Der große Kanzler-Check

Wer kann Kanzler? Söder gegen Laschet im Vergleich - Kandidaten kompromisslos durchleuchtet

  • Klaus Rimpel
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Markus Söder hat die Nase im Rennen um die Kanzler-Kandidatur offenbar vorn. Aber ist er auch geeigneter als Armin Laschet? Die Rivalen im Vergleich.

München/Berlin - Showdown im Machtkampf um die Unions-Kanzlerkandidatur: Markus Söder* wollte in der Unions-Bundestagsfraktionssitzung am Mittwoch beweisen, dass er mehr Rückhalt bei CDU und CSU hat als sein Rivale Armin Laschet*. Der CDU-Chef wollte ursprünglich gar nicht bei der Sitzung sprechen - doch Söders Auftritt vor den Abgeordneten zwang Laschet ins Duell.

Laschet sagte in seiner Rede: „Wir brauchen keine One-Man-Show.“ Söder erklärte, für einen Wahlsieg brauchten CDU* und CSU* die „maximal beste Aufstellung um erfolgreich zu sein - nicht nur die angenehmste“. Mit Spannung wurde erwartet, ob Söder eine Abstimmung in der Fraktion durchsetzen kann. Die CDU-Kräfte in der Fraktionsspitze wollten eine Abstimmung verhindern. Wer gewinnt das Duell? Der Check.

Armin Laschet (CDU):

Karriere: Laschet wuchs in einer Aachener Bergmannsfamilie auf. Seinen Wunsch, nach dem Jura-Studium Journalist zu werden, setzte der 60-Jährige beim Bayerischen Fernsehen und dem Privatsender Radio Charivari in München um. 1991 wurde er Chefredakteur der Kirchen­zeitung für das Bistum Aachen. Von 1995 bis 1999 war er Geschäftsführer des Aachener Einhard-Verlags, ehe er ganz in die Politik wechselte. Bereits mit 28 Jahren wurde Laschet Ratsherr in Aachen, später Abgeordneter im Bundestag (1994 –1998) und im Europaparlament (1999 – 2005).

Stärken: Der Spiegel nennt Laschet den „Rocky Balboa der Politik“ - nach der von Silvester Stallone geschaffenen Filmfigur eines Boxers, „der nie den härtesten Schlag hatte, aber am meisten einstecken konnte“. Sprich: Laschet hat etliche Niederlagen hinter sich, rappelte sich aber immer wieder auf. So verlor er 1998 nach vier Jahren im Bundestag seinen Wahlkreis und 2010 gegen Norbert Röttgen die Wahl zum NRW-CDU-Chef. Diese Zähigkeit ließ ihn schließlich NRW-Ministerpräsident werden: Die SPD-Amtsinhaberin Hannelore Kraft lag noch ein halbes Jahr vor der Wahl meilenweit vor dem stets unterschätzten Laschet, der am Ende siegte.

Schwächen: Anders als Söder legte Laschet in der Corona-Krise eine ganze Reihe von peinlichen Auftritten hin - angefangen bei der Maske, die er falsch unter seiner Nase trug, bis hin zum verkorksten Auftritt in der Talkshow von Lanz. Zudem duckt er sich gerne weg, wenn es politisch brenzlig wird, etwa bei der Debatte über die Rodung des Hambacher Forsts.

Leidenschaften: Laschet raucht gerne Zigarillos und ist Tatort-Fan: „Meine Lieblingskommissare sind die Kölner und die Münchner.“ Am Neujahrstag 2020 spielte Laschet in einer Folge mit - in der Rolle des Ministerpräsidenten.

Familie: Laschet lernte seine spätere Ehefrau Susanne schon in der Grundschule kennen. Mit der Buchhändlerin hat er drei erwachsene Kinder: Johannes, Eva und Julius. Johannes ist Mode-Blogger und sorgte für Aufregung, weil er einem Werbepartner einen Zugang zu Landesaufträgen für Corona-Schutz­ausrüstung vermittelt hatte.

Kanzlertaulichkeit: Anders als Söder geht dem stets verbindlichen Laschet das Maß an Härte ab, die im Kanzleramt wohl nötig ist. Dafür hat er - ebenfalls im Gegensatz zum polarisierenden Söder - die Gabe, zu vermitteln, unterschiedliche Meinungen zusammenzuführen. In NRW hat er so gezeigt, dass er eine Landesregierung mit Ein-Stimmen-Mehrheit zusammen mit der FDP geräuschlos führen kann. So wie er bereits in der NRW-CDU die innerparteilichen Flügel eingebunden hat, ging er nach der Wahl zum CDU-Chef auf das enttäuschte Lager um Friedrich Merz zu, der ihn jetzt im Machtkampf gegen Söder stützt. Zudem hat Laschet einen klaren moralischen Kompass, stand als einer der wenigen Unions-Politiker klar hinter Angela Merkels Flüchtlingspolitik - aus Überzeugung, schließlich war er 2005 bis 2010 bundesweit erster Integrationsminister.

Markus Söder (CSU):

Karriere: Der 54-jährige Nürnberger war schon als Jugendlicher extrem ehrgeizig, ein Musterschüler. Einer seiner Lehrer berichtete der Zeit aber auch, dass Söder auch einen „Mangel von Empathie“ gehabt und „sich immer in Konkurrenz zur Gruppe“ gesehen habe. Seine Einsen habe er am meisten genossen, wenn die anderen nur Dreien hatten. Söder studierte Jura, absolvierte ein Volontariat beim „BR“, wo er die Medienerfahrung gewann, die heute einer seiner großen Stärken ist. Schon mit 27 Jahren zog er in den Bayerischen Landtag ein, neun Jahre später wurde er CSU-Generalsekretär, wo er mit Aktionen wie „Rettet das Mainzelmännchen“ ebenso umstritten wie bekannt wurde. Mit 40 belohnte die CSU sein Talent mit einem Ministeramt in Bayern - er wurde Ressortchef für Bundes- und Europaangelegenheiten. Es folgen das Umwelt- und das Finanzressort. Nach dem brutalen Machtkampf mit Horst Seehofer wurde er schließlich 2018 Ministerpräsident und im Januar 2019 CSU-Chef.

Stärken: Selbst seine Gegner bescheinigen Söder Fleiß, Hartnäckigkeit und ein großes Kommunikationstalent. Dass er in der Corona-Krise zum beliebtesten Unions-Politiker wurde, hängt sicher damit zusammen, dass er klarer und pointierter die Pandemie-Gefahren und die Maßnahmen auf den Punkt bringen kann als die meisten anderen Politiker.

Schwächen: Der „Hang zu Schmutzeleien“, den ihm einst Parteifreund Horst Seehofer bescheinigte, wird jetzt auch wieder im Machtkampf gegen Laschet deutlich. Sein Ehrgeiz führt ihn zu Rücksichtslosigkeit - auch im Umgang mit Untergebenen oder anderen Politikern, die er immer spüren lässt, dass er sich überlegen fühlt. Zudem meidet er - für einen CSU-Politiker untypisch - den direkten Kontakt mit den Bürgern, setzt sich etwa nach einer Bierzeltrede nur im äußersten Notfall zu seinen Anhängern an den Tisch.

Leidenschaften: Schon zum Frühstück trinkt er Cola light, Alkohol trinkt er so gut wie nie - was zu Franz-Josef-Strauß-Zeiten in der CSU noch ein echter Nachteil gewesen wäre. Söder liebt Tennis und Fußball (er ist Mitglied des 1. FC Nürnberg) sowie die Star-Wars-Filme und die Serie Game of Thrones.

Familie: Söder ist seit 1999 mit Karin Baumüller-Söder, der Tochter eines Nürnberger Maschinenbau-Unternehmers, verheiratet. Das Ehepaar hat eine Tochter (21) und zwei Söhne (17 und 14). Zudem hat Söder noch eine 1998 geborene uneheliche Tochter. Die Familie hält der sonst so medienbewusste Söder weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus, dafür präsentiert er gerne seine Hunde Molly und Bella in den sozialen Medien.

Kanzlertauglichkeit: In der Corona-Krise konnte Söder bundesweit punkten, da hier sein Talent zu klaren Ansagen und medienwirksamen Auftritten voll zur Geltung kam.

Mit seiner ständigen Betonung der „bayerischen Überlegenheit“ wird er es jedoch schwer haben, im Wahlkampf als Kandidat alle Deutschen zu überzeugen. Klar ist aber auch, dass Söder eher in der Lage wäre als Laschet, das konservative Profil der Union zu stärken und so der AfD* Stimmen wegzunehmen. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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