„Die Würfel sind gefallen“

Söders nächste Spitze gegen Laschet? Wie aus dem CDU-Kanzlerkandidaten „Würfel-Armin“ wurde

  • Andreas Schmid
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Der Machtkampf um die K-Frage ist entschieden. Ob damit alle Fronten geklärt sind, bleibt abzuwarten. Nun wartet Markus Söder mit einer mutmaßlichen Referenz zu Armin Laschets Hochschulzeit auf.

Aachen - „Die Würfel sind gefallen: Armin Laschet wird Kanzlerkandidat der Union.“ Mit diesen Worten begann CSU-Chef Markus Söder am Dienstag (20. April) sein Twitter-Statement zur entschiedenen Kanzlerfrage in der Union. Der CDU-Bundesvorstand hatte sich in Armin Laschet letztlich für seinen Parteichef ausgesprochen. Für den Herausforderer der bayerischen Schwesterpartei offenbar völlig in Ordnung, wie dem nächsten Satz des Beitrags zu entnehmen ist. „Wir werden ihn mit voller Kraft und Geschlossenheit unterstützen. Jetzt zählt der gemeinsame Erfolg.“

Kanzlerfrage der Union geklärt: CDU und CSU auf der Suche nach Geschlossenheit

Die Worte, die Söder sowohl auf Social Media als auch bei seiner Pressekonferenz wählte, sollen Geschlossenheit propagieren. Damit ist der bayerische Ministerpräsident nicht allein. Viele CDU-Abgeordnete, die sich offen für Söder als Kanzlerkandidat ausgesprochen hatten, beteuern nun, mit demselben Elan und Tatendrang auch hinter Laschet zu stehen. Gleichzeitig wird Söder als „Kandidat der Herzen“ (CSU-Generalsekretär Markus Blume) gerühmt.

Schlussendlich geht es beiden - CDU und CSU - dennoch darum, den unionsinternen Machtkampf herunterzuspielen. Damit er sich nicht negativ auf die Bundestagswahl auswirkt. Ob dies gelingt, werden die kommenden Wochen und Monate zeigen. Auf Sticheleien oder „Schmutzeleien“ wie Laschet die Giftpfeile aus Bayern zuletzt in Anlehnung an den Zwist zwischen Söder und Horst Seehofer genannt hatte, sollte daher verzichtet werden. Beim genaueren Blick auf das Zitat Markus Söders kommen dahingehend allerdings Fragen auf.

Armin Laschet: „Notenwürfeln“ an Hochschule Aachen - CDU-Chef verliert Klausuren „auf dem Postweg“

„Die Würfel sind gefallen“, schreibt der Franke. Was meint Söder damit? Bezieht er sich lediglich auf den lateinischen Ausruf „alea iacta est“, der ein Ereignis beschreibt, das nicht mehr beeinflusst werden kann? Möglich, Söder ist ein kluger Kopf, schrieb sein Abitur mit 1,3. Oder aber steckt mehr dahinter? Weil die Begriffe „Würfel“ und „Armin Laschet“ in der Vergangenheit schon miteinander in Berührung kamen, ist auch diese Referenz denkbar. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident wurde einst mit dem Vorwurf des „Notenwürfelns“ konfrontiert.

Laschet arbeitete von 1999 bis 2015 an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (kurz RWTH Aachen) und hatte dort einen Lehrauftrag im Fach Politwissenschaft. Gleichzeitig war er damals CDU-Landeschef von Nordrhein-Westfalen und wurde als solcher geschätzt. Im Sommer 2014 leitete der studierte Jurist das Blockseminar „Europa in der Berliner Politik“ an dessen Ende für die Studierenden eine Klausur anstand. Laschets Problem: Die Prüfungsdokumente waren „auf dem Postweg abhandengekommen“, wie er damals mitteilte.

Armin Laschet war 2015 in eine Noten-Affäre verwickelt.

Armin Laschet: Noten-Affäre in Aachen - „es wurden Leute benotet, die die Klausur nicht mitgeschrieben haben“

Laschets Fauxpas geriet auch deshalb an die Öffentlichkeit, weil er offenbar wahllos benotete, wie der Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta), Raphael Kiesel, gegenüber der taz erklärte: „Die Benotung seines Berlin-Seminars hat unglaublich lange gedauert. Nachdem Laschet sogar eine Fristverlängerung zugesagt bekommen hat, stellte sich heraus, dass die Klausuren wohl verloren gegangen sind. Er hat dann auf der Grundlage von Notizen, wie er sagte, die Noten rekonstruiert. Dabei wurden aber Seminarteilnehmer benotet, die die Klausur nicht mitgeschrieben haben. Und nicht nur das: Deren Noten waren sogar teilweise besser als von den echten Mitschreibern.“

Laschet verteidigte seine „Rekonstruktion“ der Noten damals und erklärte, in Absprache mit der Hochschule gehandelt zu haben. Die SPD in Nordrhein-Westfalen sah das in Person des damaligen Fraktionschefs Norbert Römer gänzlich anders: „Wenn ein Lehrer sich so verhalten würde, würde disziplinarrechtlich gegen ihn vorgegangen werden müssen. Wenn jemand wie er hier antreten will, um Ministerpräsident zu werden, dann muss er dafür sorgen, dass kein Zweifel an seiner persönlichen Zuverlässigkeit, an seiner Seriosität bleiben.“ Laschet beerbte Hannelore Kraft (SPD) 2017 als Regierungschef von Nordrhein-Westfalen.

Armin Laschet: „Würfel-Armin“ und „Notenwürfeln“ - CDU-Chef beendete Hochschultätigkeit

Letztlich entschuldigte sich Laschet und zeigte „vollstes Verständnis für die bei einzelnen Studierenden aufgetretene Verärgerung.“ Der gebürtige Aachener gab seine Lehrtätigkeit an der Hochschule auf, haften blieb aufgrund der kuriosen Notenvergabe der Spitzname „Würfel-Armin“. Auch von „Notenwürfeln“ war die Rede. Ob Markus Söder darauf Bezug nehmen wollte, bleibt unklar.

Es wäre freilich nicht die einzige kleine Spitze nach Laschets Kanzlerkandidatenkür. Söder bedankte sich explizit bei „den Jungen, den Modernen, bei denen, die auf Zukunft aus waren“ sowie bei „mutigen Abgeordneten, die entgegen normaler Parteisolidarität offen gesagt haben, was sie schätzen.“ Ein - wenn auch etwas versteckter - Giftpfeil in Richtung Laschet, der laut Söder ohnehin für eine „andere Generation“ stehe. Laschet ist sechs Jahre älter. (as)

Rubriklistenbild: © Frank Hoermann/SVEN SIMON/imago-images (Montage)

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