„Zahn zulegen“

Söder fürchtet die Opposition - jetzt nimmt er Kanzlerkandidat Laschet in die Pflicht

  • VonEmily Erhold
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Markus Söder setzt in einem neuen Interview Kanzlerkandidat Armin Laschet unter Druck. Um seinen Koalitionspartner Hubert Aiwanger macht er sich zudem Sorgen.

München/Hamburg - In einem Interview mit dem Spiegel teilte Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder ordentlich aus - und zwar sowohl Unions-intern als auch gegenüber seinem Koalitionspartner. Von Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet wünscht er sich, im Wahlkampf zur Bundestagswahl über mehr inhaltliche Themen zu sprechen. Bayerns Vize-Ministerpräsident und Chef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, wandelt laut Söder unterdessen auf „einem schmalen Grat“.

Nicht nur Corona, auch die Folgen der Hochwasserkatastrophe, nennt Söder als wichtige Themen im Wahlkampf. Gerade das Hochwasser sei ein Weckruf, die bisherige Klimapolitik „grundlegend zu überdenken und neu zu justieren“, so Söder. „Wir müssen einen Zahn zulegen“. Das sind ganz andere Töne als von seinem Unions-Kollegen Laschet. Dieser hatte nach den Starkregenfällen und Überflutungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gegenüber der WDR-Moderatorin Susanne Wieseler erklärt, wegen eines solchen Tages ändere man nicht die Politik.

Söder im Interview: Union könnte nach der Bundestagswahl in Opposition landen

„Heute muss die Union solide und sexy sein“, so Söder gegenüber dem Spiegel. Die Partei müsse handwerklich gute Politik machen, „in der Coronakrise und auch in der Flutkatastrophe“. Aber es brauche auch Inspiration. Laut Söder gäbe es die Gefahr, dass die Union nach der Bundestagswahl am 26. September in der Opposition lande. „Es ist längst nicht selbstverständlich, dass wir als Union die Regierung bilden und das Kanzleramt verteidigen können“, sagte Söder. „Im September besteht die Gefahr einer Ampel.“ Das Umfragehoch der Union der vergangenen Wochen sei vorwiegend durch Fehler der anderen Parteien entstanden. „Das reicht aber nicht aus“, sagte Söder. „Ein halbes Prozent hin oder her, hier ein paar Ausgleichsmandate, dort einige Überhangmandate - und plötzlich sind wir in der Opposition“, rechnete er vor.

Laschet müsse nun noch besser klarmachen, wofür die Union stehe. Der CDU-Politiker sei „ein sehr guter Kanzlerkandidat, der aber als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen derzeit vor allem mit der Bewältigung der Flutkatastrophe beschäftigt ist“, erklärte Söder. „Aber wir müssen bald auch wieder die Kraft finden, über wichtige nationale und internationale Herausforderungen zu sprechen.“

Der CSU-Chef erneuerte zudem seine Forderung nach einem rascheren Kohleausstieg, sieht aber auch einen früheren Komplettumstieg auf Nichtverbrennungsmotoren als nötig an. „Und auch das Ende des fossilen Verbrennungsmotors in der Autoindustrie wird früher kommen. Die Wirtschaft ist da weiter als die Politik.“

Söder macht sich Sorgen um Aiwanger

Auch an Hubert Aiwanger übt Söder gegenüber dem Spiegel Kritik. Er mache sich Sorgen um seinen Koalitionspartner. „Er wandelt auf einem schmalen Grat“, so Söder. Aiwanger machte in letzter Zeit vor allem als Impfskeptiker von sich reden. Auf die Arbeit in der bayerischen Regierung habe das Verhalten Aiwangers aber keine Auswirkungen. „Die bayerische Staatsregierung setzt sehr aufs Impfen und die Bekämpfung von Corona. Alle Beschlüsse im Kabinett sind einstimmig“, so Söder. Die Zusammenarbeit mit den Freien Wählern sei „exzellent“.(ee/dpa)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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