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CDU-Leute reiben sich die Augen: Der neue Söder ist der alte Merz – es könnte ein Vorzeichen sein

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Von: Georg Anastasiadis

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Markus Söder und Friedrich Merz haben bei CDU-Parteitag einen Rollentausch vollzogen, kommentiert Georg Anastasiadis.
Markus Söder und Friedrich Merz haben bei CDU-Parteitag einen Rollentausch vollzogen, kommentiert Georg Anastasiadis. © Michael Kappeler/Imago/Schlaf/fn

Beim CDU-Parteitag gab sich Reservekanzler Merz staatsmännisch. Die heftigsten Attacken auf die Ampel fuhr Ex-Ober-Merkelianer Söder. Die Bayernwahl wirft Schatten voraus, kommentiert Georg Anastasiadis.

München – Es ist nur ein gutes halbes Jahr her, da übernahm Friedrich Merz die zerstörteste CDU aller Zeiten. Dass er die Ampel-Koalition am Wochenende beim CDU-Parteitag schon wieder als die „schwächste Bundesregierung aller Zeiten“ geißeln durfte, ohne gleich eine dicke Lippe zu riskieren, zeigt, wie sehr sich die Union unter seiner Führung gefangen und Gräben zugeschüttet hat.

Der konservative Merz hat sich nicht die Liebe der Merkel-Mitte der CDU erworben, wohl aber ihren Respekt. Das ist gut, denn eine starke Demokratie braucht eine starke Opposition.

Merz-CDU sucht ihr Profil: Markus Söder hat die Marktlücke erkannt – und besetzt

Auf dem Parteitag in Hannover krönte der Spätberufene sein Versöhnungswerk, indem er die im konservativen Flügel unpopuläre Frauenquote durchsetzte. Die neue Rolle als Reservekanzler zwingt den alten Wirtschaftsliberalen in die Mitte der Union.

Sein Kollege Markus Söder von der CSU hieße nicht Söder, hätte er nicht die sich ihm bietende Marktlücke erkannt – und besetzt. Söders grüne Phase ist vorbei, erkennbar an seinem mit giftigen Angriffen auf die Grünen und deren Gesellschaftsbild gespickten Parteitags-Gastspiel.

CDU-Leute reiben sich die Augen: Söder liefert Bierzelt-Auftritt und einen Fingerzeig auf die Bayern-Wahl

Es stimmt: Die Rede des CSU-Chefs glich eher einem Bierzelt-Auftritt. Von denen hatte er in Bayern zuletzt ja etliche absolviert. Er streichelte die konservative Seele der Union, wetterte gegen das Gendern, die Antidiskriminierungsbeauftragte und die linke Cancel Culture.

Manchen CDU-Delegierten war der neue Söder-Sound zu deftig, einige haben ihm seine Rolle bei der Demontage Laschets nicht verziehen, und manche rieben sich die Augen ob der erneuten Wandlung des selbst erklärten Ober-Merkelianers. Aber der CSU-Chef lieferte einige interessante Fingerzeige auf den bayerischen Landtagswahlkampf. Söder hat ihn am Wochenende eröffnet, und er verspricht hitzig zu werden.

Georg Anastasiadis

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