+
Der sogenannte Mann mit Hut ist noch immer nicht gefasst. Sein Sprengstoff hatte nicht gezündet.

Stadtbekannte Islamisten und gesuchte Terrorverdächtige

Das wissen wir über die Verdächtigen der Brüsseler Anschläge

Brüssel - Drei identifizierte Selbstmordattentäter und zwei mögliche Komplizen auf der Flucht: Diese Männer sollen für die Anschläge in Brüssel verantwortlich sein.

FAYCAL C.,  vermutlich nicht FAYCAL CHEFFOU

Der am Donnerstag festgenommene Fayçal C. wurde von der Staatsanwaltschaft eines Terroranschlags beschuldigt. Bei ihm sollte es sich um den dritten Mann auf dem Fahndungsfoto vom Flughafen handeln, dessen Sprengsatz nicht gezündet hatte und der zunächst entkommen war. Auf dem Bild einer Überwachungskamera ist dieser neben den zwei anderen Attentätern mit Hut und heller Jacke zu sehen. Medienberichten zufolge erkannte der Taxifahrer, der die drei zum Flughafen fuhr, den Mann mit Hut als C. wieder.

Aus Ermittlungskreisen hieß es, der Festgenommene heiße Fayçal Cheffou. In einem 2014 im Internet veröffentlichten Video hatte sich Cheffou als freier Journalist präsentiert, der sich für die Rechte muslimischer Migranten in belgischer Abschiebehaft einsetze. Er soll zudem versucht haben, in Brüssel Dschihad-Kämpfer unter Flüchtlingen zu rekrutieren.

Am Montag wurde Faycal F. jedoch auf freien Fuß gesetzt. Die Ermittlungen hätten keine Hinweise auf eine Verstrickung des Mannes in die Anschläge am Flughafen sowie in einer Metro-Station ergeben.

NAJIM LAACHRAOUI

Der 24-jährige in Marokko geborene Belgier sprengte sich im Brüsseler Flughafen Zaventem in die Luft. Der mutmaßliche Bombenspezialist war bereits seit den Pariser Anschlägen im Visier der Fahnder. Auf den Resten von Sprengstoffgürteln, die vor dem Stade de France und in der Konzerthalle Bataclan detoniert waren, wurde seine DNA entdeckt.

Seine Fingerabdrücke fanden sich außerdem in einem von den Attentätern genutzten Haus im südbelgischen Auvelais. Auch in einer Wohnung im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek, wo womöglich die Sprengstoffgürtel für den Anschlag im November hergestellt wurden, wurden Laachraouis Fingerabdrücke gefunden.

Der ehemalige Student der Elektromechanik, dessen Radikalisierung seine Familie überraschte, war im Februar 2013 nach Syrien gereist. Er soll dort Dschihadisten empfangen haben, in Belgien wurde ihm deswegen kürzlich in Abwesenheit der Prozess gemacht. Zusammen mit dem späteren Paris-Attentäter Salah Abdeslam wurde er im September an der österreichisch-ungarischen Grenze unter falschem Namen kontrolliert.

IBRAHIM EL BAKRAOUI

Der 29-Jährige ist der zweite Selbstmordattentäter vom Brüsseler Flughafen. Wie sein Bruder, der Attentäter Khalid, blickte er auf eine kriminelle Karriere in Belgien zurück. Im Jahr 2010 wurde er zu neun Jahren Gefängnis verurteilt, weil er nach einem Einbruch mit einer Kalaschnikow auf Polizisten geschossen hatte. 2014 kam er unter Auflagen frei und schloss sich der Miliz Islamischer Staat (IS) in Syrien oder im Irak an.

2015 wurde Ibrahim im türkischen Gaziantep nahe Syrien festgenommen und über die Niederlande nach Belgien abgeschoben. Die Türkei soll die belgischen Behörden gewarnt haben, dass er ein "terroristischer Kämpfer" sei. Diese wiederum stellten klar, er habe nicht unter Terrorverdacht gestanden. Bei dem 29-Jährigen wurde zudem am Dienstag eine Art Testament entdeckt. Darin schreibt er eher konfus, er werde überall gesucht, fühle sich nicht mehr sicher und wisse nicht, was er tun solle.

KHALID EL BAKRAOUI

Der 27-jährige jüngere Bruder von Ibrahim sprengte sich in der U-Bahn an der Station Maelbeek im Europaviertel in die Luft. Er war zuletzt 2011 wegen Autodiebstahls zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Er soll außerdem unter falscher Identität eine Wohnung in Brüssel angemietet haben, in der sich offenbar Salah Abdeslam versteckte.

Khalid soll außerdem eine Wohnung im südbelgischen Charleroi angemietet haben. Von dort aus waren die Terrorkommandos von Paris gestartet. Von der Polizeibehörde Interpol, die ihn als Terrorverdächtigen führte, wurde Khalid seit Dezember per Haftbefehl im Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen gesucht. Ebenso wie sein Bruder Ibrahim wurde Khalid in Brüssel geboren, beide hatten die belgische Staatsangehörigkeit.

NICHT IDENTIFIZIERTER VERDÄCHTIGER

Ein fünfter Verdächtiger, der als Komplize des U-Bahn-Attentäters Khalid gilt, ist weiter auf der Flucht. Es handelt sich um einen Mann, der auf Überwachungsbildern der U-Bahn zu sehen ist. Demnach trug er eine große Tasche bei sich und sprach mit Khalid, bevor dieser sich in die Luft sprengte.

Tag 2 nach den Anschlägen in Brüssel

Bilder: Tag 2 nach den Anschlägen in Brüssel

Die Verbindungen zu den Attentaten in Paris werden deutlicher

afp

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Polens Opposition will umstrittenes Holocaust-Gesetz doch noch kurzfristig ändern
Kurz vor dem Inkrafttreten des Holocaust-Gesetzes will die polnische Opposition im Parlament eine Änderung von besonders umstrittenen Passagen beantragen.
Polens Opposition will umstrittenes Holocaust-Gesetz doch noch kurzfristig ändern
SPD geht mit Staranwalt gegen diese „Bild“-Schlagzeile vor
Sind die SPD-Mitglieder mehrheitlich für oder gegen die GroKo unter Merkel? An diesem Dienstag startete das Mitgliedervotum. 
SPD geht mit Staranwalt gegen diese „Bild“-Schlagzeile vor
An zwei Fronten eskaliert: Türkei beschießt Afrin - bereits 200 Tote innerhalb 48 Stunden
Seit sieben Jahren tobt in Syrien ein blutiger Bürgerkrieg. Ein Ende ist nicht abzusehen. Kommt es jetzt auch noch zu einem bewaffneten Konflikt zwischen der Türkei und …
An zwei Fronten eskaliert: Türkei beschießt Afrin - bereits 200 Tote innerhalb 48 Stunden
Weit mehr als 200 Tote in syrischem Rebellengebiet
Ost-Ghuta ist eines der letzten Gebiete Syriens, das unter Kontrolle von Rebellen steht. Immer wieder wird es heftig vom Bürgerkrieg getroffen. Die neuen Angriffe sind …
Weit mehr als 200 Tote in syrischem Rebellengebiet

Kommentare