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Enrique Pena Nieto, Mexikos Präsident.

„Am besten gleich Twitter aufkaufen“

So will sich Mexiko gegen die Pläne von Trump wehren

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Nach dem Mauerbau-Beschluss überlegt sich Mexiko Gegenstrategien zu den Trump-Plänen. Die USA brauchen ihr Nachbarland im Kampf gegen die Drogenkartelle.

Mexiko-Stadt – Dass Mexiko den berüchtigten Drogen-Kartellchef Joaquin Guzman („El Chapo“) am Vorabend der Trump-Vereidigung in einen US-Jet nach New York setzte, wurde auch als Ölzweig des mexikanischen Präsidenten Enrique Pena Nieto gegenüber dem neuen Chef der Weltmacht nebenan gesehen. Schließlich steht für Mexiko viel auf dem Spiel: Die jetzt von Donald Trump verkündete Mauer will der US-Präsident ganz von Mexiko bezahlen lassen. Und natürlich auch im Handelsbereich, über den das Weiße Haus neu zu verhandeln gedenkt. Erste Gespräche begannen gestern in Washington.

80 Prozent der mexikanischen Exporte gehen in die USA, und namhafte internationale Unternehmen produzieren in Mexiko für den US-Markt. Zwischen Mexiko und den USA werden täglich Waren im Wert von 1,4 Milliarden Dollar transferiert – auch dank der niedrigen Lohnkosten in Mexiko.

Das alles könnte jetzt durch Trump in Frage gestellt werden, und die Furcht ließ sich gut an einem Faktor ablesen: Der Peso fiel auf ein Rekordtief gegenüber dem US-Dollar, und auch Interventionsversuche der mexikanischen Zentralbank – sie verkaufte zwei Milliarden Dollar – konnten den Absturz nicht bremsen. Allein an dem Tag, als Trump Ford die Pistole auf die Brust setzte und das Unternehmen auf eine geplante Fabrik in Mexiko (Baupreis 1,6 Milliarden Dollar) verzichtete, fiel der Peso dreieinhalb Prozent. Ein mexikanisches Wirtschaftsmagazin scherzte, Mexiko solle doch am besten gleich Twitter für den Kapitalmarkt-Wert von 12 Milliarden Dollar aufkaufen – und dann abschalten.

Doch Präsident Nieto hat durchaus auch andere Waffen im Arsenal. Falls die USA eine Einfuhrsteuer für Güter erheben, würde das Wirtschaftsministerium in Mexiko City wohl die eigene Steuerpolitik ändern, um Nachteile für die Firmen zu kompensieren. Mexikanische Konzerne wie der Bau-Gigant Coconal haben bereits Sanktionen gegen die USA beschlossen – und wollen keine Ford-Fahrzeuge mehr kaufen. Und Nieto erklärte, Mexiko werde seine Wirtschaftsbeziehungen „diversifizieren“ und auch das Freihandelsabkommen mit der EU modernisieren. Nach der TPP-Aufkündigung sucht Mexiko nun auch die Nähe der vom US-Ausstieg betroffenen Staaten durch bilaterale Abkommen. Trump benötigt aber auch die Hilfe Mexikos beim Kampf gegen die Drogenkartelle, den anhaltenden Schmuggel in die USA und die Einschleusung illegaler Migranten durch die sogenannten „Coyoten“, also Menschenschmuggler.

Der neue Heimatschutzminister John Kelly hatte darauf hingewiesen, dass die Verteidigung der amerikanischen Südwestgrenze in Wirklichkeit rund 2300 Kilometer weiter im Süden beginne, nämlich an Mexikos Südgrenze. Von dort sickern ungehindert viele Flüchtlinge vor allem aus Mittelamerika ein.

Am 31. Januar trifft Nieto in Washington nun Trump. Da geht es natürlich um das Nafta-Handelsabkommen und Abschiebe-Prozeduren für Migranten, die sich illegal in den USA aufhalten. Aber auch um die Mauer, mit der Trump bei Amerikas konservativ-patriotischer Basis tief in der Pflicht steht – aber die für Nieto ein großer Dorn im Auge ist und deren Finanzierung durch Mexiko er strikt ablehnt. „Wir glauben an Brücken, nicht Mauern“ ist sein Credo. 

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