+
Eine Frau macht auf einem Wahlzettel ihr Kreuz. Foto: Sebastian Gollnow/Illustration

Mängel bei Datenübertragung

Sicherheitslücken in Bundestagswahl-Software entdeckt

Nach Untersuchungen eines Informatikers und des Chaos Computer Clubs klaffen in dem Programm "PC Wahl" Sicherheitslücken, wie "Zeit Online" und die Wochenzeitung "Die Zeit" berichten. Beim Bundeswahlleiter war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Berlin (dpa) - Sicherheitsforscher haben gravierende Mängel in einer Software gefunden, mit der in etlichen Kommunen die Wahlergebnisse der Bundestagswahl zusammengetragen werden.

Nach den Untersuchungen eines Informatikers aus Darmstadt und des Chaos Computer Clubs (CCC) klaffen in dem Programm "PC Wahl" etliche Sicherheitslücken, wie "Zeit Online" und die Wochenzeitung "Die Zeit" berichten. So sei die Übertragung der korrekten Wahldaten aus den Gemeinden an den Wahlleiter weder durch eine Verschlüsselung oder eine wirksame Authentifizierung abgesichert gewesen.

Dem Bericht zufolge sei es auch möglich gewesen, den Kommunen eine infizierte Version des Programms unterzuschieben, weil die Zugangsdaten für einen geschützten Support-Bereich für die Gemeinden im Netz aufzufinden gewesen seien.

Das Programm sei so schlecht, dass es "nie hätte eingesetzt werden dürfen", sagte CCC-Sprecher Linus Neumann der "Zeit". In dem Programm werde "keine richtige Verschlüsselung, sondern nur eine Maskierung" verwendet. Jeder, der Zugriff auf das Programm habe und die Verschlüsselung brechen könne, bekomme damit auch Zugriff auf die Passwörter und könnte so manipulierte Wahldaten weiterschicken.

Volker Berninger, der Entwickler von PC-Wahl, bestritt in dem Artikel die Behauptung der Forscher, die Bundestagswahl könne manipuliert werden. "Bei dem schlimmsten Szenario würde jemand damit Verwirrung stiften. Dann würden zwar irgendwelche falschen Ergebnisse im Internet stehen, aber auf dem Papier wären noch immer die richtigen vorhanden. Das gibt Ärger und Verwirrung, hat aber keine Relevanz."

Der Landeswahlleiter von Hessen räumte in einem Schreiben an die Kreiswahlleiter ein, dass "ein Versuch einer Einflussnahme oder Störung der Wahldatenübermittlung nicht ausgeschlossen werden kann". Er ordnet an, dass die Wahlhelfer am 24. September sämtliche übermittelten Ergebnisse nach dem Versenden auf der Webseite des Statistischen Landesamtes überprüfen, wo sie aufgelistet werden. Bei jeder Auffälligkeit sollen sich die Wahlhelfer telefonisch melden.

Beim Bundeswahlleiter war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Bericht Zeit Online

Analyse des Chaos Computer Clubs

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trump macht Drohungen wahr: Hohe Strafzölle gegen China
In Europa hielt sich lange die These, Donald Trumps Bedrohung des Welthandels sei nur heiße Luft. Nun schrecken Experten und Politiker auf: Die USA erheben Zölle auf …
Trump macht Drohungen wahr: Hohe Strafzölle gegen China
Immer mehr wollen seit dem Parteitag bei der SPD mitmachen
Viele Jusos wollen mit aller Macht eine GroKo verhindern. Und trommeln für Parteieintritte. Offenbar mit Erfolg. Die Neuen sollen helfen, beim möglichen …
Immer mehr wollen seit dem Parteitag bei der SPD mitmachen
Nach GroKo-“Ja“: Warum plötzlich so viele in die SPD eintreten
Die Sozialdemokraten verzeichnen nach der Entscheidung ihres Sonderparteitags für Koalitionsverhandlungen mit der Union eine Eintrittswelle. Das könnte nicht nur …
Nach GroKo-“Ja“: Warum plötzlich so viele in die SPD eintreten
AfD übernimmt Vorsitz im Haushaltsausschuss des Bundestages
Die neue Bundesregierung steht zwar noch nicht. Doch der Bundestag will vorankommen. Deshalb wurde jetzt bestimmt, wer in welchem Ausschuss den Vorsitz übernimmt. Der …
AfD übernimmt Vorsitz im Haushaltsausschuss des Bundestages

Kommentare