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„Putins Spiele“ in Sotschi sind vorbei - und der Kremlchef kann sie nun auch als seinen persönlichen Sieg gegen Kritiker feiern.

Glanz überstrahlt Moskaus Probleme

Olympia: Sieg für "Putins Spiele"

Moskau - „Putins Spiele“ in Sotschi sind vorbei - und der Kremlchef kann sie nun auch als seinen persönlichen Sieg gegen Kritiker feiern. Aber wie lange kann der Glanz von Sotschi die Probleme überstrahlen?

Mit einem Triumphgefühl dürfte Kremlchef Wladimir Putin das Ende der ersten Olympischen Winterspiele in Russland feiern, die so politisch waren wie keine vor ihnen. Zwar blieben nach Kritik an der Menschenrechtslage Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama demonstrativ fern. Doch viele Staats- und Regierungschefs kamen.

Sie kamen, um den vom Wirtschaftsmagazin „Forbes“ zum mächtigsten Mann der Welt Gekürten die Hand zu schütteln. Bei den ersten Winterspielen unter Palmen gab der 61-Jährige im roten Sportoutfit einen „Edel-Fan“ ab, wie Beobachter meinten.

Doch immer wieder war auch davon die Rede, dass der als neue russische Modellstadt hergerichtete Schwarzmeerkurort Sotschi nur wenig mit der Wirklichkeit zu tun habe. „Ich denke, dem Kreml gelingt es, ein Märchenbild von Russland zu inszenieren“, meinte etwa die Politologin Lilija Schewzowa vom Carnegie Center in Moskau.

Auch die Fernsehzuschauer sähen ein Bild von Russland, das es nicht gebe. „Das olympische Russland (...) ist ein Potemkinsches Dorf - die russischen Eliten sind nach Jahrhunderten so erfahren darin, so etwas zu erbauen“, sagte die Expertin.

Die Glitzerfassaden im Olympia-Park an der sonnigen Schwarzmeerküste und sportliche Erfolge überstrahlten zuletzt alles, was lange für Aufregung sorgte: Korruption, die Bereicherung von Oligarchen und Funktionären, die Debatte um Homosexuellen-Rechte, die Terrorgefahr von Islamisten aus dem Nordkaukasus, die überzogene Sicherheitsüberwachung in Sotschi und nicht zuletzt die in der Geschichte beispiellosen Kosten von 37,5 Milliarden Euro.

Kritik galt stets als unerwünscht - Putin selbst warnte schroff davor, Sport und Politik zu vermischen. Dabei bewegten etwa die blutigen Ereignisse und letztlich der Machtwechsel in der Ukraine am Rande von Olympia viele - vor allem die trauernden Athleten. Putin war hier nicht nur Sieger. Im russischen Medaillenrausch in Sotschi ging ihm der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch abhanden, auf den er eben noch große Stücke gesetzt hatte.

Mit Sorge verfolgt der Kreml die Umbrüche beim Nachbarn - immer auch wegen der Gefahr, dass das Revolutionsvirus übergreifen könne, wie die kremlkritische Zeitung „Nowaja Gaseta“ meinte. Wenn der Rauch des Schlussfeuerwerks in Sotschi sich verzogen hat und Russland nicht mehr täglich im internationalen Scheinwerferlicht steht, warnen Menschenrechtler, würden die Daumenschrauben wieder angezogen.

Die deutschen Medaillengewinner in Sotschi

Die deutschen Medaillengewinner in Sotschi

Schon an diesem Montag will ein Gericht das Strafmaß für acht Putin-Gegner festsetzen. Verurteilt wegen Teilnahme an gewaltsamen Ausschreitungen gegen die Polizei sind sie schon. Den Oppositionellen drohen fünf bis sechs Jahre Straflager, nachdem sie am 6. Mai 2012 in Moskau gegen den Kremlchef protestiert hatten.

Nach der Olympia-Party des Kremls, wie sie Kritiker nennen, dürften nun die wirtschaftlichen Probleme wieder stärker zutage treten. Der Rubelkurs ist auf Talfahrt. Putin selbst musste unlängst einräumen, dass das Wachstum auf etwa ein Prozent gesunken sei. Und er forderte in für ihn ungewöhnlicher Deutlichkeit, die starke Abhängigkeit der Rohstoffmacht von Gewinnen aus Öl- und Gasverkäufen zu beenden.

„Heute sinkt Putins Glücksstern. Die Ölexporte treiben das wirtschaftliche Wachstum nicht mehr an“, meinte die Moskauer Politologin Maria Lipman. Jahrelang habe Putin wegen der sprudelnden Einnahmen soziale Wohltaten verteilen können. Sie sieht die Gefahr der Stagnation - nicht nur, weil statt der versprochenen Privatisierungswelle noch immer Unternehmen verstaatlicht würden, sondern weil zudem viele kreative Köpfe das Land verlassen hätten.

Vom Fehlen einer Perspektive allerdings will die Moskauer Führung nichts wissen. In Sotschi feierten die Kreml-Funktionäre Olympia als Aufbruch in eine neue Zeit. Auf den Sport als Triebkraft setzt Putin auch künftig. Noch 2014 gastiert der Formel-1-Zirkus erstmals in Sotschi, dann folgen die Schwimm-WM in Kasan (2015) und die Eishockey-WM in Moskau und Sankt Petersburg (2016) - sowie die Fußball-WM 2018.

dpa

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