Der bayerische Minsterpräsiden Markus Söder (CSU, li.) und Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.
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Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur (re), kommentiert den erhobenen Führungsanspruch des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU).

Umfrageabsturz für „Kandidat der Herzen“

Massiver Warnschuss für Söder - diese drei Konsequenzen muss der CSU-Chef jetzt ziehen

  • Georg Anastasiadis
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Die CSU stürzt laut Umfragen in Bayern auf historische Tiefs. Eine verdiente Quittung, findet Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

München - Hoppla. Nur noch ein gutes Drittel der Bayern würde, wenn heute Landtagswahl wäre, ihr Kreuz bei der CSU machen. Das sind noch mal weniger als bei Söders Landtagswahldebakel 2018. Das kratzt hässlich am Nimbus des Umfragekönigs, der nach eigenem Bekunden so gern „hineinhorcht“ in Volk und Partei (am allerliebsten in die Schwesterpartei) und seinen Führungsanspruch ja ausdrücklich mit den hohen Zustimmungswerten begründet(e). Es ist kühn, dass das Münchner Partei-Establishment – ja, so was gibt’s nicht nur in der CDU! – jetzt auch dieses Ergebnis Armin Laschet in die Schuhe zu schieben versucht.

Viel besser wäre es, wenn die CSU-Funktionäre nach dem ersten Schock kurz innehalten und sich an einen Rat ihres alten Lehrmeisters erinnern würden. Eine falsche Fehleranalyse, bläute Franz Josef Strauß einst den Seinen ein, führe schnurstracks in die nächsten Niederlage.

Nach erbittertem Duell um die Kanzlerkandidatur der Union: Umfrageabsturz für Söder und CSU

Die 36-%-Umfrage ist ein massiver Warnschuss und erfordert sofortige Konsequenzen auf drei Feldern. Erstens: Als härteste „Lockdowner“ können Söder und seine CSU künftig in der Coronapolitik nur noch verlieren. Zweitens: Söders forcierte Umarmung der Grünen raubt der CSU den eigenen Markenkern. Das ging schon bei Merkel nicht gut aus. Die kopierte so lange die SPD, bis sich die CDU selbst nicht mehr erkannte. Will die CSU ihr in den Abgrund folgen? Ernsthaft? Und drittens: Söder muss lernen, im „Team Laschet“ mitzuspielen. Sonst droht bald die nächste Quittung. So stolz waren die Bayern auf ihren „Kandidaten der Herzen“. Bis dieser anfing, gegen Laschet nachzutreten.

Es zahlt sich nicht aus, wenn der zornige CSU-Chef aus gekränkter Eitelkeit den eigenen Kanzlerkandidaten demontiert und den gemeinsamen Wahlerfolg aufs Spiel setzt. Es stimmt: Laschet muss besser werden, programmatischer. Ein Merz macht noch keinen Sommer (auch wenn er den Schmerz der Konservativen nach Söders verhinderter Kandidatur lindert). Aber das Bild der Zerstrittenheit, das Söder mit seinem pausenlosen und wenig honorigen Sticheleien und Remplern erzeugt, stößt Unionswähler insgesamt ab, auch in Bayern. Die CSU muss beten, dass ihr Umfragekönig ohne Land sein großes Ego wieder in den Griff bekommt. Klug und wandlungsfähig genug ist er ja. (Georg Anastasiadis)

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