Warnung vor dem „Hinterzimmer“

Kanzler-Streit spitzt sich zu: CDU-Leute wollen nun sogar neues Vorgehen - Söder-Coup wie einst bei Strauß?

  • Florian Naumann
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Das Zeitfenster für die Klärung der K-Frage ist jetzt offen. Doch in der CDU gärt es. Ein neuer Vorstoß könnte Markus Söder Chancen eröffnen - wie einst Franz-Josef Strauß.

  • Zwischen Ostern und Pfingsten wollen CDU und CSU die Kanzlerfrage klären.
  • Markus Söder führt weiter in den Umfragen, doch auch Konkurrent Armin Laschet geht in die Offensive.
  • Eine Entscheidung ist offenbar noch nicht in Sicht - aus der CDU gibt es einen neuen Vorstoß.
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Berlin/München - Ostern ist vorbei - gemäß mehrfach von höchster Stelle bekräftigter Planungen ist jetzt das Zeitfenster für die Kür des Unions-Kanzlerkandidaten geöffnet. Der Kampf ums Kanzleramt scheint begonnen zu haben. Doch vorerst ist keine Entscheidung in der Frage „Laschet oder Söder?“ in Sicht.

Im Gegenteil: In der CDU kommen sogar genau jetzt neue Vorschläge zum Ablauf des Verfahrens auf - einige Abgeordnete der Christdemokraten wollen die K-Frage öffentlicher klären: Durch die Bundestagsfraktion Gerade für CDU-Chef Armin Laschet ist das durchaus brisant. Die traditionelle Machtarithmetik unter den Schwesterparteien spricht für ihn. Die Umfragen nicht. Und auch an der Basis rumort es. Bislang haben sich zwar vor allem unbekanntere Mandatsträger für eine Entscheidung durch die Fraktion ausgesprochen. Doch die der verbale Druck wird erhöht: Es ist schon von einem drohenden „Auskungeln“ die Rede.

Kanzlerfrage: Neue Chance für Söder? CDU-Abgeordnete machen Druck - und warnen vor „Auskungeln im Hinterzimmer“

Eine so wichtige Entscheidung müsse eigentlich über ein Votum der Mitglieder erfolgen, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael von Abercron dem Spiegel. „Weil dies für beide Parteien so kurzfristig wahrscheinlich nicht mehr möglich und auch satzungsrechtlich zumindest unklar ist, wäre eine Abstimmung über das Meinungsbild der gesamten CDU/CDU-Fraktion sicher transparenter und weniger willkürlich.“

Auch der Abgeordnete Stefan Sauer (CDU) spricht sich für eine Abstimmung aus: „Die Politik wird in den 299 Wahlkreisen sehr unterschiedlich erlebt. Die Fraktion ist daher ein guter Resonanzboden, wenn es darum geht, die Stimmung im Land zu beschreiben und personelle Entscheidungen zu treffen“, sagte Sauer dem Magazin.

Die klar konservativ ausgerichtete CDU-Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel sagte dem Nachrichtenmagazin, zu einer modernen Partei passe kein „Auskungeln des Kandidaten im Hinterzimmer“. Wenn eine Mitgliederbefragung nicht möglich sei, „dann sollte wenigstens die Fraktion ein Mitspracherecht haben“.

Söder oder Laschet: CDU-Leute richten Forderung an Brinkhaus - Franz-Josef Strauß nochmal Vorbild?

Auch die Abgeordneten Andreas Mattfeldt und Johannes Selle (beide CDU) befürworten eine Befragung der Bundestagsfraktion. Der CDU-Abgeordnete Klaus-Peter Willsch forderte den Fraktionschef Ralph Brinkhaus auf, „eine entscheidende Rolle der Bundestagsfraktion bei der Spitzenkandidatenauswahl einzufordern“. Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß und die Abgeordnete Astrit Mannes lehnten hingen zunächst eine Abstimmung in der Fraktion ab. Brinkhaus war zuletzt selbst als möglicher Kandidat ins Spiel gebracht worden.

Und die CSU? Söders Partei klingt nicht abgeneigt: Landesgruppenchef Alexander Dobrindt forderte ebenfalls eine Berücksichtigung der Fraktion bei der Klärung der K-Frage. „Der Kanzlerkandidat kann nicht im Hinterzimmer oder am Frühstückstisch ausgemacht werden“, sagte Dobrindt der Bild. „Da haben die Bundestagsabgeordneten in unserer gemeinsamen Fraktion ein erhebliches Mitspracherecht.“ Immer mehr CDU-Politiker beziehen währenddessen klar Stellung zu ihrem Favoriten.

Vorbild für den Vorschlag einer Abstimmung in der Fraktion ist laut dem Bericht des Spiegel die Kanzlerkandidatenkür von Franz Josef Strauß 1979. Der CSU-Mann setzte sich demnach damals gegen den von Helmut Kohl unterstützten niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht mit 135 zu 102 Stimmen durch.

Die Bundestagswahl verlor die Union mit Strauß dann allerdings gegen Helmut Schmidts SPD - eine Niederlage, die bis heute nachwirkt. Gerade in den Debatten, ob mit Söder nun noch einmal ein CSU-Politiker ins Rennen geschickt werden sollte. Der CSU-Chef selbst hat bislang keine entsprechende Forderung gestellt. Er will vorerst vor allem Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in die Entscheidung einbinden. (fn/AFP)

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