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Söders Corona-Apokalypse: Mit Hysterie ist wirklich niemandem geholfen

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Von: Georg Anastasiadis

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Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder; Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis. © Sven Hoppe/dpa/Marcus Schlaf

Ministerpräsident Söder warnt vor der Virus-„Apokalypse“. Doch Droh-Szenarien wirken nicht mehr. Nötig ist jetzt staatliches Handeln. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

München - Man kann dem bayerischen Ministerpräsidenten die Verzweiflung über die Impffaulheit vieler seiner Landsleute nachfühlen. Doch keinem ist wirklich geholfen, wenn Markus Söder die Hysterisierung auf die Spitze treibt, indem er jetzt die nahende Virus-„Apokalypse“ an die Wand malt. Auch wenn die Lage tatsächlich prekär ist: Droh- und Angstszenarien beeindrucken viele eben nicht (mehr), manche treiben sie leider sogar zu Trotzreaktionen – sonst hätte Bayern unter seinem wortgewaltigen Landeschef nicht die schlechtesten Pandemie-Kennziffern unter allen westlichen Bundesländern. Die größten Impferfolge hat das rot-rot-grüne Bremen, wo die Ansprache der Bürger und auch die niederschwelligen Impfangebote für bestimmte Gruppen wohl besser gelungen sind als im Süden.

Das Herumgeeiere um die Impfpflicht wird zum Ärgernis

Richtig ist: Auch in Bayern müssen sich mehr, viel mehr Menschen impfen lassen, wenn der Freistaat den Weg aus dieser elenden Gesundheitskrise finden will, die die Menschen auslaugt, vielen die Lebensfreude und manchen das Leben selbst nimmt. All das Räsonieren über Impfrisiken darf nicht den Blick darauf verstellen, welches Leid es über die Gesellschaft bringt, wenn sie durch die Unvernunft einiger in einem nicht enden wollenden Ausnahmezustand gefangen bleibt. Nötig sind nicht immer schrillere Worte oder Schuldzuweisungen, sondern klares staatliches Handeln. Zu hoffen ist, dass die flächendeckende Einführung von 2G manche zum Umsteuern bringt. Das führt denklogisch bis zu einem Lockdown für Ungeimpfte, wenn die Lage in den Kliniken anders nicht mehr beherrschbar ist.

Zum Ärgernis entwickelt sich derweil das Herumgeeiere um die Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen wie ärztliches und pflegendes Personal. Der künftige SPD-Kanzler Olaf Scholz begrüßt die „Debatte“ darüber. Ach ja? Das Problem: Die deutsche Politik, auch der Löwe Söder, ist zu mutlos, das eigentlich Nächstliegende endlich durchzusetzen und Proteste dagegen auszuhalten. Individuelle Freiheit beinhaltet nicht das Recht, Leid und Tod in Krankenhäuser und Altenheime hineinzutragen.

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