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Geert Wilders (Links) und Mark Rutte vor der Debatte.

Rutte vs. Wilders

So könnte der Erdogan-Streit die Wahl in Holland beeinflussen

Amsterdam/Ankara - Der Eklat zwischen den Niederlanden und der Türkei könnte großen Einfluss auf die Wahl unserer Nachbarn haben. Doch ganz anders, als man denken würde.

Update vom 15. März 2017: Kommt bei der Parlamentswahl in den Niederlanden heute das nächste Polit-Beben? Wird Rechtspopulist Geert Wilders der Wahlsieger? Alle Infos im Live-Ticker zur Wahl 2017 in den Niederlanden.

Die Ereignisse beim Schlagabtausch zwischen Amsterdam und Ankara überschlagen sich förmlich, seit die Niederlande dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Samstag die Einreise versagt hatte. Erdogan reagierte undiplomatisch und bezeichnete die Regierung der Holländer als „Faschisten“ und ließ Botschaft und Konsulat abriegeln. Die Niederländer wiesen daraufhin türkische Minister aus dem Land. Fast im Minutentakt geht der Schlagabtausch seitdem hin und her.

Dass dieser Zwist jetzt auch den bevorstehenden Wahlkampf in den Niederlanden beeinflussen könnte, überrascht da wenig. Doch wem hilft der Machtkampf zwischen Ankara und Amsterdam? Man würde meinen, dass gerade der Rechtspopulist Geert Wilders (PVV) davon profitieren würde. Doch stattdessen scheint Amtsinhaber Mark Ruttes (VVD) den Eklat zu seinen Gunsten nutzen zu können. Der hatte sich nämlich in den Auseinandersetzungen mit dem türkischen Staats-Chef Recep Tayyip Erdogan nicht unterbuttern lassen - und das gefällt anscheinend den Wählern im eigenen Land sehr. 

Wilders versucht es mit der Brechstange

Doch dabei hat Wilders durchaus versucht, den Streit für seine Zwecke zu nutzen. Erst an diesem Montag twitterte er: „Erdogan wiederholt, wir sind Nazis + Faschisten. Er beleidigt die niederländische Polizei. Keine Deeskalation. Weisen Sie den türkischen Botschafter und sein Personal in NL aus.“

Doch Rutte hat Stärke bewiesen und das könnte ihm im Wahlkampf nun entscheidend weiterhelfen. Auch Historiker Prof. Friso Wielenga meint im Interview mit der Bild: „Die Menschen wollen in Krisenzeiten klare, politische Führung.“ Und genau diese Unverfänglichkeit könnte ihm am Ende den Sieg bescheren: „Wilders hat keine Lösungen anzubieten. Rutte verfolgt eine harte Linie, bleibt aber lösungsorientiert“, so Prof. Wielenga. 

Zudem gab Rutte auch nicht klein bei und versuchte zunächst sogar einen Kompromiss zu finden: „Erst als plötzlich Sanktionsdrohungen im Raum standen, sagte er: So nicht. Die Schuld an der Eskalation trug erkennbar die türkische Seite. Hätte Rutte in diesem Moment Schwäche gezeigt, hätte Wilders tatsächlich Angriffsfläche gehabt.“

Die TV-Debatte zwischen Wilders und Rutte

Gleiches Bild bot sich beim TV-Duell der beiden Kandidaten an diesem Montagabend. Wilders propagierte, er werde sich bei einem Wahlsieg für einen „Nexit“ stark machen. „Dann werden wir wieder Boss im eigenen Haus.“

Rutte hingegen wies das als große Gefahr zurück. „Ein Austritt aus der EU ist unverantwortlich und stürzt unser Land ins Chaos.“ Mindestens 1,5 Millionen Arbeitsplätze gingen verloren. Als negatives Beispiel nannte Rutte den Brexit von Großbritannien.

In den Umfragen liegt Ruttes rechtsliberale VVD mit rund 16 Prozent vorne. Wilders' Partei für die Freiheit liegt mit rund 13 Prozent auf Platz zwei.

Patrick Steinke/dpa

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