Bundestagsvize Johannes Singhammer traf in der Sozialstation des deutschen Hilfsfonds mit Vertreterinnen der deutschen Minderheit zusammen – und plauderte angeregt.

Besuch in Kasachstan und Kirgisien

Singhammer: Russlanddeutsche als Brücke nach Europa

München - Zentralasien spricht deutsch. Mehr als eine Million deutsche Muttersprachler lebten nach dem Krieg in Kasachstan und Kirgisien, nachdem sie von Stalin dorthin verschleppt worden waren. Auch heute noch blickt die Region nach Berlin, wie Bundestags-Vizepräsident Johannes Singhammer (CSU) bei einem Besuch in der Region erfuhr.

Der Diktator in Moskau war geschockt, als Hitler 1941 die Sowjetunion überfiel. Dann richtete sich sein Groll gegen die deutsche Minderheit im Sowjetreich: Bis zu eine Million Wolgadeutsche siedelte Stalin zwangsweise nach Kasachstan um. Weitere 10.000 Deutsche lebten schon Anfang des 20. Jahrhunderts im benachbarten Kirgisien. Sie waren teils schon vor 150 Jahren als Aussiedler weggezogen, um dort den östlichsten Vorposten deutscher Siedlungsgeschichte zu beziehen.

Die meisten Russlanddeutschen sind seit dem Fall des eisernen Vorhangs in die Bundesrepublik ausgewandert. Doch ihre Spuren sind im Kaukasus bis heute unübersehbar – in Kasachstan, wo noch immer 180 000 Deutschstämmige leben. In Kirgisien, dessen stellvertretender Ministerpräsident Valery Dill als Muttersprache deutsch spricht. Geblieben ist auch die Bewunderung für das deutsche duale Berufsausbildungssystem. Und die Hoffnung, in Berlin einen Fürsprecher der Region in Brüssel zu besitzen: „Es gibt die starke Erwartungshaltung, dass sich Deutschland als eine der europäischen Führungsnationen dieser Region zuwendet“, sagte Bundestags-Vizepräsident Johannes Singhammer nach einer mehrtägigen Reise durch die beiden Länder, wo er mit allen diplomatischen Ehren empfangen wurde.

Engere Verbindungen zwischen Europa und den beiden Ländern in Zentralasien wären zum gegenseitigen Vorteil, betonte Singhammer: Die Region ist enorm rohstoffreich. Es gibt, vor allem in Kasachstan, im Überfluss Öl, Gas und Seltene Erden, was längst Russen und Chinesen auf den Plan gerufen hat. Für Putin sind Kasachstan und Kirgisien wichtige Mitglieder seiner neuen „Eurasischen Zollunion“. Umgekehrt fühlen sich beide Länder mit ihren starken russischen Minderheiten nicht rundum wohl in der starken Umklammerung durch die beiden benachbarten Riesenreiche. Dies eröffne Chancen für Europa, so der CSU-Politiker: „Durch Kasachstan und Kirgisien verläuft die neue Seidenstraße nach China. Es handelt sich um eine Region mit herausragender geostrategischer Bedeutung, mit den dort lebenden Deutschen als Brücke nach Europa.“

Kasachstan und Kirgisien sind muslimische Länder, allerdings tritt der Islam dort tolerant auf. Anders als das von Nursultan Nasarbajew straff-präsidial geführte 17-Millionen-Einwohnerland Kasachstan gilt Kirgisien mit seinen sechs Millionen Bürgern darüber hinaus als Musterdemokratie – die einzige auf postsowjetischem Gebiet, sieht man von den drei baltischen Ländern ab. Die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung hilft bei der Verfestigung demokratischer Strukturen im Land, indem sie dort seit Jahren Verwaltungskräfte ausbildet.

Weil Kirgisien aber nicht so rohstoffreich ist wie der wesentliche größere Nachbar Kasachstan, droht es in der Wahrnehmung der Welt ins Hintertreffen zu geraten. Umso größer sind die Hoffnungen, die die Regierung in Bischkek auf Deutschland setzt, berichtet der Wolfratshauser Bauunternehmer Reinhold Krämmel, der Kirgisien als Generalkonsul in Bayern vertritt und Singhammer auf seiner Reise durch die Region begleitet hat: „Die Menschen dort mögen uns. Es liegt in unserem starken Interesse, diese Verbindung zu nutzen.“

von Georg Anastasiadis

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