„Ich gehöre zur Gruppe der Transatlantiker“: Finanzminister Markus Söder (CSU) will das Verhältnis demonstrativ stärken.

Runde geplant

Söder: Müssen Verhältnis zu USA stärken

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München – Der bayerische Finanzminister plant demonstrativ eine Runde mit US-Diplomaten, Militär und Wirtschaft – eine deutliche Abgrenzung zu Horst Seehofer.

Vom Stammtisch berichtet der Duden etwas umständlich, er sei ein „regelmäßiges Zusammenkommen, Sichtreffen eines Kreises von Stammgästen“. Der Tisch sei dabei „meist größer“. Etwas anders dürfte es bei dem Stammtisch sein, den Markus Söder künftig einberufen will: Eine Runde, die sich zu selten trifft, sich voneinander etwas entfremdet hat und zuletzt sogar gemeinsame Tische mied.

Söder will einen „bayerisch-amerikanischen Heimatstammtisch“ schaffen. Weniger für ein paar Halbe am Abend, eher für eine Stärkung des transatlantischen Verhältnisses, das schon mal intensiver war als jetzt. Söder will Diplomaten, Wirtschaftsvertreter, US-Militärs und die Staatsregierung alle zwei, drei Monate in eine Runde holen. „Mir ist in diesen Zeiten das Signal wichtig, dass wir die Beziehungen stärken und ausbauen wollen“, sagte der CSU-Minister unserer Zeitung. Unter anderem den US-Botschafter aus Berlin will er für ein Treffen gewinnen.

Söders Abendplanung wäre von wenig öffentlichem Interesse – fiele das nicht genau in eine Phase, in der Ministerpräsident Horst Seehofer Ost-Lastigkeit vorgeworfen wird. Seehofers umstrittene Reise zu Russlands Präsidenten Putin hatte international für Aufsehen gesorgt und war selbst parteiintern umstritten. Eine vergleichbare USA-Reise gab es nie. Seehofer plant zudem weitere Reisen nach Osteuropa. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz in diesem Jahr waren einige hochrangige US-Vertreter einem Seehofer-Abendessen ferngeblieben – ob aus Termingründen oder aus Groll, war Thema vieler Spekulationen.

Söder macht mit seinem Stammtisch-Projekt nebenbei klar, dass er seine außenpolitischen Schwerpunkte anders legen würde. Es gehe um einen zentralen Handelspartner Bayerns, mit dem man nicht zuletzt durch die jahrzehntelange Präsenz der US-Streitkräfte in Bayern eine enge Verbindung habe, sagt er. „Ich habe immer sehr stark nach Westen geschaut. Ich gehöre zur Gruppe der Transatlantiker.“

Auf US-Seite gibt es daran Interesse. „Wir begrüßen jede Gelegenheit, die bereits engen und persönlichen Beziehungen zwischen Bayern und Amerikanern weiter zu vertiefen“, sagte ein Sprecher des Generalkonsulats.

Söder will bei seinen Runden auch einen möglichen Besuch in den USA sondieren. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis man wieder fährt.“ 

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