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Söder im Bierzelt: CSU-Chef macht sich über Hofreiter lustig - und findet plötzlich neuen Gegner neben Linken

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Von: Florian Naumann

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Markus Söder hat am Montag beim Gillamoos-Frühschoppen die Konkurrenz ins Visier genommen.
Wahlkampf-Mass für die CSU: Markus Söder hat am Montag beim Gillamoos-Frühschoppen die Konkurrenz ins Visier genommen. © Armin Weigel/dpa

Ob das Bierzelt der CSU im Wahlkampf hilft? Markus Söder hat beim Gillamoos-Frühschoppen vor allem vor der Konkurrenz gewarnt. Ein neuer „Gegner“ reagiert gereizt.

Abensberg/München - Echte Bierzeltreden sind im Corona-Wahlkampf eine Seltenheit. Markus Söder hatte am Montag beim traditionellen Gillamoos-Frühschoppen in Niederbayern dann aber doch noch diese Gelegenheit.

Der CSU-Chef arbeitete sich bei dem Auftritt vor Parteifreunden - neben privaten Enthüllungen zum Thema Corona - vor allem an der Konkurrenz ab: Mit ausführlichen Warnungen vor Rot-Grün-Rot als Konsequenz der Bundestagswahl - aber auch mit scharfen Attacken an die Adresse des möglichen Koalitionspartners FDP. Die Liberalen hatten schon kurz zuvor Sticheleien des CDU-Konservativen Friedrich Merz gereizt zur Kenntnis genommen - und ihrerseits die Union ins Visier genommen.

Söder beim Gillamoos-Frühschoppen: CSU-Chef setzt „Linksrutsch“-Kampagne fort

Söder widmete große Teile seiner Rede der Kritik an der Linken. „Die Linkspartei ist eine Partei, die die Nachfolgepartei der SED ist“, sagte er. Bis heute traue sich die Linke nicht, ernsthaft über diese Vergangenheit zu diskutieren und sich davon zu distanzieren. Söder betonte, einzelne Mitglieder und auch Teile der Linken würden vom Verfassungsschutz beobachtet. „Ich weiß schon, warum die den Verfassungsschutz abschaffen wollen.“

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Auch Vorwürfe an die SPD-Spitzen Saskia Esken und Kevin Kühnert wiederholte Söder. Einen Lacher erntete Bayerns Ministerpräsident von seinen Parteifreunden für Spott über den ebenfalls bereits häufiger in einem Atemzug mit den SPD-Politikern genannten Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. Mit ihm könne ein Mann Landwirtschaftsminister werden, der auf Bürokratie setze - und der sich „dem hervorragenden bayerischen Friseur-Handwerk verweigert“.

Söder und Merz fordern Ampel-Nein von der FDP, Liberale kontern: „Hat die CDU eigentlich schon ...“

Etwas überraschender kam ein verschärfter Tonfall Söders in Richtung FDP. Die Partei rücke „jeden Tag näher an die Linke heran“, warnte der CSU-Chef. Er könnte das „menschlich verstehen“, stichelte Söder: „Ministerämter, -gehälter, Dienstwagen sind verlockend“, sagte er. „Und ich schätze Christian Lindner persönlich, aber der gute Mann muss jetzt auch mal Minister werden.“ „Jeder, der die FDP wählt, bekommt am Ende Rot-Grün“, warnte Söder. Er nannte eine Ampel-Koaliton ein rot-grünes Bündnis in Form „einer verdünnten Links-Suppe“.

CDU-Wahlkämpfer Friedrich Merz hatte die FDP zuvor in der ARD zu einer Absage an eine Ampel aufgefordert. Prominente Liberale konterten auf Twitter. „Haben Herr Merz und die CDU eigentlich schon eine Koalition der Union mit SPD und Grünen im Bund ausgeschlossen?“, erkundigte sich Generalsekretär Volker Wissing mit Blick auf eine ebenfalls denkbare Kenia-Koalition ironisch. „Vielleicht sollte die ⁦CDU klar artikulieren, ⁩mit wem sie nicht koalieren würde. Habe bislang nichts vernommen. Wir jedenfalls brauchen keine ⁦CDU-Berater“, erklärte auch der Bundestagsabgeordnete Andrew Ullmann.

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An Forderungen nach klaren Absagen an verschiedene Bündnisvarianten hatte es im Wahlkampf zuletzt nicht gemangelt - so etwa auch am Sonntagabend im ARD-Talk „Anne Will“ oder jüngst im RTL-Kanzlerkandidaten-Triell. Ausgeschlossen wurde bislang jedoch nichts. Für die Parteien, allen voran SPD, Grüne und die FDP, dürfte es vor allem darum gehen, Druckkulissen für Koalitionsverhandlungen nach dem Wahltag aufrechtzuerhalten.

Söder äußerte sich in Abensberg nicht dezidiert zu seinen Präferenzen. Er sprach sich zwar für ein Bündnis mit der FDP aus, relativierte allerdings zugleich, dass eine schwarz-gelbe Koalition angesichts der jüngsten Umfragen wohl außer Reichweite liege.

An eigenen Inhalten der CSU stellte Söder neben der - von der CDU kritisch beäugten - Mütterrente vor allem Entlastungen für den Mittelstand ins Schaufenster. „Wir sagen vor allem: Entlasten, wo es sinnvoll ist“, betonte er. Mithilfe von Bagatellgrenzen für Bürokratie und Steuern müsse mit dem Mittelstand „das Rückgrat Bayerns und auch Deutschlands“ entlastet werden. Zugleich verwies er darauf, dass auch der CSU Klimaschutz ein Anliegen sei: Ökologie sei nicht nur ein „grünes Thema“, sondern auch ein christliches. (fn/AFP)

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