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CSU-Chef Söder macht sich rar - und zieht nach Querelen in der Union den Kopf ein

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Von: Christian Deutschländer

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Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern und Parteivorsitzender der CSU
Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern und Parteivorsitzender der CSU © Rolf Poss/Imago

Nach den Querelen rund um die Bundestagswahl zieht der CSU-Chef den Kopf ein. An der Basis rumort es, die Umfragen krebsen bei 32 Prozent herum.

München/Straubing – Am Pult des Hörsaals steht Markus Söder, sein Thema klingt gefährlich. Er redet über die Freude daran, „ein bisschen zu zündeln“, die Kunst der kontrollierten Explosion. Aber, Entwarnung, es geht allein um Chemie diesmal. Der Ministerpräsident eröffnet mit einer Festrede das neue Lehr- und Forschungsgebäude der Chemiker am TU-Campus Straubing. Zündeleien und Stinkbomben in der Politik, davon lässt Söder an diesem Donnerstag die Finger.

Es hat genug geknallt in den vergangenen Tagen rund um den CSU-Vorsitzenden. Aus vielen Ecken der CDU schlägt Söder offener Ärger über sein Verhalten vor und nach der Bundestagswahl entgegen. In der eigenen CSU melden sich so laut wie nie Kritiker zu Wort und beklagen fehlendes Teamspiel. Bayerns Junge Union, einst sein treuester Fanclub, hat sogar im Zorn den Begriff „Zugpferd Markus Söder“ aus einer Erklärung gestrichen, an der Basis rumort es, die Umfragen krebsen bei 32 Prozent herum.

Markus Söder erlebt Stimmungswandel und hält sich mit schlagzeilenträchtigen Auftritten auffällig zurück

Söder ist der Stimmungswandel nicht entgangen. Seine vorläufige Reaktion: Er zieht den Kopf ein. Mit schlagzeilenträchtigen Auftritten hält er sich diese Woche auffällig zurück. Pressekonferenz nach der Kabinettssitzung: delegiert an die Minister. Landtagssitzung: nicht teilgenommen. Rede beim Deutschlandtag der Jungen Union am Samstag: abgesagt. Im Vergleich zur extremen Taktung der Wahlkampfmonate wirkt das fast, als sei Söder verschwunden. Man muss schon bei Fachterminen suchen, wie am 14. Oktober im Chemiesaal, um Söder zu treffen; und da verzichtet er fast vollständig auf Sticheleien und Spott.

Zum einen, so heißt es von seinen Leuten, ist das die Rückkehr in den Arbeitsalltag der Landespolitik. Dort hat sich durch Corona und Wahlkampf Sacharbeit gestaut, das Koalitionsklima mit den Freien Wählern hat gelitten. Zum Zweiten wird Söder in den nächsten Wochen viel Energie in Treffen mit der eigenen Partei stecken. Aktuell reist er reihum durch die Bezirksvorstände der CSU, hört sich das Murren im Mittelbau an. Das wird vollmundig „Basiskonferenzen“ genannt, eine Reihe an Treffen mit der wirklichen Basis, den Aktiven auf Ortsebene, soll in den kommenden zwei Monaten folgen.

Union: Söder sagt große Rede bei Nachwuchs ab - Zorn auf den CSU-Chef

Zum Dritten will Söder die Stimmung in der CDU nicht weiter anheizen. Mit Armin Laschets Bereitschaft, den Hut zu nehmen, dürfte ein Ziel erreicht sein. Risiko: Der nächste Kopf, den man in der Union fordern könnte, ist seiner. Auch deshalb hat Söder für Samstag seine große Rede bei der Jungen Union abgesagt. Dort, wo der Nachwuchs von CDU und CSU zusammen tagt, wo sämtliche Parteigrößen zugeladen sind, wäre ihm wohl auch einiger Unmut entgegengeschlagen. Es ist ja auffällig: Antipoden wie Daniel Günther links und Friedrich Merz rechts sind sich in der CDU inhaltlich in fast nichts einig, außer aktuell im Zorn auf Söder. Günther philosophiert hämisch über das Verb „södern“. Merz nennt den Umgang in der Union „stillos, respektlos und streckenweise rüpelhaft“.

CSU-Chef Söder mag sich das nicht ins Gesicht sagen lassen. Gleichzeitig hat er derzeit kaum Hebel, um Entscheidungen zu wenden: die Chef-Suche in der CDU nicht, das regelt die Partei intern, und die Koalitionsbildung in Berlin nicht, da sind gerade die Ampel-Parteien am Zug. Söder steht also lieber in Straubing am Pult. „Viel Freude bei den Experimenten“, wünscht er, „möge alles gut gehen und nix passieren“. Aber er meint den Chemiesaal. (cd)

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