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In der CSU brennt es: Seehofer bei den Sondierungsgesprächen in Berlin.

„Ist nicht bekömmlich“

So reagiert Seehofer auf die Umfragen zu seinem Rückzug

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CSU-Chef Horst Seehofer hat seinen parteiinternen Kritikern vorgeworfen, der Partei zu schaden. Die öffentliche Nachfolgedebatte „ist nicht bekömmlich, weder für mich noch für die Gesamtpartei. 

München/Berlin - „Das sieht man ja an den Umfragen und Umfragewerten“, sagte er in Berlin. „Das habe ich nicht zu verantworten.“ Er halte sich seit sechs Wochen mehr oder weniger zurück.Seit eben jenen sechs Wochen äußern immer mehr CSU-Politiker Kritik an Seehofer und verlangen einen Führungswechsel. Am offensivsten formulierte das die Junge Union. Die Umfragen deuten nach unten, jüngst besagte nun auch eine Forsa-Erhebung für RTL und NTV, 72 Prozent der Bayern seien für Seehofers Rückzug 2018. Der Ministerpräsident bekräftigte, erst am Ende der Sondierungen voraussichtlich ab Mitte November über die künftige Aufstellung in München und den Parteivorsitz zu reden.

Die CSU-Ehrenvorsitzenden Theo Waigel und Edmund Stoiber kündigten an, sich vor diesem Termin nicht öffentlich zu äußern. Unsere Zeitung hatte unter Berufung auf Parteifreunde berichtet, dass beide von Seehofer abrückten und keine erneute Kandidatur 2018 unterstützten. Waigel sagte, es sei unzulässig, aus „privaten Gesprächen“ auf eine Meinung zu schließen. Er werde sich zu den Personalien nicht öffentlich äußern, ehe Seehofer seine Vorstellungen nicht genannt habe. Stoiber sagte zu, für ihn gelte der Beschluss des Parteivorstands, „dass jetzt die Sondierungen in Berlin im Mittelpunkt stehen“. Er sei „erstaunt, für was ich alles in Anspruch genommen werde“.

Aigner warnt vor „Lautsprecherei“

Signale für eine Verständigung zwischen Kritikern und Anhängern des wahrscheinlichsten Seehofer-Nachfolgers Markus Söder fehlen weiterhin. Oberbayerns CSU-Chefin Ilse Aigner grenzte sich erneut von Söder ab, ohne dessen Namen zu nennen. Sie warnte vor „Lautsprecherei“ und einem AfD-fokussierten Kurs. Man dürfe nicht übersehen, „dass wir bei der Bundestagswahl erheblich Stimmen an FDP und Grüne verloren haben – nicht nur an die AfD“, sagte Aigner unserer Redaktion. „Diese Stimmen aus dem bürgerlichen Lager sind endgültig verloren, wenn wir jetzt nur noch auf Lautsprecherei setzen und ausschließlich zum rechten Rand schielen.“ Wer Glaubwürdigkeit zurückgewinnen wolle, dürfe „nicht der Versuchung erliegen, für einen schnellen Applaus ein nicht einzulösendes Versprechen zu geben“.

CSU-Vize Manfred Weber lobte demonstrativ Seehofers Verhandlungsführung in Berlin. „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie die CSU ohne ihn im Moment ihre Ziele durchsetzen könnte“, sagte Weber der „PNP“. „Die permanenten Zwischenrufe, die ja zum Teil inszeniert sind“, seien „ein Schlag gegen unsere Durchsetzungsfähigkeit“.

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