Kommentar zur Union

Laschets Restrisiko, Söders letzte Chance: CSU-Chef setzt bei K-Frage auf neue Strategie - inklusive Exit-Plan

  • Georg Anastasiadis
    vonGeorg Anastasiadis
    schließen

Der Putsch von oben ist in der CDU ausgeblieben - jetzt setzt Söder auf den Aufstand der CDU-Basis gegen Laschet. Aber er hat längst auch seine Exit-Strategie. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

München - Nur zwei Wege führen für Markus Söder ins Kanzleramt. Beide erfordern einen Putsch der CDU gegen ihren Chef Armin Laschet. Die erste Gelegenheit zu einer Revolte von oben hat die Partei am Montag verstreichen lassen: Im Präsidium stellten sich die Granden erstaunlich einmütig hinter Laschet; nicht mal Norbert Röttgen wagte Widerspruch.

Dem Münchner Regenten bleibt jetzt noch die Hoffnung auf eine Rebellion von unten, von der CDU-Basis. Doch auch dafür verrinnt die Zeit: Spätestens nächsten Sonntag, bevor die Grünen ihren Kanzlerkandidaten (eher: die Kandidatin) präsentieren, schließt sich das Zeitfenster. Denn zumindest die Blamage, als allerletzte ihren Spitzenkandidaten zu benennen, will sich die Panik-Union ersparen.

Söder oder Laschet? Fraktion ist letzte Chance für den CSU-Chef

Bisher haben gut 60 CDU-Abgeordnete, die Berliner Hauptstadt-CDU und der Ortsverband Düsseldorf-Lierenfeld in Laschetland Lust zur Revolution erkennen lassen. Das ist - noch - zu wenig. Dass Söder am Montag kurz mit der Möglichkeit einer Mitgliederbefragung zündelte, das Feuer aber auch gleich wieder löschte, zeigt aber, dass er den Druck vor seinem Besuch in der Bundestagsfraktion am Dienstag mit aller Macht aufrecht zu erhalten versucht.

Ein Söder gibt nicht so schnell klein bei, mag auch die umworbene Braut nicht willig sein. Die Fraktion bleibt Laschets Restrisiko. Und Söders letzte Chance.

Söder oder Laschet? Clevere Exit-Strategie vom bayerischen Ministerpräsidenten

Gibt es dort keinen Stimmungsumschwung zugunsten des Bayern, gilt Söders Exit-Strategie: Er wolle, hat er am Sonntag versprochen, „kein Strauß“ sein, sprich die Konfrontation nicht auf die Spitze treiben und Laschet den Vortritt lassen, wenn die CDU ihn partout haben wolle.

Das war clever. Denn beide Alternativen - die kampflose Aufgabe und die mit der Brechstange erzwungene Kandidatur - würden das Ende von Söders politischer Sonderrolle bedeuten: Im ersten Fall hätte es geheißen, Söder sei ein Spieler, der wenn’s drauf ankommt kneife. Und im zweiten Fall? Da würde er zwar Kandidat - aber wegen der Verletzungen in der Union nicht Kanzler.

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare