Skifahrer warten vor einem Bus am Hintertuxer Gletscher.
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Dichtes Gedränge vor Bussen und Gondeln haben am Hintertuxer Gletscher für Aufregung gesorgt.

Österreich ist Risikogebiet

Ein Winter ohne Deutsche?

  • Kathrin Braun
    vonKathrin Braun
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Bilder von dichtem Gedränge in österreichischen Skigebieten haben im Netz für Aufregung gesorgt. In Österreich bangt man um die kommende Skisaison.

München – Die Bilder haben in den sozialen Medien Entsetzen ausgelöst: Dicht gedrängte Warteschlangen, die sich in Busse und Gondeln drücken – ohne Abstand, ohne Kontrolle. An den vergangenen beiden Wochenenden wurden in österreichischen Gletscherskigebiete reihenweise Vorsichtsmaßnahmen missachtet. Vor allem die Seilbahnen des Stubaier und Hintertuxer Gletscher waren mit dem Ansturm der Gäste überfordert.

Für fast ganz Österreich gilt eine Reisewarnung

Ausgerechnet solche Szenen sollten eigentlich durch funktionierende Hygiene-Konzepte verhindert werden. Die Sorge in den Skigebieten wächst immer weiter: Für fast ganz Österreich gilt mittlerweile eine Reisewarnung. Nachdem Wien, Tirol und Vorarlberg schon seit Wochen auf der RKI-Liste stehen, gelten seit heute auch die Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland und Steiermark als Risikogebiete. Bayern, die sich dort länger als 48 Stunden aufgehalten haben, müssen daheim in Quarantäne – sofern sie keinen negativen Corona-Test vorweisen können.

Das kommt einer Grenzschließung nahe.

Franz Hörl, Obmann des Fachverbands der Seilbahnen in Österreich

„Für den Tourismus ist das eine Katastrophe“, sagt Franz Hörl, Obmann des Fachverbands der Seilbahnen in Österreich, unserer Zeitung. Noch schlimmer werde die Situation, sobald die neue Quarantäne-Regel in Deutschland gilt, sagt Hörl: Demnach müssen Reiserückkehrer aus Risikogebieten ab dem 8. November unverzüglich für zehn Tage in Quarantäne – frühestens am fünften Tag soll man die Isolation durch einen negativen Test beenden dürfen. „Das kommt einer Grenzschließung nahe“, sagt er. „Ich finde, man sollte stark hinterfragen, was gerade in Europa passiert: Jeder warnt vor dem Nachbarland, eine gemeinsame europäische Lösung ist überhaupt nicht in Sicht.“

„Wir haben die Probleme unterschätzt“

Die Tourismusbranche versuche jetzt mit allen Mitteln, die Infektionszahlen zu senken, um die Saison zu retten. „Wir haben die Probleme unterschätzt“, gibt Hörl mit Blick auf die Anstürme in den Gletscherskigebieten zu. Man habe auf Abstandsmarkierungen und Durchsagen geachtet, die Kontrollen hätten jedoch gefehlt. „Man muss aber auch bedenken: Wir sind keine Exekutivorgane, sondern Tourismusdienstleister.“ Grundsätzlich sei der hohe Inzidenzwert von 154,4 (Stand Freitag) nicht auf die Branche zurückzuführen – „aber der Tourismus muss darunter leiden“, sagt Hörl.

Ausgerechnet Ischgl, im März Hotspot bei der Verbreitung der Pandemie, kündigt nun an, eines der sichersten Ziele im Alpenraum zu werden. „Die Erfahrungen des vergangenen Winters bestimmen unser Handeln für die Zukunft“, heißt es von den Tourismus- und Seilbahn-Verantwortlichen. Kameras sollen sofort über Gruppen-Bildung beim Anstehen aufklären. Zudem sollen Wartezeiten vorhergesagt und mit Kaltvernebelungsgeräten die Seilbahn-Kabinen desinfiziert werden. Unterdessen wird das Corona-Testprogramm der Regierung für den Tourismus ausgeweitet. Skilehrer, Bergführer und Reisebegleiter können sich etwa einmal pro Woche testen lassen.

Österreich hatte am Freitag den dritten Tag in Folge einen Rekord an Corona-Neuinfektionen gemeldet: binnen 24 Stunden wurden 2571 Fälle bekannt. Einen Lockdown hält man in der Regierung dennoch für unwahrscheinlich: Verschärfte Maßnahmen sollten ausreichen, um das Geschehen in den Griff zu bekommen, sagt Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Ab Sonntag gelten neue Regeln: Dazu zählen vor allem strikte Grenzen für Feiern.

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