die größte Technologiemesse Chinas ausgetragen. Auf der China-Hi-Tech-Fair waren zuletzt 3.000 führende internationale Aussteller aus 50 Staaten sowie über 500.000 Besucher anwesend.

Der mittlerweile zu einem Global Player aufgestiegene Technologiekonzern Huawei hat seinen Hauptsitz in Shenzhen. Auch Chinas größter Internetkonzern Tencent stammt aus Shenzhen. Er ist groß geworden mit Videospielen und einem Gaming-Ökosystem. Auch die Alleskönner-App Wechat, mit der User unter anderem chatten und bezahlen können, gehört zu Tencent. Desweiteren hat sich der taiwanische Konzern Foxconn - der für die Lizenzproduktion von Apple-Produkten bekannt geworden ist - in Shenzhen angesiedelt. Am dortigen Standort entwickelt Foxconn derzeit unter anderem Industrieroboter.

Shenzhen: Bedeutender Standort für Finanzdienstleistungen

Gemeinsam mit den Städten Shanghai und Peking zählt Shenzhen zudem zu den bedeutsamsten Finanzzentren Chinas. Zahlreiche Banken und Versicherungsgesellschaften sind in Shenzhen ansässig. Seit 1990 ist die Stadt nach Shanghai Chinas zweitgrößter Börsenstandort. Die Shenzhen Stock Exchange zählt mit über 3 Billionen US-Dollar Marktkapitalisierung zu den größten Börsen weltweit. Auch viele Fin-Tech-Unternehmen und Start-Ups aus dem Finanzdienstleistungssektor haben sich in Shenzhen angesiedelt.

Dazu zählt unter anderem Pen-Pay, ein mit PayPal vergleichbarer Zahlungsanbieter, der zur Unternehmensgruppe Tencent gehört und für private als auch geschäftliche Zahlungsabwicklungen genutzt werden kann. Auch Chinas erste reine Digitalbank, die WeBank hat ihren Unternehmenssitz in Shenzhen. Im Jahr 2018 gab es in der Shenzhen und Hongkong mit der Hongkong Fintech 2018 Week erstmals eine grenzüberschreitende Veranstaltung zu den neuesten Finanztechnologien. An dem Meeting nahmen über 8.000 Führungskräfte aus 50 verschiedenen Staaten teil. Im Mittelpunkt standen dort vor allem die Themen künstliche Intelligenz, Blockhain und virtuelle Banken.

Shenzhen: Vorreiter mit umweltfreundlichem öffentlichen Nahverkehr

Auch im öffentlichen Personennahverkehr ist Shenzhen führend bei neuen Technologien. So sind im gesamten Stadtgebiet der chinesischen Metropole Elektrobusse unterwegs. Knapp 16.000 elektrisch betriebene Busse fahren mittlerweile durch die Stadt.

Auch baut die Stadt schnell Ladestationen für Elektroautos und die E-Busse auf. Einer der maßgeblichen Treiber dieser Technologie ist der Auto- und Batteriehersteller BYD, der Autos eigener Marke, aber auch gemeinsam mit Daimler Elektroautos der Marke Denza herstellt. Das Elektro-Modell e9 von BYD ist in Shenzhen als Elektrotaxi unterwegs.

Innerhalb des Stadtgebiets gibt es zudem ein Metro-Netz, dass bis 2030 zum größten U-Bahn-System Chinas ausgebaut werden soll.

Shenzhen Airport: Nummer vier in China

Der Shenzhen Bao‘an International Airport, etwa 35 Kilometer vom Stadtzentrum Shenzhen entfernt ist der derzeit viertgrößte Flughafen Festlandchinas. Die Fluggesellschaften Shenzhen Airlines, Donghai Airlines sowie die Frachtfluglinie UPS nutzen den Flughafen als wichtiges Drehkreuz in China. So verwundert es auch nicht, dass die Region Shenzhen die Heimat zahlreicher Logistikparks und Logistikunternehmen darstellt. Seit 2006 findet in Shenzhen zudem die China (Shenzhen) International Logistics and Transportation Fair statt, eine der führenden Messen für Logistik und Transportwirtschaft im asiatischen Raum.

Shenzhen: Verkehrsknotenpunkt und bedeutsamer Hafen

Über das Stadtgebiet von Shenzhen verteilen sich zudem über fünf große Fernbahnhöfe. Von hier aus ist Shenzhen mit weiteren Provinzen und Städten in Inlandchina bestens vernetzt. Die Strecke zwischen Shenzhen und der Provinzhauptstadt Guangzhou war die erste Hochgeschwindigkeits-Bahntrasse Chinas. Zugverbindungen mit Schnellzügen gibt es heute nach Wuhan, Peking und viele weitere Städte und Regionen des Landes.

Der Containerhafen Yantian ist am Containerumschlag gemessen aktuell der viertgrößte der Welt - hinter Shanghai, Singapur und Ningbo-Zoushan in China. Im Jahre 2020 wurdendort 26,5 Millionen Standard-Container-Einheiten (TEU) umgeschlagen.

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