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Schicksals-Wahl 2023: Dieses Trio könnte Markus Söder herausfordern

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Von: Mike Schier

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder schaut bei einer Pressekonferenz grimmig
Markus Söder will 2023 als Ministerpräsident wiedergewählt werden. © Tobias Hase/dpa

Die CSU sorgt sich erstmals offen um den Machterhalt. Doch wer aus der Opposition könnte eine Gefahr für Markus Söder werden? Eine Kandidatin ist noch zu jung.

München – Martin Hagen hat es zum Jahreswechsel ordentlich krachen lassen. Der 41-Jährige posierte für die Bild vor seiner Gartentür mit Silvesterraketen. „Trotz Verkaufsverbot – FDP*-Mann böllert Silvester trotzdem“, titelte das Blatt. Der Widerhall in den sozialen Netzwerken war enorm. Hagen schaffte es in die Twitter-Trends, wurde gefeiert und beschimpft, eine Grüne* aus Berlin drohte ihm gar mit Anzeige. Selten bekommt ein bayerischer Oppositionspolitiker so viel Aufmerksamkeit. Ein bisschen erinnerte Hagen an den jungen Markus Söder*, der durch solche Aktionen deutschlandweit bekannt geworden war.

Im Landtag haben viele den Kopf über die Aktion geschüttelt. Aber ein wenig neidisch sind sie halt schon auch. Denn gerade in der Opposition kämpfen die meisten mit dem Problem, den bayerischen Wählern gar kein Begriff zu sein. Deshalb überlegen sie jetzt in den Parteizentralen, wie man sich für die Landtagswahl im Herbst 2023 in Position bringt. Klar: Der Wahlkampf steigt erst im nächsten Jahr, aber die Grundlagen gilt es jetzt zu legen. Und die Strategien sind sehr unterschiedlich.

Söders Herausforderer: Trotz Widerständen zu Beginn - SPD könnte Kandidaten schon gefunden haben

In Führung findet sich plötzlich die SPD* wieder. Lange waren die Genossen im Freistaat im freien Fall – aber im Windschatten von Olaf Scholz* haben sich die Umfragezahlen verdoppelt. Gewinner ist Florian von Brunn, Fraktionschef und Landesvorsitzender. Man kann nicht behaupten, dass ihm die Herzen der Partei sofort zugeflogen waren, in beide Ämter kam er nur mit massiven Widerständen. Jetzt aber scheint alles auf seine Spitzenkandidatur hinauszulaufen, zumal seine (weithin unbekannte) Co-Vorsitzende Ronja Endres (35) noch gar nicht Ministerpräsidentin werden dürfte. Laut Verfassung muss der Regierungschef das 40. Lebensjahr vollendet haben.

Die Genossen wollen noch dieses Jahr, im Spätsommer oder Herbst, den Kandidaten bestimmen. Eine Lehre aus dem Ampel-Wahlkampf im Bund. Scholz wurde früh nominiert und sah dann dabei zu, wie sich Grüne und Union in ihren K-Fragen verhedderten. Von Brunns Ausrichtung ist klar: „Ich kann mir eine Ampel gut auch in Bayern vorstellen“, sagt er. Die SPD für Soziales und Arbeit, die Grünen für die Ökologie, die FDP für die Wirtschaft. „Das ergänzt sich ganz gut.“

Grüne in Bayern: Baerbock als warnendes Beispiel - und ein Spitzenkandidaten-Problem

Auch bei den Grünen hat man aus der Bundestagswahl gelernt. Nur mit genau gegenteiliger Konsequenz. „Dieses Jahr wird es sicher keine Personalentscheidungen geben“, sagt Fraktionschef Ludwig Hartmann. Man erinnere sich an Annalena Baerbock und ihren Ärger um Buch oder Nebeneinkünfte. Es gehe darum, sich inhaltlich aufzustellen. „Vertrauen aufbauen ist für uns das Wichtigste“, sagt Hartmann. „Wir müssen jetzt den Bayern beweisen, dass die Ampel in Berlin für uns alle im Freistaat gute Ergebnisse bringt.“

Hartmann, ein guter Stratege, aber kein großer Rhetoriker, war schon bei der letzten Wahl Spitzenkandidat. Diesmal sagt er: „Wir wollen uns personell eher breit aufstellen.“ Am Ende könnte es aber doch wieder auf ihn hinauslaufen. Seine Co-Fraktionschefin Katharina Schulze ist zwar deutlich bekannter als er, aber im nächsten Herbst immer noch erst 38. Auch die beiden Landeschefs Eva Lettenbauer und Thomas von Sarnowski sind keine 40.

Als Ministerpräsidenten-Kandidaten sieht sich Martin Hagen trotz guter Umfragewerte nicht. Bei der letzten Wahl schaffte es die FDP nur knapp in den Landtag. Selbstbewusst ist Hagen trotzdem. Und er will nicht zu sehr mit den neuen Freunden von der Ampel kungeln. „Die FDP wird als eigenständige Kraft in den Wahlkampf gehen. Es gibt keine Koalition in der Opposition“, stellt er klar. Die FDP hält sich alles offen. „Markus Söder wirkt momentan orientierungslos, aber die CSU* bleibt für uns ein potenzieller Koalitionspartner.“ (mik) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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