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Erinnerungen an den Frieden: Bruno Balit (r.), sein Vater Georges Balit und Mouna Jamous.

Merkur-Interview zu Silvester

"In Syrien hat niemand Lust auf Feuerwerk"

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München – Bruno Balit ist 24 Jahre alt und Kriegsflüchtling. Er erlebt zum ersten Mal den Jahreswechsel in Deutschland. Dem Münchner Merkur hat er erzählt, wie sich Silvester im Krieg anfühlt und ob ihm Feuerwerke Angst machen.

Das Gespräch führt Balit in manchmal etwas stockendem, aber verständlichem Deutsch. Gelernt hat er es in Syrien – seiner Heimat.

Herr Balit, seit wann sind Sie in Deutschland?

Ich bin vor zwei Monaten aus Aleppo in Syrien nach Deutschland gekommen. Ich lebe mit meinen Eltern und meinem Bruder in einem Übergangswohnheim in Planegg.

Vergangenes Jahr haben Sie in Aleppo Silvester gefeiert. Dort herrscht Krieg. Wie war das?

Wir waren zuhause. Es gab kein Feuerwerk. Niemand hat dort Lust darauf, und es ist auch verboten. Stattdessen hat zwischen Mitternacht und halb eins Uhr morgens eine Mörsergranate das Gebäude getroffen, in dem wir waren. Gottseidank wurde niemand verletzt.

Wie ist heute die Lage in Aleppo?

Es ist noch schlimmer geworden, sagen mir die Leute, die noch da sind. An Weihnachten wurden offenbar die katholischen Viertel besonders stark angegriffen von Oppositionskräften. Geschenke sozusagen (lacht bitter).

"In Syrien gab es früher an Silvester Feuerwerke"

Wie feierte man vor dem Krieg in Ihrem Land Silvester?

Früher gab es auch bei uns an Silvester Feuerwerke. Aber niemals in dem Maße wie in Deutschland. Viel kleiner.

Wie werden Sie dieses Jahr den Jahreswechsel feiern?

Wir sind Christen und würden gerne in die Kirche gehen. Wir werden sehen, ob es hier eine Messe gibt. Außerdem essen wir gemeinsam mit der Familie. Ich würde auch gerne auf dem Marienplatz in München spazieren gehen und mir das Feuerwerk ansehen.

In Deutschland gab es eine Diskussion, ob man auf Feuerwerke besser verzichtet, da sie Menschen möglicherweise verängstigen könnten, die wie Sie aus Kriegsgebieten kommen. Was halten Sie davon?

Ich erlebe ja zum ersten Mal ein Silvesterfeuerwerk in Deutschland. Ob es mir gefällt, weiß ich also noch nicht genau. Und vielleicht erschrecke ich ja tatsächlich, wenn es die ersten Male richtig laut knallt. Aber es ist sicher hier, wir können darauf vertrauen. Ich glaube deshalb nicht, dass das für mich ein großes Problem sein wird.

In Aleppo haben sie noch Verwandte. Werden Sie ihnen ein frohes neues Jahr wünschen können?

Ja, wir werden versuchen, über den Kurznachrichtendienst Whats App Kontakt herzustellen. Seit einem Monat gibt es in Aleppo nämlich wieder Internet, nachdem es zuvor neun Monate nicht funktioniert hat. Vielleicht erreichen wir sie auch über ihr Handy. Wenn man es öfter probiert, kommt man meistens irgendwann durch.

Was wünschen Sie sich für sich selbst im Jahr 2016?

Ich habe in Syrien Medizin studiert. Ich möchte im nächsten Jahr gerne ein Praktikum machen und hoffe, danach eine Stelle zu bekommen. Zudem wünsche ich mir, dass meine Familie gesund bleibt.

"Ich wünsche mir für mein Land vor allem Frieden"

Und was wünschen Sie sich für Ihr Land?

Natürlich vor allem Frieden. Dass dort wieder ein normales Leben möglich ist. Aber ich glaube nicht daran, dass das so bald passieren wird. Wie soll das funktionieren, wenn die Menschen voller Hass sind?

Was muss ihrer Meinung nach geschehen?

Ich glaube, das können nur völlig neue Leute schaffen. Keine der jetzigen Parteien.

Und wir brauchen Hilfe, um eine Demokratie zu werden. Wir brauchen ein Vorbild. Vielleicht Deutschland.

Hoffen Sie, eines Tages selbst nach Syrien zurückzukehren um dabei zu helfen?

Wenn Frieden herrscht, würde ich das gerne tun. Vielleicht können wir erst hier arbeiten und dann mit unseren Erfahrungen irgendwann zurückkehren. Schwieriger aber ist es für meine Eltern. Sie würden gerne möglichst bald zurückgehen. Sie fühlen sich hier wohl und in Sicherheit. Aber die deutsche Sprache und neue Dinge zu lernen, fällt ihnen schwerer als uns Jüngeren. Sie fühlen sich, als würden sie nicht richtig funktionieren.

Interview: Sebastian Horsch

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