Im Merkur-Gespräch

Corona-Gipfel mit Merkel: Söder rückt mit Plänen für Bayern raus - „Riskieren sonst Hochschnellen der Zahlen“

  • Christian Deutschländer
    VonChristian Deutschländer
    schließen

Der Lockdown bleibt, soll aber nicht schärfer werden. Das erklärt Ministerpräsident Markus Söder vor dem Chef-Treffen mit Angela Merkel zu Bayerns Linie.

Update, 20. Januar, 07.03 Uhr: Der Corona-Gipfel ist nach einer Marathon-Sitzung beendet. Die Entscheidungen und Zerwürfnisse lesen Sie in unserem Gipfel-Ticker nach. Was die Gipfel-Beschlüsse für Bayern bedeuten und Söder davon hält, lesen Sie in unserem Corona-Bayern-Ticker.

München, 18. Januar – Noch mindestens vier Wochen im harten Lockdown: Die Maßnahmen gegen Corona sollen bis weit in den Februar hinein fortgeführt werden. „Wir müssen den Lockdown bis Mitte Februar verlängern“, sagte CSU-Chef Markus Söder dem Münchner Merkur vor den Beratungen der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel. Für Bayern plant Söder keine Verschärfungen der Maßnahmen, er fordert aber die anderen Länder auf, die Regeln ähnlich strikt umzusetzen. Bisher sind die Vorschriften bis Ende Januar befristet.

„Die Zahlen in Bayern entwickeln sich verhalten positiv. Die Inzidenzen gehen nach unten und die Maßnahmen wirken“, sagte Söder. „Das ist aber kein Anlass, vorzeitig abzubrechen. Wer jetzt über Nacht lockert, riskiert ein Hochschnellen der Zahlen – Irland hat das auf tragische Weise erlebt.“ Bis Mitte Februar habe man auch einen besseren Kenntnisstand, was mit der in Großbritannien aufgetretenen und wohl hochansteckenden Virus-Mutation passiert. „Der bisherige Lockdown bremst in jedem Fall die gefährlichere Virus-Variante.“

Vor Corona-Gipfel: Markus Söder fordert Ausgangssperre und Bewegungsradius in den anderen Bundesländern

Bisher ist Bayern das Bundesland, das die Beschlüsse aus der letzten Ministerpräsidenten-Runde am konsequentesten umgesetzt hat. „Bayern hat jetzt schon eines der höchsten Schutzlevel in Deutschland“, sagte Söder: „Wir sind das Land mit flächendeckender Ausgangssperre, mit einem strengen Radius für Tagesausflügler, haben Kitas geschlossen und alle Schulen im Distanzbetrieb. Seit heute gilt auch die bundesweit strengste FFP2-Maskenpflicht.“ Eine Verschärfung sei deshalb im Freistaat nicht geboten, machte Söder deutlich. „Bayern ist mit seinen derzeitigen Maßnahmen gut aufgestellt. Wir müssen immer auch die Akzeptanz der Bevölkerung im Blick behalten, und im Moment ist diese Grundakzeptanz relativ hoch.“

Den Lockdown fortzusetzen, hieße auch, dass Kitas geschlossen bleiben und die Schulen bis Mitte Februar im Distanzbetrieb arbeiten: „Es ist sinnvoll, die bisherige Linie fortzusetzen“, sagte Söder unserer Redaktion. Er sprach sich erneut für einheitliche Regeln im gesamten Bundesgebiet aus – am besten auf dem Level der bayerischen Maßnahmen. „Besser wäre es, wenn alle die in Berlin beschlossenen Maßnahmen einheitlich umsetzen würden.“ Seine These: „Je differenzierter die Lösung ist, desto weniger wird sie oft akzeptiert. Was für alle gilt, ist gerecht.“ Am Dienstag kommen die Länderchefs, real und teils per Videokonferenz, in Berlin zusammen. In mehreren Ländern gibt es Widerstand gegen Bayerns Kurs; Niedersachsen will etwa nächtliche Ausgangssperren nicht mittragen.

Corona-Lockdown in Bayern: Markus Söder rechnet vor dem Corona-Gipfel nicht mit weiteren Verschärfungen

Einen kompletten Lockdown für die Wirtschaft, wie ihn Politiker etwa der Linken forderten, wird es voraussichtlich nicht geben. Söder rechnet vor dem Treffen mit den anderen Ministerpräsidenten auch nur mit moderaten Korrekturen beim Homeoffice: „Wichtig ist: Wir brauchen einen höheren Anteil von Arbeitnehmern im Homeoffice, um die Kontakte zu reduzieren.“ Er sagte weiter: „Eine Homeoffice-Pflicht wird es wohl nicht geben, aber wir setzen uns für steuerliche Anreize ein. Das Ziel heißt: Homeoffice, wo immer möglich.‘‘ Die SPD fordert hingegen mehr rechtliche Schritte des Gesetzgebers. Es dürfe nicht bei Appellen bleiben.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa/dpa-Bildfunk

Auch interessant

Kommentare