Ministerpräsident Markus Söder steht vor Landtagspräsidentin Ilse Aigner (beide CSU), bei einer Plenarsitzung im bayerischen Landtag (Aufnahme von März 2020)
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Ministerpräsident Markus Söder steht vor Landtagspräsidentin Ilse Aigner (beide CSU), bei einer Plenarsitzung im bayerischen Landtag (Aufnahme von März 2020).

„Hommage“

Söder macht Parteifreundin „Antrag“: Sie lehnt irritiert ab - und benutzt seine Floskel

  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder trägt Parteifreundin Ilse Aigner die Spitzenkandidatur für Berlin an – sie lehnt mit Söders Worten ab.

München – Die schönsten Blumen haben die spitzesten Stacheln. Das gilt auch in der Politik. Da hat Markus Söder am Montag nämlich einer Parteifreundin einen sehr rosigen Antrag gemacht, der auf den zweiten Blick recht fies pikst. Der CSU-Chef trug Ilse Aigner mit großen Komplimenten die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl an – Aigner, etwas verblüfft, konnte gerade noch rechtzeitig die Hand wegziehen.

Es war im Vorstand, der per Video tagt. Söder räumte ein, die CSU brauche noch einen Spitzenkandidaten für Berlin, er selbst darf es ja nicht machen. Der Parteichef verkündete, er könne sich auch nicht vorstellen, dass jemand aus seinem Münchner Kabinett für Berlin kandidieren könne. Die „einzige Person, die überhaupt denkbar wäre aufgrund ihrer Bedeutung und Bekanntheit“, sei Ilse Aigner. „Sie wäre die einzige mit großem Kaliber aus Bayern.“

CSU: Markus Söder trägt Ilse Aigner Spitzenkandidatur für Berlin an - Worte als „Hommage“

Großes Kaliber, großes Kompliment – aber mit Hintersinn. Von Aigner sind nicht die geringsten Ambitionen bekannt, nach Berlin zurückzukehren, wo sie ja schon Agrarministerin für die CSU war. Ihre Rolle als Landtagspräsidentin in München taugt ihr – nur für ein Amt würde sie tauschen: Söders Posten als Ministerpräsident, der aber nun ja nicht frei wird.

Will Markus Söder die Parteifreundin wegloben, so wie einst Horst Seehofer ihn unbedingt nach Berlin schicken wollte? Das Verhältnis des Franken (54) und der Oberbayerin (56) ist gar nicht so entspannt. Söder soll verärgert gewesen sein, dass Aigner überall als designierte Nachfolgerin gehandelt wurde und ihr das sehr gut gefiel. Söders enger Vertrauter Albert Füracker soll das in der Vorstandssitzung zum Ausdruck gebracht haben mit der spöttischen Anmerkung, Aigner sei ja wohl schon „amtsmüde“.

Man muss zudem einrechnen, dass Aigner, die auch die CSU Oberbayern führt, als Erste offene Widerworte gegen Söders Corona-Politik gewagt hat. Da klingt das große Lob schon anders – eher nach: Geh mit Gott, aber geh! Nicht doch, beteuert Söder, es sei als „Hommage“ auf Aigner gedacht gewesen.

CSU nach der Bundestagswahl: Anderes Szenario könnte für Aigner entstehen

Es kam bei der Betroffenen anders an, Fürackers Einlassung sogar als Unverschämtheit. Wenige Minuten nach dem Angebot stellt Aigner öffentlich klar: „Mein Platz ist in Bayern.“ Es ist exakt Söders Floskel, mit der er lange auf die K-Frage-Spekulationen reagiert hatte. Aigners Leute merken dazu noch an, anders als er, meine sie es ernst. Weder auf der Liste, noch per Direktmandat (das ist in Miesbach wie Rosenheim eh besetzt) trete sie an.

Nur eine Exit-Option gibt es – vage. In der Union wird spekuliert, auf Aigner könne die Frage nach der Bundespräsidentschaft zukommen, zu wählen am 13. Februar 2022. Spätestens kurz nach der Bundestagswahl im Herbst wird die Berliner Blase auf die Suche gehen. Eine Frau (erstmals) aus Bayern und von der CSU wäre da natürlich eine Option. Noch ist allerdings die Mehrheit in der Bundesversammlung völlig unklar. Die Begeisterung der Grünen und der SPD ist wohl gering.

Was für Markus Söder bleibt, ist ein Problem: Wer führt dann also die CSU-Liste für Berlin an? Spekulationen über einen Wechsel von Agrarministerin Michaela Kaniber nach Berlin haben nun einen Dämpfer, Söder traut es ja keinem aus seinem Kabinett zu. Alexander Dobrindt (50), der Landesgruppenchef, dürfte nun die erste Wahl sein. Söder hält große Stücke auf den Peißenberger, beide arbeiten inzwischen eng zusammen, stimmen Strategien eng ab.

Aufgestellt wird die CSU-Liste übrigens am 26. Juni. Vielleicht nicht das Personal, aber der Ort ist spektakulär: Coronabedingt tagt die CSU im Nürnberger Frankenstadion. (cd)

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