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„Hättest schon euphorischer sein können“: Österreichs Kanzler Kurz umschifft heikle K-Frage zu Söder

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Von: Anna-Katharina Ahnefeld

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Markus Söder und Österreichs Kanzler Sebastian Kurz präsentieren sich in München im herzlichen Miteinander. Trotz Spannungen während der Corona-Pandemie.

München - Das einstige bayerische-österreichische Traumpaar war an diesem Dienstag in München wieder vereint: Markus Söder und Sebastian Kurz, Kanzler der Alpenrepublik. Für die Verleihung des „Freiheitspreis der Medien“ war der 34-jährige Spitzenpolitiker in die bayerische Hauptstadt gereist. Dabei blieb Zeit für ein Treffen und eine gemeinsame Pressekonferenz mit Söder. Bereits am Vormittag, zum Auftakt des aktuell stattfindenden Ludwig-Erhard-Gipfels, hatte sich der Bayer zu Österreichs Kanzler geäußert. Und betonte, was für eine „exzellente“ Arbeit der in seinem Land mache.

Brisant sind diese warmen Worte mit dem Hintergrund des mittlerweile durchaus durchwachsenen Verhältnisses der beiden Männer. Als Söder 2018 in einer restriktiven Migrationspolitik mit Sebastian Kurz auf Kuschelkurs ging, musste er bei der Landtagswahl die Zeche dafür zahlen. Später nannte er dieses Wahljahr seine „politische Nahtoderfahrung“, ein Begriff, den er auch beim tagenden Gipfel bedeutender Meinungsmacher:innen in München wiederholte. Er habe damals angenommen, bei der Wählerschaft der rechtspopulistischen Partei AfD handele es sich „nur um einige enttäuschte, zurückgelassene, konservative Wähler“, die man - wie der Hirte seine Schafherde - zurück in die Gemeinschaft führen müsse. Eine Fehleinschätzung, gibt Söder heute zu. Der Beziehungsstatus zwischen Kurz und Söder fortan: Es ist kompliziert. Und auch die Corona-Pandemie mischte die Karten nochmal neu.

Markus Söder und Österreichs Kanzler Sebastian Kurz in München: Nicht immer „Honey Moon“ während Corona

Als Stehtische dienen an diesem Tag in München zwei abgesägte Baumstücke - einer 100 Jahre alten Tanne, die bereits abgestorben war, wie der Pressesprecher vorausschauend kommentiert. Im Hintergrund Wiesen, noch ein Baum, ein harmonisches Bild - sofort kommt die Assoziation Söders als Baum-Umarmer hoch, eines lebendigen, wohlbemerkt, der sich als Klimaschützer präsentiert. „Holzhacken statt Baumumarmen. Hier treffen sich gleich Markus Söder und Sebastian Kurz. Offiziell zu einem Pressestatement. Vielleicht aber auch zu einem Lumberjack Contest?“, kommentiert auf Twitter Anna Clauß, Journalistin und Autorin von „Söder - Die andere Biographie“.

Zwischen ihnen habe während vieler pandemiebedingter Telefonate nicht immer „Honey Moon“ geherrscht, sagt der bayerische Ministerpräsident zu Beginn gerade heraus. Betont jedoch im Anschluss: „Freut mich sehr, dass wir wieder zum Gedankenaustausch zusammen gekommen sind. Es ist ja eine bewährte Tradition, Österreich und Bayern sind enge Freunde und Partner.“ Und fügt nach: „Und wie es bei engen Freunden und Partnern ist, gibt es immer mal ein kleines Auf und Ab, aber es gibt ein enges Grundverständnis.“ Im Verlauf der Pandemie, von der sowohl Bayern als auch Österreich stark betroffen waren, kam es immer wieder zu Spannungen im Kampf gegen das Virus - besonders in der Frage des Ski-Tourismus und der Grenz-Schließungen. Der bekannte Ski-Ort Ischgl in Österreich erschien in Bayern zu Beginn der Pandemie als Menetekel. Doch Söder unterstrich bei der aktuellen Pressekonferenz deutlich das „gemeinsame Arbeiten“.

Auch während des zuvor auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel stattfindenden Interviews fand Söder für Sebastian Kurz herzliche Worte, als er zum Potential eines schwarz-grünen Regierungsmodells für die Bundesrepublik gefragt wurde. „Wien ist nicht Berlin, Österreich ist oft flexibler, das bewundere ich. Ganz abgesehen davon, dass Sebastian eine großartige Arbeit macht“. Deutschland stehe sich hingegen selbst oft im Weg. Weiter gab er an, dass sich beide Männer auch persönlich schätzen würden. „Ich finde seine Art und seinen Stil exzellent, er beweist, wie junge frische Politik Akzeptanz finden kann“, schwärmt der Bayer geradezu von seinem jüngeren Kollegen. Damit setze Söder gleich die Zeichen des am Mittag stattfindenden Treffens. Und auch während der gemeinsamen Pressekonferenz herrschte nach außen hin Einvernehmen und Wertschätzung.

Söder und Kurz: Gerne CSU-Chef als Kanzlerkandidat der Union? Österreichs Kanzler lässt Frage offen

Eine Frage musste natürlich fallen. Sebastian Kurz, so gab er an, hatte sie erwartet. Ob er sich Söder als Kanzlerkandidat der Union gewünscht hätte, möchte eine Journalistin wissen. Kurz streicht heraus, welche Bedeutung Deutschland als wirtschaftlich stärkstes Land für die Europäische Union habe - und es daher nicht nur eine innerdeutsche Frage sei, wer Deutschland anführe. Festnageln lässt er sich nicht und sagt diplomatisch: „Wer Kanzlerkandidat ist, ist eine Entscheidung, die in Deutschland getroffen wird und bei der wir uns in Österreich nicht einmischen.“

Söder gibt sich freundschaftlich-feixend: „Du hättest schon ein bisschen euphorischer sein können, aber ok.“ Beide lachen. In bayerischer Manier ergänzt der Ministerpräsident: „Basst scho“. Ein witzelnder Söder, ein diplomatischer Kurz und ein nach außen demonstrierter Schulterschluss Bayerns und Österreich. Auch, wenn die „Honey Moon“-Phase der beiden Politiker vorbei ist. (aka)

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