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Markus Söder, Bayerns Finanzminister und potenzieller Seehofer-Erbe.

Der ewige Nachfolger

Söder im Interview: „Haben in Bayern keine verordnete Thronfolge“

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Nachdem Horst Seehofer entschieden hat für eine weitere Amtszeit zu bleiben, richten sich alle Augen auf den potentiellen Nachfolger Markus Söder. Welche Konsequenzen zieht er aus der Entscheidung des Ministerpräsidenten?

Seehofers Nachfolger heißt: Seehofer. Wie findet das der Mann, den die Mehrheit der Bayern in Umfragen für den aussichtsreichsten Erben hielt? Wir fragen Markus Söder, Bayerns Finanzminister und CSU-Chef im Bezirksverband Nürnberg, nach seinem Lagebild – und nach dem Ausmaß seiner Geduld.

Die CSU bekommt offenbar gar nicht genug von Horst Seehofer. Teilen Sie diese Begeisterung?

Markus Söder: Ich bin froh, dass wir jetzt eine Entscheidung haben. Es ist doch klar, dass ein erfolgreicher Ministerpräsident, der seine Arbeit fortsetzen will, Anerkennung verdient. Er hat meine ehrliche Unterstützung. Das habe ich ihm schon vor einigen Wochen auch persönlich gesagt.

Seehofer will Parteivorsitz und Regierungsamt nun doch in einer Hand lassen. Gratulieren Sie ihm zu seiner Erkenntnis?

Söder: Ich hatte dazu immer eine klare Meinung. Diese Konstellation mit Horst Seehofer stärkt die CSU in Bayern und in Berlin.

Verwirrende Debatte um Dauer der Amtszeit

Wie lange gilt das Mandat für ihn? Bis 2023?

Söder: Horst Seehofer hat deutlich gesagt, dass die Debatten, wie lange Amtszeiten reichen sollen, eher zu Verwirrung führen. Jetzt sollten wir alle durchschnaufen in der CSU und uns auf die anstehenden Wahlkämpfe konzentrieren.

Sagen Sie heute klar: Auf dem Parteitag im November treten Sie nicht für den CSU-Vorsitz an?

Söder: Nachdem Horst Seehofer als Parteivorsitzender wieder antreten wird und wir im Parteivorstand das alle so empfehlen, ist das doch ganz klar: Ich werde ihn bei dieser Wiederwahl unterstützen.

Joachim Herrmann soll Bundesinnenminister werden. Eine Art Aufpasser für Angela Merkel?

Söder: Welches Amt tatsächlich für die CSU greifbar ist, werden wir erst nach der Wahl wissen. Ich halte nichts davon, vorher Posten zu verteilen. Aber weil Joachim Herrmann in Bayern für eine erfolgreiche Sicherheitspolitik steht, macht seine Kandidatur glaubwürdig, dass die CSU dieses Thema bundesweit stärker verankern wird. Ich finde das gut, das steigert unsere Wahlchancen.

Söder der ewige Thronfolger?

Welches Ergebnis müssen Herrmann (und Seehofer) bei der Bundestagswahl einfahren? Wo liegt die Messlatte? 40 Prozent?

Söder: Ich halte kein Stöckchen, über das jemand zu springen hat. Zentral ist, dass ohne die Union in Berlin keine Regierung gebildet werden kann. Wir können jetzt einen Zahn zulegen, nachdem die Personalien geklärt sind.

Vielleicht wird in München das Bayerische Innenministerium frei. Interesse?

Söder: Auch da gilt: Erst die Wahlen abwarten. Ich will meinen Beitrag für den Gesamterfolg der Staatsregierung fortsetzen. Ich bin bundesweit einer der erfolgreichsten Finanzminister. Kein anderes Bundesland hat so eine finanzielle Bilanz wie Bayern.

Im Internet kursieren Fotomontagen von Ihnen als Prinz Charles, Segelohren inklusive. Tenor: der ewige Thronfolger Söder. Wie weit reicht Ihr Humor?

Söder: Ich habe großen Humor, aber deutlich schönere Ohren! Außerdem haben wir in Bayern eine Demokratie und keine verordnete Thronfolge.

Alle Ereignisse von Montag können Sie hier in unserem Ticker nachlesen.

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