Markus SOEDER (Ministerpraesident Bayern und CSU Vorsitzender)
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CSU-Chef Markus Söder - das Verhältnis zu Kanzlerkandidat Armin Laschet bleibt weiter Thema.

Sogar Bremsung bei Wahlkampf-Muss?

Söder und Laschet im öffentlichen Gefecht - CSU-Chef sagt offenbar Schalte kurzfristig ab

  • Florian Naumann
    vonFlorian Naumann
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Markus Söder hat am Wochenende eine Breitseite Richtung Armin Laschet abgefeuert. Der kontert subtil. Doch der Streit scheint mittlerweile praktische Konsequenzen zu haben.

Update vom 16. April, 11.00 Uhr: Die Lage im Nachgang des Kanzler-Streits zwischen Markus Söder (CSU) und Armin Laschet (CDU) bleibt komplex - nach Informationen der Bild hat Söder am Montagvormittag eine eigentlich geplante Schalte mit Laschet (siehe Erstmeldung) kurzfristig abgesagt. Auch Kanzlerin Angela Merkel, Kanzleramtschef Helge Braun (beide CDU) und die Generalsekretäre beider Parteien hätten laut Welt am Sonntag zugeschaltet sein sollen.

Über die Hintergründe der Entscheidung ist nichts bekannt. Klar ist hingegen, wo sich Söder am Montagmorgen befand: Im Zug. Auf Twitter teilte der CSU-Chef ein Foto aus einem 1.-Klasse-Waggon eines ICE. Söder befand sich nach eigenen Angaben „auf dem Weg nach Berlin zum Impfgipfel“: „Wir brauchen mehr Freiheiten für Geimpfte und die rasche Aufhebung der Impf-Priorisierung.“

Ein internes Telefonat im Großraumwagen wäre wohl kaum ratsam gewesen. Warum Söder allerdings trotz des offenbar bereits angesetzten Termin das Verkehrsmittel Zug wählte, blieb zunächst unklar.

Söder und Laschet im öffentlichen Stichel-Gefecht - nun sogar Bremsung bei Wahlkampf-Muss?

Söder oder Laschet - oder Söder UND Laschet? Das Thema beschäftigt die Union weiter.

Erstmeldung: München/Berlin - Der Kanzler-Kampf in der Union ist vorbei - aber das heißt nicht, dass der Streit zwischen CDU und CSU im Jahr der Bundestagswahl beigelegt ist: Am Wochenende hat Markus Söder in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) ein wahres Sperrfeuer an Sticheleien Richtung seines Ex-Rivalen Armin Laschet abgefeuert. Die Rede von einer „Politik Helmut Kohl 2.0“ war dabei nur die Spitze des Eisbergs. Söder ließ erneut durchblicken: Er hält sich weiterhin für den besseren Kandidaten.

Am Montag ist nun nach Informationen der Welt am Sonntag eine Telefonschalte zwischen München und Düsseldorf, Söder und Laschet, geplant. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Generalsekretäre Paul Ziemiak (CDU) und Markus Blume (CSU) sollen dabei sein.

An sich ist das keine große Nachricht, der Montags-Call ist seit Jahren Usus. Doch in der vergangenen Woche hatte man dem Bericht zufolge pausiert. Und nun könnte es Zündstoff geben. Denn auch der frischgebackene Kanzlerkandidat Laschet hat am Sonntag mit einem Interview nachgelegt. Und wer wollte, konnte hinter staatsmännischen und beschwichtigenden Worten weitere Sticheleien erkennen. Angeblich gibt es zudem Hakeleien um das - ohnehin arg spät in Arbeit befindliche - Unions-Wahlprogramm.

Laschet und Söder: Interview-Gefecht am Wochenende? CDU-Chef stichelt Richtung CSU

Laschet gab sich in seinem Gespräch mit der SZ wesentlich konzilianter als Söder. Doch gerade in der Betonung des „Fairplay“ könnten Seitenhiebe auf Söder und die CSU versteckt liegen. Die Frage, was er besser könne als Markus Söder etwa ließ der CDU-Chef unbeantwortet. „Solche Selbstbeschreibungen dienen nur der Nabelschau und schaden im Zweifel der Union“, sagte Laschet. Und weiter: „Ich habe es immer so gehalten und tue es jetzt auch: Ich kämpfe für meine Ideen, meine Ziele - und rede nicht über andere.“

Auch Söders Rüge, ihn überzeuge die Begründung für Laschets Kandidatur nicht, ließ dieser auf eher vielsagende Weise ins Leere laufen. „Unser Verhältnis ist so, dass Markus mögliche offene Fragen an mich selbst stellen kann. Da braucht es kein Interview von mir“ - impliziert scheint nicht zuletzt: Auch Söders öffentliche Schelte sei unnötig.

Und die wiederholte Vorhaltung aus München, nicht Laschet sondern Söder stehe für Modernität, konterte der CDU-Chef gar offen: „In den letzten Jahren hatte ich eher den Eindruck, dass mancher in der CSU mich für meine Ideen zur Modernisierung unserer Gesellschaft und unseres Landes kritisiert.“ Als notwendige Fertigkeiten eines Bundeskanzlers nannte Laschet der SZ wiederum „klare Überzeugungen“. Söder hatte selbst ein Abrutschen auf die „dunkle Seite“ vor der bayerischen Landtagswahl 2018 eingeräumt.

Union im Dauerstreit? Wahlprogramm für Bundestagswahl könnte nun zum Streitfall werden

Einen Termin für die - von der Söder schon länger geforderte - Vorstellung eines Zukunftsteam wollte Laschet auch am Wochenende nicht nennen. Durchblicken ließ der CDU-Chef aber leise Kritik am Kabinett von Angela Merkel. „Ich habe immer gesagt, dass ich keine One-Man-Show will und dass wir ein Team brauchen, in dem die unterschiedlichen Strömungen sichtbar sind“, betonte er. „Die Breite der Strömungen fehlt mir derzeit in der Aufstellung der aktuellen Bundesregierung. Das muss im nächsten Kabinett anders sein.“

Aber auch abseits dieser Positionierungskämpfe blühen Laschet im beginnenden Wahlkampf ganz konkrete Probleme. Da wäre zum einen das - anders als bei Grünen oder FDP - immer noch ausstehende Wahlprogramm. Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock spottete am Wochenende bei einer Veranstaltung der taz bereits über die Absenz eines klaren Wahl-Plans der Union.

Eigentlich sind die Generalsekretäre Blume und Ziemiak seit geraumer Zeit mit der gemeinsamen Ausarbeitung des Programms beauftragt. Doch laut Welt am Sonntag hakt es nun bei den Bemühungen. Laschet und Ziemiak sollten in die Vorlage gehen sei aus der CSU zu hören. Man könne dann das Fehlende ergänzen. Möglicherweise die nächste Retourkutsche. In jedem Fall aber kein gutes Zeichen für das Voranschreiten der Arbeit.

Laschet vor Wahlkampf-Problemen: Maaßen will kandidieren - und Merz im Osten einspringen

Und dann ist da noch der Streit um Hans-Georg Maaßen, der in Sachsen CDU-Direktkandidat werden will. Söder und Laschet sind sich in ihrer Ablehnung einig. Doch vermutlich auch angesichts des Ringens mit der AfD in den ostdeutschen Bundesländern bleibt Laschet vorsichtig. Über derartige Direktkandidaturen „entscheiden in einem demokratischen Verfahren die Kreisverbände“, stellte er in der SZ klar.

Spannend wird es im Osten ohnehin. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte neue Dynamiken entstehen lassen. Und offensichtlich will Friedrich Merz in den zuletzt stark nach rechts tendierenden Ost-Ländern statt Laschet in die Bresche springen. Möglich ist aber auch, dass Merz nach der Wahl im Herbst als „starker Mann der Union“ übrig bleibt, wie der Münchner Merkur kommentierte. (fn)

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