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Eigentlich brauchen sie jetzt beide ein dickes Fell: Joachim Herrmann, als Sheriff verkleidet, und Markus Söder 2009 im Fasching, treten offenbar gegeneinander an.

Duell der guten Freunde

Söder gegen Herrmann: Der Machtkampf in der CSU

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  • Mike Schier
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Die Lage sei „irre“, sagt ein Minister. Die drohende Kampfabstimmung zwischen Markus Söder und Joachim Herrmann schreckt die CSU auf. Immerhin sind es zwei Schwergewichte – eigentlich Freunde –, die aufeinanderprallen.

München – Am Mittwochnachmittag, halb vier, saßen sie noch friedlich nebeneinander auf der Regierungsbank. Die Hände brav gefaltet über ihren Aktenstapeln, tuschelten die CSU-Größen Joachim Herrmann und Markus Söder vertraut während einer langweiligen Landtagsdebatte. Was Herrmann wusste, Söder aber mutmaßlich nicht: Aus den beiden Ministern könnten in Kürze die härtesten Konkurrenten um die Macht in Bayern werden. Eine Stunde nach dem Plausch platzte in das Treiben im Landtag die Nachricht, dass Herrmann die Kampfabstimmung gegen Söder um die Spitzenkandidatur zur Wahl 2018 suchen soll. Bei einem Geheimtreffen in der Staatskanzlei hatten sich am Montag mehrere Söder-Gegner auf Herrmann geeinigt. Er lehnte nicht ab, erbat sich aber Bedenkzeit.

Zwei Franken im offenen Wettstreit um das Amt des Ministerpräsidenten – in der eh schon aufgeregten Fraktion schlug das ein wie eine Bombe. Bis tief in den Abend waren aufgewühlte Abgeordnete, konspirierend und telefonierend, im Maximilianeum zu beobachten. Von einem „Geheimbund“ schimpfte einer, andere warfen Horst Seehofer als Organisator des Anti-Söder-Treffens „Falschspielerei“ vor. Am drastischsten äußert sich der Abgeordnete Ernst Weidenbusch: „Nur ein Esel lässt sich vor einen Karren spannen – besonders vor einen fremden Karren.“ Ein Gruß an Minister Herrmann.

Söder und Herrmann: Man lädt sich zu Geburtstagsfeiern ein

Am Montagmorgen will die Fraktion ihre Entscheidung in geheimer Wahl treffen, am 15./16. Dezember dann der Parteitag in Nürnberg. Man mag eine Mehrheit für Söder vermuten; allerdings hat auch Herrmann, der 2003 bis 2007 die Fraktion führte, ein hohes Ansehen. Er gilt als pflichtbewusst, loyal, verlässlich. Mit Söder verbindet ihn kurioserweise sogar inhaltlich viel – unter anderem ein strikter Kurs in der Flüchtlingspolitik. Ihre beiden CSU-Bezirksverbände Mittelfranken und Nürnberg arbeiten zusammen. Auch menschlich hatten Söder und Herrmann selten Reibungen, man lädt sich sogar zu Geburtstagsfeiern ein.

Menschlich hatten Söder und Herrmann bislang selten Reibungen, man lädt sich sogar zu Geburtstagsfeiern ein.

Umso härter dürfte Söder die Geheimabsprache hinter seinem Rücken als Vertrauensbruch sehen. Hinter den Kulissen gibt es vorsichtige Versuche, Herrmann von einer Kandidatur abzuhalten, Ausgang offen. Seehofer selbst sagte vor wenigen Tagen, eine Abstimmung mit mehreren Bewerbern sei kein Weltuntergang. Das Bekanntwerden des Geheimtreffens schürt allerdings bis weit oben in der CSU-Spitze Misstrauen. „Keiner traut mehr keinem“, sagt ein Minister, die Lage sei „irre“. Selbst ihren Zuarbeitern trauen manche Politiker nicht mehr: Per Rundmail wurden die Ministerien gestern informiert, dass zur Sondersitzung der Fraktion am Montag alle Mitarbeiter ausgeschlossen würden.

Kommentar: Finale furioso in der CSU

Derweil sortiert sich der Rest der Partei. Ilse Aigner plant für Samstag eine Sitzung des Bezirksvorstands Oberbayern. Sie ist in einer kniffeligen Lage: Persönlich steht sie Herrmann näher, Söder hat in Oberbayern aber mindestens ein Drittel der Kreisvorsitzenden hinter sich gebracht. Am Sonntagnachmittag will Seehofer mit allen Bezirksvorsitzenden sprechen, auch mit den Arbeitsgemeinschaften der Partei, und ein Stimmungsbild einholen.

Unbemerkt von der Öffentlichkeit gab es gestern sogar ein weiteres spannendes Treffen: Edmund Stoiber und Theo Waigel, beide eben von Auslandsreisen zurückgekehrt, setzten sich am Mittag zusammen. Die beiden Ehrenvorsitzenden, alles andere als enge Freunde, berieten über die Zukunft der CSU, über Seehofer, Söder, Herrmann. Es sei keiner mit einem blauen Auge herausgekommen, heißt es über beide. Der als Dreierrunde geplante Beraterkreis mit ihnen und Barbara Stamm wird zwar nicht tagen; sie werden Seehofer ihren Rat aber jeweils persönlich (und diskret) mitteilen.

In diesem Fall kann man übrigens nicht von einem supergeheimen Treffen sprechen: Waigel und Stoiber tagten bei Promi-Koch Schuhbeck in der Münchner Innenstadt.

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