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Moderatorin Illner klärte am Donnerstagabend den bayerischen Minister Söder auf.

Kuriose Szene im ZDF

„Schauen Sie sich den Koalitionsvertrag an!“ - warum Söder von Illner gerüffelt wurde

Wie teuer werden die Reformen Macrons für Deutschland? Mit diesem Thema befasste sich am Donnerstag Maybrit Illner. Auch Bayerns Ministerpräsident Söder war dabei.

Berlin - Seit mittlerweile einem Jahr ist Emmanuel Macron Präsident Frankreichs. Als erklärter Europa-Fan gewann er die Wahl und kündigte eine „Neugründung“ der EU an. Doch seine angedachten Reformen - unter anderem mehr Geld für Investitionen, eine europäische Arbeitslosenversicherung und ein gemeinsamer europäischer Haushalt - sind teuer. Und das bedeutet: Nichts davon geht ohne Deutschland.

“Macrons Traum, Merkels Albtraum - Europas Zukunft unbezahlbar?“

Vor einem Jahr war die deutsche Begeisterung für den reformfreudigen Macron noch groß, doch mittlerweile sind viele Politiker, vor allem in der Union, skeptisch, was die kostspielige „Neugründung“ angeht - wie sich auch am Donnerstagabend in Maybrit Illners Polit-Talk zeigte. 

Den Anfang machte aber SPD-Bundesjustizministerin Katarina Barley, die den Auftritt Macrons in der europäischen Politik als „etwas Erfrischendes“ und „dringend notwendig“ lobt. Nach Ansicht der deutsch-britischen Juristin war Deutschlands Polit-Landschaft vor Macron „depressiv“. Sie weist auf den Koalitionsvertrag hin, in dessen Europakapitel ganz klar stehe, dass sich Deutschland bereiterklärt habe, sich in Europa stärker zu engagieren.

Söder: Deutschland kann nicht einfach „Geld streuen“

Einer anderen Meinung ist der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Natürlich müsse man Länder in Not helfen, doch „von nichts“ komme auch „nichts“. Deutschland werde nicht einfach „Geld streuen“, Frankreich müsse auch etwas mitbringen und wie andere Staaten seine „Hausaufgaben“ machen. 

Auch FDP-Politiker Otto Fricke ist sich mit Söder einig. Der 52-Jährige erklärt, neue Pläne seien immer gut, doch dafür müsse man zuerst Geld zu Verfügung haben und nicht ausschließlich auf die Hilfe anderer zählen.

„Man muss sich zusammentun“

Aber in den Reformen gehe es nicht nur um die Stärkung der Eurozone, meint Anne-Marie Descôtes, die seit 2017 Botschafterin Frankreichs in Deutschland ist. „Es geht um Forschung, Bildung, Kultur und Wirtschaft“. Man müsse sich zusammentun, wenn man in dieser Welt überhaupt noch existieren will, findet die Franzosin.

In der Runde bilden sich im Laufe des Abends zwei Fronten: Auf der einen Seite Söder und Fricke, die gegen Macrons Pläne sind. Auf der anderen Seite die Frauen, die für Europa und eine offene Vision werben. Etwas im Hintergrund bleibt der Wirtschaftsjournalist Thomas Fricke, der einer anderen Standpunkt vertritt: „Es geht nicht darum, dass die Deutschen für die anderen bezahlen sollen. Es geht um eine gemeinsame Sicherung gegen Finanzkrisen“.

Illner klärt Söder auf

Für den aufregendsten Moment des Abends sorgte allerdings eine kleine Diskussion zwischen der Moderatorin und Söder, in der Illner dem bayerischen Ministerpräsidenten empfiehlt, sich „den Koalitionsvertrag genauer anzuschauen“. Söder hatte Barley vorgeworfen, mit dem Grundsatz „Vertrag ist Vertrag“ die bestehenden Europa-Verträge nicht ändern zu wollen.

Lesen Sie auch: Kruzifix-Streit: Söder sieht Mehrheit der Bayern hinter sich.

fm

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