Friedrich Merz in einer Bildmontage mit Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.
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Friedrich Merz hat den CDU-Richtungsstreit gewonnen - doch der Sieg ist teuer erkauft, kommentiert Georg Anastasiadis.

Ein Kommentar

Söders grobes Foul gegen Laschet und Merz geht zu weit

  • Georg Anastasiadis
    vonGeorg Anastasiadis
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Kanzlerin Angela Merkel rührt keinen Finger für ihren Gefolgsmann Armin Laschet. Mit seinem Angriff auf den Laschet-Verbündeten Merz geht CSU-Chef Markus Söder nun aber zu weit. Ein Kommentar.

Eine grüne Kanzlerin für Deutschland? Für immer mehr Wähler ist das kein Schreckgespenst mehr. Was vielen bisher unvorstellbar schien, ist hingegen die Todessehnsucht, die sich jeden Tag mehr der Union bemächtigt. Das nächste Wochenende, das nächste Interview, in denen einer der Unionschefs zu Protokoll gibt, was er vom anderen hält. Nämlich nichts. Was Söder über Laschet zu sagen hat, entspricht in gesetzteren Worten dem (falschen) Urteil, das Strauß einst über Kohl fällte: „total unfähig“.

Söders Signal ist klar - Laschet bleibt nur ein einziger Trumpf

Das Signal ist klar: Auf Hilfe aus München darf der CDU-Chef nicht zählen. Was die Union jetzt aber am wenigsten braucht, sind schlechte Verlierer. Oder Stürmer, die aufs eigene Tor zielen, wenn man eh schon 0:1 hinten liegt. Auch die Kanzlerin macht ja keinerlei Anstalten, ihr Gewicht für Armin Laschet, ihren lange treuesten Gefolgsmann, in die Waagschale zu werfen. Sie inszeniert sich am Ende ihrer Regentschaft als über den Parteien schwebend. Das ist kein gutes Drehbuch zur Verteidigung der Macht in Berlin. Laschet bleibt nur ein einziger Trumpf. Und das ist ausgerechnet Friedrich Merz, der alte Rivale, den er im Kampf um den Parteivorsitz nur unter Aufbietung aller Kräfte (und mit Söders Hilfe) niederringen konnte.

Je mehr Merkel Laschet hängen lässt, desto dringender ist Laschet auf Merz angewiesen

Lange zögerte der CDU-Chef, auf Merz’ Angebot einzugehen, ihn zum Schatten-Superminister zu machen. Zu groß war die Sorge, ein Merz sei zu dominant, vergraule die Merkel-Wähler. Doch je mehr Merkel und Söder Laschet hängen lassen, desto dringender ist er auf den Sauerländer angewiesen, um wenigstens die konservativen Wähler für die Union zu mobilisieren. Doch auch diesen Helfer macht Söder bereits madig. Er hoffe, dass Laschets Team „nicht nur aus Merz und Maaßen“ bestehe, ätzt er. Die beiden in einen Atemzug zu nennen, ist schon ein besonders grobes Foul aus München. Denn damit macht sich der CSU-Chef zum Kronzeugen der Grünen. Will Söder, wenn er schon nicht selbst Kanzler wird, lieber Baerbock als Laschet? Und merkt er nicht, wie er, der der schwarze Riese der Union sein könnte, sich in seinem Groll selbst klein macht?

Video: Söder teilt gegen Laschet aus

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