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„Wolfratshausen 2“: Pikante These kursiert - folgt Söder nun Merkels Kanzler-Plan?

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Von: Patrick Mayer

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Rivalen innerhalb der Union: Armin Laschet (CDU, li.) und Markus Söder (CSU).
Rivalen innerhalb der Union: Armin Laschet (CDU, li.) und Markus Söder (CSU). © IMAGO / Sven Simon

Die Kanzlerkandidatur der Union für die Bundestagswahl 2021 bleibt brisant. Einer These zufolge akzeptiert Markus Söder nur, weil er eine Niederlage von Armin Laschet erwartet.

München - Rund 32 Kilometer südlich der Bayerischen Staatskanzlei in München schlängelt sich die Isar vor dem prächtigen Panorama der Voralpen. Hier, in Wolfratshausen, trafen sie einst aufeinander, im Jahr 2002, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Edmund Stoiber (CSU), damals Ministerpräsident des Freistaates.

Sie, Merkel, überließ ihm, Stoiber, bei einem Frühstück die Kanzlerkandidatur der Union. Angeblich, um die damals aufmüpfige CSU zu besänftigen. Bis heute erzählen sie sich zwischen den Schwesterparteien die Anekdote, jedoch in unterschiedlichen Varianten. Eine Version lautet, dass Merkel ihren bayerischen Widersacher damals in die Niederlage bei der Bundestagswahl 2002 laufen ließ. Angeblich ahnend, was da kommt.

K-Frage der Union (CDU/CSU): Läuft es bei Markus Söder und Armin Laschet wie bei Angela Merkel und Edmund Stoiber?

Und so macht laut n-tv.de dieser Tagen im politischen München wieder der Name des 18.000-Seelen-Städtchens die Runde, abgeändert in das Codewort „Wolfratshausen 2“. Die These im Gastbeitrag von Verleger Wolfram Weimer lautet, dass auch Söder seinen Rivalen in die angeblich unvermeidbare Niederlage laufen lassen will.

Weimer hatte den bayerischen Ministerpräsidenten just dieser Tage beim von seinem Verlag veranstalteten Ludwig-Erhard-Gipfel interviewt. Zuletzt waren die Umfragen indes denkbar schlecht für Armin Laschet und CDU/CSU. Laut repräsentativer Erhebungen von RTL/n-tv kommt die Union gerade mal auf 23 Prozent, und läge damit deutlich abgeschlagen hinter den Grünen (28 Prozent)

Bundestagswahl 2002
Spitzenkandidat der Union (CDU/CSU):Edmund Stoiber (CSU) statt Angela Merkel (CDU)
Spitzenkandidat der SPD und Bundeskanzler:Gerhard Schröder
Prozent der Stimmen - SPD:38,5 Prozent (bildete eine rot-grüne Koalition)
Prozent der Stimmen - CDU/CSU:38,5 Prozent (blieb in der Opposition)

Und Söder? Zog sich nach dem jüngst polarisierenden Machtkampf zwischen den beiden Schwesterparteien etwas zurück und konzentrierte sich zumindest vordergründig auf seine Hausmacht im Freistaat und die Herausforderungen der Coronavirus-Pandemie in Bayern.

„Die Bundeskanzlerin hat mir in der gesamten Zeit immer den Rat gegeben, der Klügere führt das nicht bis zum letzten“, sagte der 54-jährige Franke vieldeutig auf dem aktuellen Ludwig-Erhard-Gipfel in München, an dessen Rande Söder unter anderem Gespräche mit Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) führte.

Bayerns Markus Söder (CSU): Weiter Sticheleien in der K-Frage in Richtung Armin Laschet und CDU

In einem Pressestatement am Rande gab es gewohnte Sticheleien aus München in Richtung der Politik in der deutschen Bundeshauptstadt. „Wien ist nicht Berlin, Österreich ist oft flexibler, das bewundere ich. Ganz abgesehen davon, dass Sebastian eine großartige Arbeit macht“, sagte Söder, der bei der Bekanntgabe der Kanzlerkandidatur der Union dagegen Laschet nicht mal gratuliert hatte. Macht er es nun wie Merkel? Und sieht seine Chance in der K-Frage zu einem späteren Zeitpunkt gekommen, wie es in der Analyse von n-tv.de heißt?

Söder habe bewusst nicht alles auf eine Karte gesetzt, schreibt Autor Weimer und verweist auf Infos aus der CSU. Als Indiz führt er an, dass der Franke darauf verzichtet habe, sich über die Bundestagsfraktion küren zu lassen.

Sein Kalkül sei vielmehr, dass er automatisch der Kanzlerkandidat der Union für die Bundestagswahl 2025 werde, sollte Laschet die Wahl in diesem Herbst verlieren. Was Söder nicht nur für möglich hält, sondern zuletzt reihenweise nonchalant geradezu prophezeite. So warnte er seine Parteifreunde aus CDU und CSU am 12. April in einem Interview mit dem BR vor einem Verlust der Regierungsbeteiligung - „über Jahre, vielleicht über ein Jahrzehnt hinaus“. 

CDU und CSU: Kanzler Markus Söder erst vier Jahre später?

Kanzler Markus Söder per Umweg? So könnte es kommen - wenn der angebliche oder vermeintlich bajuwarische Plan mit dem spektakulären Codenamen „Wolfratshausen 2“ auch wirklich aufgeht.

Denn: Laut jüngster INSA-Umfrage (Stand 11. Mai) im Auftrag der Bild kam die Union unter Kanzlerkandidat Laschet auf 25,5 Prozent - und schob sich damit in der Wählergunst an den Grünen (23,5 %) vorbei. Was Edmund Stoiber wohl dazu sagen würde ... (pm)

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