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SiKo-Chef Wolfgang Ischinger am Donnerstag bei „Illner“

„Machen uns sonst lächerlich“

SiKo-Chef bei Illner: Sorge über Trump - das muss Europa jetzt dringend tun

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Von Handelskriegen und Atomstreit ist in Davos die Rede. Der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, hat bei „Illner“ eine klare Forderung an die EU.

Davos/Berlin - Die Zeiten, in denen die USA ein verlässlicher Ruhe-Anker für Europa und die Welt sind, sie scheinen passé - das ist just diese Woche besonders deutlich zu spüren. Denn US-Präsident Donald Trump weilt beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Und während aus Trumps Delegation markige Worte über „Handelskriege“ erklingen, sorgt sich die Welt über mögliche Konfrontationen der Vereinigten Staaten mit der Türkei in Syrien oder gar der mutmaßlichen Neu-Atommacht Nordkorea.

So laut ist das außenpolitische Brausen offenbar, dass am Donnerstag sogar die deutschen Polit-Talkshows die Reihe der Sendungen mit GroKo-Themen unterbrach. Bei „maybrit illner“ drehte sich alles um Trump. Gleich mehrere Teilnehmer der Runde hatten eine klare Forderung, um zumindest aus europäischer Sicht die Lage zu stabilisieren und einen Handelsstreit abzuwenden.

EU als Schlüssel beim Thema Trump?

So betonte der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz (SiKo), Wolfgang Ischinger, Europa müsse sich nun dringend emanzipieren - wenn auch nicht gleich eine „Gegenmacht“ aufbauen. "Wir müssen zumindest dafür sorgen, dass man uns in Washington ernst nimmt", erklärte der erfahrene Diplomat mit Vehemenz. Europa müsse nun mit einer Stimme sprechen. "Wir machen uns ansonsten lächerlich."

Unterstützung erhielt Ischinger von CDU-Mann Norbert Röttgen, dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag. Er warf den USA regelwidrige Zölle vor - und warnte vor echten Streits mit Trump: „Wir müssen auch mit konkreten Konflikten, die uns durch Trump serviert werden, umgehen können und wir müssen auch als Europäer die Fähigkeit, Einigkeit und Stärke entwickeln, auch mal einen Konflikt mit den USA auszutragen.“

Man könne nicht einfach nur „die Wange hinhalten, wenn man geschlagen wird“, sagte Röttgen in beinahe biblischem Duktus - sonst werde man nicht ernst genommen. Ischinger betonte, der Schlüssel sei auch hier die EU, die zumindest in Handelsfragen schon jetzt mit einer Stimme sprechen könne. „Wir sind 500 Millionen Europäer und das sind da drüben 350 Millionen Amerikaner, wir haben etwas zu sagen.“

Der kleine Haken: Ob Europa denn schon zusammengewachsen sei, wollte Moderatorin Maybrit Illner wissen. "Das haben wir noch nicht geschafft", gab Röttgen zu.

Türkei liefert Stoff für innenpolitischen Streit

Ein wenig GroKo-Streit gab‘s dann auch noch. „Der Außenminister fährt keinen sehr klaren Kurs in der Türkei-Politik“, rügte Röttgen kurz nach dem von der Bundesregierung beschlossenen vorläufigen Stopp für Nachrüstungen türkischer Panzer. In diesem Fall unwidersprochen - denn ein SPD-Vertreter fehlte in der Runde. 

Dafür saß mit Georg Pazderski ein AfD-Mann mit am Tisch. Auch er hatte einen bemerkenswerten Auftritt. Der frühere Bundeswehr-Oberst äußerte sich explizit moderat und relativierte einen Bundesparteitags-Beschluss seiner Partei. Die Türkei wolle er persönlich im Gegensatz zu seiner Partei nicht aus der Nato werfen, erklärte er. „Das ist ein Parteitagsbeschluss, das muss ich hinnehmen, aber ich persönlich halte das für falsch“. Man könne Erdogan über die Nato „kontrollieren“, sagte Pazderski.

Lesen Sie auch: Trump-Wagen rammt Polizisten in Davos - und rast einfach davon

fn

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