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Joachim Unterländer tritt für die CSU in München-Moosach an

Stimmkreis 105

Das sind die Kandidaten für München-Moosach

München - Sie haben die Wahl: Am 15. September entscheiden die Bürger, welche Politiker in den 17. Bayerischen Landtag einziehen dürfen. München ist aufgeteilt in acht Stimmkreise. Wir stellen ihnen die Kandidaten für Moosach vor.

CSU: Joachim Unterländer

Es war dieser eine Fall, der Joachim Unterländer den Zahn zog, allen helfen zu können. Eine ältere Dame kam in seine Bürgersprechstunde, nahm plötzlich ihr Gebiss aus dem Mund. Das passe einfach nicht mehr, obwohl sie schon so oft beim Zahnarzt gewesen sei. Ob er da nichts machen könne. „Glücklicherweise sind nicht alle Fälle so aussichtslos“, sagt der Abgeordnete und lacht. „Oft kann ich Menschen an die richtigen Stellen vermitteln.“ Die kennt er, vor allem in seinem Wahlkreis, dem Norden Münchens. Am Hasenbergl ist er aufgewachsen, wie seine Tochter. Der 57-Jährige will keine neuen Straßen durch die Wohn- und Naturschutzgebiete, stattdessen eine Reform der MVV-Tarifzonen, „damit die Leute aus den Randgebieten nicht nur das Auto nehmen.“ Zum Thema macht er auch das schwindende Grün: „Nachverdichtung ja, aber mit Augenmaß.“ Das soziale Gefüge im Gleichgewicht zu halten, sei Kern seiner Arbeit, sagt er. Nicht gerade typisch für einen Verwaltungswirt, dessen erster Job in der Bezirksfinanzdirektion war – und tatsächlich nennen ihn Parteikollegen bisweilen „die Mutter Teresa“ der CSU. „Ich bin ein christlich motivierter Mensch“, betont er. „Daher ist mir der soziale Anspruch an Politik wichtig.“ Seit 1977 ist er in der CSU, heute sozialpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion. In 19 Jahren als Abgeordneter hat er viele soziale Institutionen kennen gelernt, die er stärker vernetzen und beteiligen will, „um gemeinsam praktikable Lösungen zu erarbeiten“.

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Auch die Inklusion hat sich Unterländer auf die Fahnen geschrieben, er wolle sich der Umsetzung des geplanten Bundesleistungsgesetzes für Menschen mit Behinderung widmen, sagt er. Auch in der Arbeitsmarktpolitik dürfe man „trotz sinkender Arbeitslosenzahl nicht die Förderung Benachteiligter vernachlässigen“. Und da ist natürlich die Pflege: „Wir reden immer über die Entwicklung der Kinder, aber man darf auch die andere Seite des Generationenvertrags nicht aus den Augen lassen.“ Die ambulante Pflege müsse man stärken, neue Wohn- und Pflegeformen fördern. „Die Menschen wollen nun mal möglichst lang zuhause leben.“ Unterländer ist keiner, der mit der Faust auf den Tisch haut, er eignet sich Fachwissen an – und das fordert Zeit. Die Familie akzeptiert’s: „Ich bin nun mal jemand, der die Arbeit sucht.“ Auch wenn er nicht allen helfen kann.

Doris Richter

SPD: Diana Stachowitz

Diana Stachowitz klappt noch schnell Margarete Bause zusammen, bevor sie ihre nackten Füße in den neuen Moosacher Brunnen hält. Die grüne Landtags-Kollegin, beziehungsweise ihr Plakatständer, stört beim Foto-Shooting. „Ich weiß, so geht man unter Koalitionären nicht miteinander um“, sagt Stachowitz und lacht. Aber es hilft ja nichts, und ein bisserl passt das ja zu der SPD-Frau, die so ausgesprochen praktisch und unkompliziert daherkommt. „Reden ist Silber – Handeln ist Gold“ und „Diana direkt“, heißen denn auch ihre Mottos. Um auf Jugendliche zuzugehen, veranstaltet die Mutter von zwei Kindern schon mal ein „Politiker-Speed-Dating“ im Club „Backstage“ und stellt einen HipHop-Wahlkampfsong ins Netz. Für Migranten hat die 50-Jährige eine Postkarte drucken lassen, auf der sie in einfachem Deutsch schreibt: „Egal, wo wir herkommen, wir sind alle in München daheim. Ich bin eine von Euch. Ich kümmere mich um das.“ Und sie fordert verlässliche Rahmenbedingungen für Familien: „Am Arbeitsplatz, bei der Kinderbetreuuung und der Pflege der Eltern.“ Tatsächlich fällt es nicht schwer, ihr zu glauben, wenn sie sagt: „Ich denke überzeugt positiv.“ Auch über andere: In ihrem Landtagsbüro beschäftige sie viele Praktikanten, erzählt sie. Auch solche, die in der Schule nicht die Überflieger sind. „Jugendliche haben so ein großes Potenzial, man muss ihnen nur sagen: Du kannst was.“ Sie wolle einen „Ausbildungsverein“ einrichten und so auch den Mittelstand stärken. Die gelernte Erzieherin will außerdem das Schulsystem gründlich reformieren, will facettenreiche Ganztagsschulen mit multiprofessionellen Teams. Türkisch als Abiturfach? „Warum soll man das in den Gymnasien im Münchner Norden nicht einführen?“, fragt sie. Der Bedarf sei doch da. Freilich spiele für sie nicht nur das Abi eine Rolle, betont sie. Ihr Sohn mache eine Altenpflegeausbildung, und sie sei stolz darauf. Das Fundament für ihr Handeln sieht die Protestantin in ihrem Glauben. „Gott findet es gut und richtig, wie ich bin, und das will ich auch anderen vermitteln.“ „Diana direkt“ zielt natürlich auch auf das Direktmandat im Stimmbezirk ab. Das will Stachowitz Joachim Unterländer diesmal abluchsen. „Beim letzten Mal haben 2000 Stimmen gefehlt. Das ist machbar.“

Johannes Löhr

Grüne Heidi Schiller

Vor einem Dreivierteljahr hat es geklappt. „Endlich habe ich meinen eigenen Schrebergarten“, sagt Heidi Schiller. Ihre rechte Faust schnellt nach vorne, begleitet von einem „Yes!“ Schiller ist eine zierliche, sehr impulsive 40-Jährige, und die Gartenarbeit ist wichtig für sie. Zum runterfahren des Energielevels. Auch weil ihre zwei Kinder jetzt endlich Gemüse essen, sagt sie. Wie eine Gärtnerin erklärt Schiller schließlich auch ihr politisches Engagement in Moosach: „Man muss auch kargen Boden beackern.“ Und Moosach ist für die Grünen karger Boden. Sie stellen noch nicht mal eine Fraktion im örtlichen Bezirksausschuss. Gerissen hat sich also niemand um diesen Stimmkreis – nur eine: Schiller. Quirlige Quereinsteigerin, Preußin mit dem Herzen auf der Zunge.

Kein grünes Eigengewächs – erst seit 2010 ist sie dabei. Nach ihrer Jugend in der DDR sei sie zwar durch die Wende „politisiert worden“, aber Parteipolitik juckte sie nicht. Vielmehr stemmte die Kauffrau nach Jahren bei Daimler ein persönliches grünes Projekt: Ihre Firma produziert Solarstrom im ländlichen Westafrika. „Drei bis vier Mal im Jahr fahre ich zu meinen Senegalesen“, sagt sie fast zärtlich. Ganz unsentimental wird Schiller, wenn es um ihre Kernthemen geht: Wirtschaft etwa. Faire Bezahlung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie – die Politik müsse da näher an die Realität, sagt sie. „Dass wir überhaupt über den Mindestlohn debattieren müssen – ich kapier’s nicht.“ Oder Schulpolitik: Ihre Älteste könnte aufs Gymnasium. „Aber sie will nicht.“ Also geht sie zur Realschule, kein Problem, Schiller ist Bayerns Schulsystem eh zu rigide. „Längeres gemeinsames Lernen steht ganz oben auf meiner Wunschliste – und auf der meiner Kinder.“ Für die Politikerin ist klar: „Moosach wird moosgrün.“ So karg sei der Boden nämlich doch nicht – oder, wie es begeistert aus Schiller herausbricht: „Wir haben ein schweinegeiles Wählerpotenzial!“ FürihrenBezirkseiderstärkste Familienzuwachs der Stadt prognostiziert. „Die müssen wir abholen.“

Johannes Löhr

FDP: Andreas Siebel

Als „ zutiefst liberal“ bezeichnet sich Andreas Siebel auf seinen Wahlplakaten. „Das entspricht meinem Wesen und meinen politischen Ansichten am meisten“, erklärt der 47-Jährige. Er wolle damit zeigen, dass es ihm ernst ist mit der Politik. Siebel ist viel unterwegs derzeit, auf Veranstaltungen und mit Infoständen – alles auch auf seiner Facebook- Seite zu verfolgen. Ein „zu viel“ kennt der Rechtsanwalt nicht, betont er. Er habe sich hochgearbeitet – von einer Banklehre übers Jurastudium bis zur eigenen Kanzlei. „Ich weiß, was harte Arbeit bedeutet und scheue sie nicht.“ Jetzt will er Bayern vorwärts bringen, sagt er. „Die unterschwellige Stagnation der CSU muss aufhören.“ Flüchtlinge integrieren, „statt sie jahrelang wegzusperren“, den Hochwasserschutz verbessern, Homosexuelle gleichberechtigen – das sind seine Themen. Außerdem: Noch mehr in die Bildung zu investieren und den Industriestandort Bayern weiter auszubauen. „Als Quereinsteiger in die Politik steht im Mittelpunkt meiner politischen Tätigkeit die Stärkung der Freiheit durch Eigenverantwortung. Wir brauchen Unternehmer und keine Unterlasser.“ do

Freie Wähler: Helmut Tauscher

Weil er in den Freien Wählern die neue konservative Mitte sieht, hat Helmut Tauscher vor einigen Jahren der CSU den Rücken gekehrt. „Die CSU ist in sich gefangen, beachtet die Bürgerbegehren nicht“, findet er. Bei den Freien Wählern hingegen würden heiße Eisen angepackt – wie etwa die Abschaffung der Hochschulgebühren. Jetzt setzt sich der selbstständige Bankfachwirt und Versicherungsmakler in seiner neuen politischen Heimat für eine „soziale Marktwirtschaft ein, die von Bürgernähe geprägt ist“. So will Tauscher unter anderem die Bürger noch mehr an Entscheidungen beteiligen, Verwaltungsabläufe transparenter gestalten. Ein funktionierendes Bankensystem ist seiner Meinung nach eine tragende Säule der modernen Marktwirtschaft. So fordert der 58-Jährige unter anderem eine stärkere Finanzaufsicht, „die Risiken minimiert und stabile Banken garantiert“. Sparkassen und Genossenschaftsbanken möchte er in der bewährten Form erhalten. Beim Thema Abgeordnetenbestechung sieht Tauscher Rot – hierfür fordert er höhere Strafen als bisher üblich. Eine klare Position vertritt Tauscher auch, wenn es ums Arbeiten geht: „Wer Vollzeit arbeitet, muss auch ohne Hilfe davon leben können“, findet er. Dafür sollen flächendeckende, regionen- und branchenspezifische Lohnuntergrenzen sorgen. Und nicht zuletzt möchte er das Wissen und Können älterer Arbeitnehmer besser genutzt wissen. do

Wer sonst noch antritt

Folgende Parteien und Kandidaten stellen sich im Stimmkreis Moosach (105) außerdem zur Wahl: Die Linke schickt auf Listenplatz 36 den Fachwirt im Sozial- und Gesundheitswesen, Hans Sedlmaier, ins Rennen. Für die ÖDP kandidiert der Diplom- Kaufmann Bernd Louisoder auf Listenplatz 31. Reichlich politische Erfahrung hat Hubert Dorn von der Bayernpartei. Er war von 1989 bis 1999 deren Vorsitzender und sitzt für sie als Mitglied im Bezirkstag Oberbayern. Seit 2004 ist Dorn Generalsekretär der Bayernpartei. Er ist außerdem Mitglied des Landesvorstandes des Bayernbundes und Autor des Buches „Die Schlacht von Sendling 1705. Chronologie einer bayerischen Tragödie“. Bei den Piraten steht Arnold Schiller, der als Beruf „Liquidator“ angibt, auf Listenplatz 26. Er propagiert auf seinem Wahlplakat „Die Gedanken sind frei“ und steht damit ganz in der Linie seiner Internet-affinen Partei. Er will unter anderem den Länderfinanzausgleich abschaffen. Für die Republikaner tritt Johann Schmaus an.

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