Riesenpandas in China
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Eine Gruppe Pandas frisst Bambusblätter in einer Aufzuchtstation in Sichuan

Provinz im Südwesten Chinas

Sichuan: Einzigartige Natur, scharfe Küche und kultureller Reichtum

  • VonCarolin Schulz-Osterloh
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Sichuan im Südwesten Chinas besitzt eine abwechslungsreiche Natur und ist berühmt für seine scharfe Küche.

Sichuan ist eine der 23 chinesischen Provinzen und liegt im Südwestes des Landes. In der Provinzleben mit rund 81 Millionen Einwohnern etwa so viele Menschen wie in ganz Deutschland.

Das Klima Sichuans ist subtropisch und eignet sich ideal für die Landwirtschaft. Von Sichuan aus exportiert China Tee in die ganze Welt. Noch heute gibt es kaum irgendwo in China so viele Teehäuser wie dort: Die Menschen in Sichuans Hauptstadt Chengdu sind berühmt-berüchtigt dafür, ganze Nachmittage mit Teetrinken zu verbringen. Berühmt ist die Region außerdem für ihre äußerst scharfe Küche. Sichuan-Pfefferkörner würzen viele Gerichte in ganz China. Auch war die Provinz in der Geschichte für ihre Schausteller- und Akrobatenkultur bekannt.

In Sichuan gibt es eine artenreiche Natur. Chengdu liegt im so genannten Roten Becken, das für seine fruchtbare rote Erde bekannt ist. Der Westen der Provinz ist gebirgig und reicht bis hinauf auf das tibetische Hochplateau. Menschen leben dort nur wenige. Dafür ist die abgelegene Gegend Heimat von Pandas und Schneeleoparden in freier Wildbahn.

Sichuan: Geografie

Sichuan liegt im Südwesten Chinas am Rande der Gebirge des tibetischen Hochplateaus. Die abwechslungsreiche Landschaft und die zahlreichen Klimazonen bieten ideale Bedingungen für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt.

Im Kern der Provinz liegt das Rote Becken um die Hauptstadt Chengdu. Diese fruchtbare Ebene erstreckt sich bis zum Hochgebirge Daxue Shan - was soviel heißt wie „Großer Schneeberg“. Hier liegt auch der höchste Berg von Sichuan, der 7.765 Meter hohe Gonga Shan.,

Das Klima in Sichuan ist subtropisch. Im geschützten Roten Becken fallen die Temperaturen nur sehr selten unter den Gefrierpunkt. Durch die Gebirge stauen sich Wolken über der tief gelegenen Ebene und bescheren Sichuan häufigen Niederschlag und Nebel. Die Provinz hat nur an 25 bis 30 Tagen im Jahr Sonne. Dennoch ist Sichuan ein wichtiges Zentrum der Landwirtschaft. Da es fast keinen Frost gibt, wachsen die Pflanzen das ganze Jahr.

In den Gebirgen Westsichuans wird es allerdings im Winter sehr kalt. Dort ist es auch klarer. Hier gibt es auch Gletscher und Gipfel, auf denen das ganze Jahr über Schnee liegt.

Sichuan beheimatet in seinen wilden Regionen viele gefährdete Tierarten, wie den Schneeleoparden und den Riesenpanda. Sie leben vor allem in den großen Nebelwäldern und Bergsteppen, wo sie wichtige Rückzugsräume finden. Vor allem der in ausgedehnten Bambuswäldern lebende Panda genießt einen besonderen Schutzstatus in China. Damit die schwarz-weißen Bären nicht aussterben, gibt es in Sichuan zahlreiche Aufzuchtstationen.

Sichuan verfügt außerdem über mehrere große Natur- und Tierschutzgebiete. Um die empfindliche Natur zu schützen, gibt es in Sichuan zahlreiche Schutzgebiete. Das wichtigste ist das Wolong-Naturreservat im Westen der Provinz. Hier stehen über 2.000 Quadratkilometer Bergwald unter Schutz. Neben dem großen Panda leben im Reservat viele gefährdete Tierarten. Vor allem der Schneeleopard findet in den Bergen einen wichtigen Schutzraum.

Sichuan: Die Geschichte der Provinz

Sichuan gilt als eine der kulturellen Wiegen Chinas. Hier siedelten schon vor 3.000 Jahren die ersten Han-Chinesen. Sie lebten in Gebieten, die über Jahrhunderte nur schwer zugänglich waren und entwickelten daher eine eigene lokale Kultur, Sprache und Architektur. Die Menschen bauten hier schon 300 vor der heutigen Zeitrechnung ein komplexes Bewässerungssystem und schufen so die Grundlage für die Entwicklung der Landwirtschaft in Sichuan. Das Bewässerungssystem von Dujiangyan gehört heute zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Nach Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 gab es in Sichuan wie überall in China große Umwälzungen - vor allem in der ländlichen Einkommensstruktur. Großgrundbesitzer wurden in einer Bodenreform enteignet, und über die Jahre wurde die Landwirtschaft vollständig kollektiviert. Aufgrund der Topografie waren viele Bauernhöfe klein und hatten wenig Land. Armut war vor allem in abgelegenen Gebieten an der Tagesordnung. Viele Menschen in Sichuan verließen daher ihre Kleinbauernhöfe und suchten Arbeit in Fabriken. Infolge des von Mao Zedong angestoßenen Großen Sprungs nach Vorn kam es auch in Sichuan zu einer verheerenden Hungersnot, an der in der Provinz mehrere Millionen Menschen starben. Danach baute die chinesische Regierung die Landwirtschaft in Sichuan wieder auf und förderte die Betriebe mit Zuschüssen.

Sichuan: Die Bevölkerung

In Sichuan leben 81 Millionen Menschen. Die Menschen in Sichuan pflegen ihre Kultur und Geschichte und erhalten lokale Traditionen, von denen viele in anderen Regionen Chinas langsam an Bedeutung verloren haben. Vor allem die Teekultur zelebrieren Menschen hier noch wie vor tausend Jahren. Über 95 Prozent von ihnen sind Han-Chinesen, die in China die größte Bevölkerungsgruppe ausmachen.

Die meisten Menschen in Sichuan sprechen einen lokalen Dialekt des Mandarin (wie das Hochchinesische auch genannt wird), das sich teilweise stark vom klassischen Mandarin unterscheidet. Hinzu kommen zahlreiche lokale Dialekte kleiner Regionen innerhalb der Provinz.

Die Menschen Sichuans sind sehr stolz auf ihre Küche, die für Schärfe, viel Chili und den Sichuanpfeffer bekannt ist. Die Küche Sichuans ist eine der vier großen traditionellen chinesischen Küchen.

Da Sichuan an Tibet grenzt, prägt auch die tibetische Kultur die Provinz. Daneben leben in Sichuan viele Tibeter. 30.000 Tibeter wohnen dauerhaft in Sichuan, zumeist in Dörfern oder Kleinstädten im Westen der Provinz, die dort ihre eigene Kultur pflegen. Hinzu kommen über 200.000 Tibeter, die als Wanderarbeiter aus der Autonomen Region Tibet nach Sichuan kommen. Besonders die traditionellen tibetischen Dörfer im Daxue-Shan-Gebirgen haben großen kulturellen Wert.

Sichuan war lange die bevölkerungsreichste Provinz Chinas mit mehr als 100 Millionen Menschen. 1997 spaltete die chinesische Regierung allerdings den Großraum um die Millionenstadt Chongqing von Sichuan ab. Das Gebiet von Chongqing hat mehr als 30 Millionen Einwohner (davon gut die Hälfte in der Stadt selbst) und ist flächenmäßig fast so groß wie Österreich.

Sichuan: Wirtschaft und Industrie

Die Provinz lebte in der Vergangenheit vor allem von der Landwirtschaft. Sichuan ist bekannt für Exportprodukte wie Seide, Pfeffer und Tee. Auch heute sind weite Teile der Provinz noch ländlich geprägt. Das Rote Becken um Chengdu und die Gegend nördlich davon sind inzwischen allerdings auch wichtige Industriestandorte geworden. Unter anderem produziert VW mit einem Joint Venture Autos in Chengdu.

Sichuan ist aber auch heute noch vor allem eine Agrarregion. Landwirte bauen hier vorwiegend Reis an. Daneben gibt es Tee, Mais, Weizen, Raps, Soja und Süßkartoffeln.

Die Seide für die berühmten Stoffe aus Sichuan stammt von den Kokons der Seidenraupe. Die Tiere ernähren sich vor allem von Maulbeerbäumen, die in vielen Teilen Sichuans die Landschaft prägen. Seidenwebereien verarbeiten die Seide zu Kleidung und anderen Textilien.

Bergbau ist ein weiterer wichtiger Industriezweig in Sichuan. Die Provinz verfügt über große Vorkommen an Eisen, Titan und Cobalt. Außerdem bauen Bergarbeiter Vanadium ab. Dieses Element ist ein wichtiger Bestandteil in der Stahlherstellung. Schwerindustrie spielt in Sichuan noch eine untergeordnete Rolle, der Wirtschaftszweig wächst allerdings seit einigen Jahren. Sichuan produziert außerdem Lebensmittel und verarbeitet Holz.

Der Tourismus ist eine weitere wichtige Einnahmequelle der Region. Touristen suchen in Sichuan Erholung in der Natur, aber auch die Panda-Zuchtstationen und die vielen Kulturgüter locken Besucher an.

Sichuan: Heimat der Pandabären

Chendu, die Hauptstadt der Provinz von Sichuan, trägt auch den Titel „Hauptstadt der Pandabären“. Pandas haben einen großen symbolischen Wert in China und die Regierung bemüht sich darum, die Population der Bären zu steigern. In Sichuan gibt es über 7 Millionen Hektar Wald mit einer großen Vielfalt von verschiedenen Tieren und Pflanzen. Ein Großteil dieses Waldes ist heute Schutzgebiet für Pandabären. Da die Tiere sich von allein nicht schnell genug vermehren, damit die Population stabil bleib, züchtet China Pandabären in Aufzuchtstationen.

Die größte dieser Aufzuchtstationen liegt in Chengdu und ist ein weltbekannter Touristenmagnet. Die Station bietet optimale Bedingungen, damit sich die Bären vermehren. Die Aufzuchtstationen wildern die Pandas wieder aus, vor allem in den Wäldern von Sichuan. Pandas haben inzwischen auch einen großen diplomatischen Wert. China verleiht Pandas an Zoos auf der ganzen Welt. Auch in Deutschland leben chinesische Pandas. Die Volksrepublik vermarktet den Export der Bären als ein Symbol von Freundschaft und Völkerverständigung.

Sichuan: Kultur und Akrobaten

Sichuan beherbergt einige der berühmtesten Kulturgüter Chinas. In Leshan im Südwesten der Provinz steht einer der größten Stein-Buddhas der Welt. Die Figur ist 71 Meter hoch und mindestens 2.300 Jahre alt. Legenden zu Folge bändigt der Buddha die Strudel im Fluss Dadu, bevor dieser in den Min mündet. In Sichuan liegt auch einer der vier heiligen Berge Chinas, der Emei Shan. Der 3.099 Meter hohe Berg ist ein buddhistisches Heiligtum.

Generell hat die traditionelle chinesische Kultur einen hohen Stellenwert in Sichuan. Besonders beliebt ist die alte Sichuan-Oper in Chengdu. Hier führen Schausteller Stücke mit dem sogenannten Maskenwechsel auf. In den Stücken verkörpert ein Künstler mehrere Rollen und wechselt dabei innerhalb kürzester Zeit seine Maske und sein Kostüm. Diesen Wechsel kann der Zuschauer nicht sehen, wodurch ein besonderer Zauber entsteht. Die Künstler können ihre Masken innerhalb von 20 Sekunden über zehn Mal wechseln. Den Weltrekord hält Peng Denghuai mit 14 Wechseln in 25 Sekunden. Diese Kunstform hat eine über 250-jährige Tradition und die genaue Technik des Maskenwechsels ist ein Geheimnis, das Familien nur innerhalb der eigenen Reihen weitergeben.

Zu den Darbietungen gehören auch Akrobaten und Feuerschlucker, die beeindruckende Kunststücke aufführen. Auch in den zahlreichen kleinen Teehäusern in Sichuan gibt es Shows mit Maskenwechseln. An Wochenenden und Feiertagen führen Akrobaten kleinere Stücke auf den Straßen in Chengdu auf.

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