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Nach dem Jamaika-Aus mehren sich die Pro-Argumente für einen Verbleib von Horst Seehofer (M.) an der CSU-Spitze.

Klartext am Donnerstag

Showdown bei der CSU: Warum Seehofer das Jamaika-Aus sogar nützen könnte

Am Donnerstag berät die CSU über das Scheitern von Jamaika - und erwartet endlich eine klare Ansage von Seehofer. Die wird kommen - doch was der CSU-Chef vorhat, ist wieder völlig offen. 

Auch am Montag blieb Horst Seehofer nach den geplatzten Jamaika-Sondierungen in Berlin. Doch Seehofer wird dringend in München zurück erwartet: Nachdem er während der vierwöchigen Sondierungsphase weitgehend in der Bundeshauptstadt weilte, will die CSU jetzt Antworten von ihrem Parteichef. Wird Seehofer bald seinen Stuhl räumen - oder wird er seine Erfahrung als Argument vorbringen, weshalb es nicht ohne ihn geht?

Großer Showdown am Donnerstag

Am Donnerstag könnte es zu einer Art Showdown in München kommen. Für die Mittagszeit wird sich die Landtagsfraktion zur Sondersitzung treffen. Am frühen Abend gibt es dann eine außerordentliche Vorstandssitzung. Auf der Tagesordnung steht die Beratung des Scheiterns von Jamaika - doch mindestens genauso sehr erwarten die Christsozialen nun Antworten, wie es mit Seehofer selbst weiter geht. Oder mit seinen Kritikern, die in der Sondierungsphase dem in Berlin weilenden Parteichef in München munter in die Parade fuhren.

Seehofer wolle sich "äußern zu seiner Zukunft und wie er die Weichen für die Zukunft der CSU stellen will", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dem Bayerischen Rundfunk. Einen eigenen Wunsch ließ Herrmann nicht direkt durchblicken - wohl aber, dass die von Seehofer geführten Verhandlungen zu Jamaika aus CSU-Sicht erfolgreich gewesen seien. Gerade im Bereich der inneren Sicherheit habe die CSU "zum allergrößten Teil" ihre Positionen durchgesetzt - "das war ja in Verhandlungen mit den Grünen nicht unbedingt zu erwarten".

Stamm: „Kann mir nicht vorstellen, auf Seehofer zu verzichten“

Ein Pro-Argument für Seehofer. Und auch Bayerns Landtagspräsidentin Barbara Stamm machte sich für den Parteichef stark. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Partei auf Horst Seehofer jetzt unter diesen Umständen verzichten kann", sagte Stamm im Bayerischen Rundfunk.

Herrmann und Stamm waren allerdings auch schon in den vergangenen Wochen konsequent auf der Seehofer-Linie. Nichts zu hören war nach dem Scheitern von Jamaika hingegen zunächst aus dem Lager der Seehofer-Gegner.

Hätten CDU, CSU, FDP und Grüne ihren ursprünglichen Zeitplan eingehalten und sich bis Freitag zur Aufnahme von Koalitionsverhandlungen entschieden, könnte das Ende Seehofers schon fixiert sein. Dann hätte sich die CSU-Spitze am vergangenen Samstag getroffen - und die Seehofer-Gegner vermutlich auf die schnelle Ablösung des Parteichefs gedrungen.

Werden die Karten neu gemischt?

Nun scheinen durch die instabiler gewordene Lage die Karten neu gemischt - bis hin in das Lager von Markus Söder, dem ernsthaftesten Konkurrenten von Seehofer. "Es ist alles noch zu sehr im Fluss", sagt ein CSU-Vorstandsmitglied aus dem Söder-Lager. Ein anderer Unterstützer sagt, "es lässt sich in dieser neuen Lage schwer sagen, was das Beste wäre." Noch vor dem Aus von Jamaika drangen diese Christsozialen auf einen Neuanfang.

Eine Minderheitsregierung, Neuwahlen oder doch noch eine von der SPD mittlerweile wiederholt ausgeschlossene große Koalition - die verschiedenen Möglichkeiten hätten nach Einschätzung der CSU-Vertreter auch unterschiedliche Konsequenzen.

Seehofer soll sich kämpferisch geben

Seehofer scheint jedenfalls nicht ohne Weiteres Platz machen zu wollen. In einer Telefonschalte mit der Parteispitze wirkte er nach Angaben von Teilnehmern jedenfalls kämpferisch - nicht auszuschließen, dass Seehofer nach seiner Rückkehr aus Berlin zu Hause aufräumen und seine in München zuletzt undiszipliniert aufgetretene Partei in ihre Schranken weisen will.

afp

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