CDU-Chef hat mehr zu verlieren

Söder oder Laschet? Es gibt nur drei Wege aus der K-Falle der Union

  • Sebastian Horsch
    vonSebastian Horsch
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Nur einer kann es werden: Armin Laschet und Markus Söder bewerben sich um die Kanzlerkandidatur für die Union. Die Situation scheint verfahren. Nun bleiben drei Szenarien.

München - Es ist ein Machtkampf auf Biegen und Brechen. CDU-Chef Armin Laschet* und CSU-Chef Markus Söder ringen in diesen Tagen darum, wer von beiden für die Union als Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl im Herbst ziehen soll. Der eine - Laschet - weiß die CDU-Granden auf seiner Seite, der andere - Söder - hat die klar besseren Umfragewerte. Nachgeben will bisher keiner. Und so droht der Union eine Zerreißprobe, aus der es kaum noch ein Entrinnen gibt. Wir erklären, welche Wege aus der K-Falle führen könnten.

Kanzlerkandidat der Union: Für Laschet steht die politische Zukunft auf dem Spiel

Szenario 1 - Laschet zieht zurück: Für Armin Laschet steht seine gesamte politische Karriere auf dem Spiel. Überlässt er Söder das Feld, geht er gedemütigt und geschwächt heraus. Als CDU*-Parteichef, der sich nicht gegen die kleine Schwester CSU* durchsetzen konnte, wäre er schon wenige Monate nach seiner Wahl nicht mehr länger zu halten.

Auch sein Amt als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen wäre in Gefahr. Im kommenden Frühjahr wird dort der Landtag neu gewählt. Und Laschet wäre nach einer Niederlage im Kampf um die Kanzlerkandidatur auch in seinem Land ein denkbar schwacher Kandidat.

Söder in der Gesamtbevölkerung mit besseren Werten als Laschet bei Unions-Wählern

Dass Laschet aus freien Stücken die Kandidatur Söder überlässt, gilt schon deshalb als unwahrscheinlich. Zwar ist er nach vielen kritischen Wortmeldungen, die es am Dienstag in der gemeinsamen Bundestagsfraktion über ihn gab, schwer angeschlagen. Dazu kommen seine schlechten Umfragwerte. Laschet trauen laut ZDF-Politbarometer nur 29 Prozent der Befragten die Kanzlerschaft zu. Selbst bei den Unionsanhängern sind es nur 43 Prozent.

Söder hingegen halten 63 Prozent aller Befragten für kanzlertauglich* - und 84 Prozent der CDU/CSU-Anhänger. Dazwischen liegen Welten. Doch Laschet ist für seine Steher-Qualitäten bekannt. Damit der Aachener einknickt, müsste ihm wohl schon die Parteiführung den Rückhalt entziehen. Danach sieht es aber bislang nicht aus.

Kanzlerkandidat der Union: Söder muss nicht um seine Ämter bangen

Szenario 2 - Söder zieht zurück: Erst am vergangenen Sonntag hat CSU-Chef Markus Söder offiziell erklärt, dass er antreten will - auch wenn das als offenes Geheimnis galt. Zöge er nun zugunsten Laschets zurück, wäre das für Söder eine klare Niederlage. So viel wie für Laschet steht für ihn zwar nicht auf dem Spiel. Sein Posten als CSU-Chef und auch das Amt als Ministerpräsident wären für ihn nicht in Gefahr. Doch um trotz eines Verzichts noch gestärkt herauszukommen, ist Söder zu weit gegangen.

Indem er nach dem Votum des CDU-Präsidiums für Laschet am Montag nicht klein beigab, hat Söder zugelassen, dass der CDU-Chef in einer gemeinsamen Fraktionssitzung der Union von kritischen Abgeordneten öffentlichkeitswirksam sturmreif geschossen wurde. Ein schwaches Wahlergebnis im Herbst mit einem Kandidaten Laschet würde somit auch Söder angelastet. Dazu kommt, dass zurückziehen grundsätzlich so gar nicht Söders Ding ist. Wenn sich der CSU-Chef in Schlachten begibt, will er als Sieger vom Feld gehen.

Auch mit Zugeständnissen wie Ministerämtern für die CSU dürfte er angesichts des unsicheren Wahlergebnisses kaum zu kaufen sein. Was wären solche Versprechen wert, wenn ein großer Teil der Ministerien an die Grünen ginge? Fazit: Söder hat nicht so viel zu verlieren wie Laschet, aus seiner Sicht aber wohl trotzdem zu viel.

Haben beide dasselbe Ziel: Markus Söder (l.) und Armin Laschet wollen die Union in den Wahlkampf führen.

Bei bislang einziger Kampfabstimmung in der Fraktion setzte sich der CSU-Kandidat durch

Szenario 3 - Kampfabstimmung in der Fraktion: Schon einmal hat es das gegeben: 1979 setzte sich Franz Josef Strauß (CSU) in einer Abstimmung in der gemeinsamen Bundestagsfraktion gegen Ernst Albrecht (CDU) als Kandidat durch - und wurde am Ende nicht Kanzler. Dass es wieder so kommen könnte, zeigt, wie verfahren die Situation ist. Denn es wäre fraglos die brutalste mögliche Methode, einen Kandidaten zu bestimmen. Möglich wäre eine solche Kampfabstimmung bei der Fraktionssitzung am kommenden Dienstag.

Im mehreren Abgeordnetenbüros werden bereits Unterschriften dafür gesammelt, hieß es am Freitag aus Fraktionskreisen. Demnach soll am Dienstag abgestimmt werden, wenn vorher kein Ende des Streits gelingt. Für die Union hieße das, dass sie ihren Kanzlerkandidaten erst nach den Grünen bestimmt, die ihre Entscheidung am Montag verkünden wollen, und dabei voraussichtlich ein deutlich harmonischeres Bild abgeben werden.

Den Stimmungstest in der Fraktion letzten Dienstag soll Söder klar für sich entschieden haben - zwei Drittel der Redner sollen sich für ihn ausgesprochen haben, berichten Teilnehmer. Doch nicht alle Abgeordneten haben sich zu Wort gemeldet. Laschet traue sich zu, die Fraktion auf seine Seite zu ziehen, heißt es. (S. Horsch) *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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