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Rolf Habermann ist Vorsitzender des bayerischen Beamtenbundes

Chef des Beamtenbundes zufrieden

Söders Behörden-Umzug: "Die Staatsregierung hat dazugelernt"

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München - Der Beamtenbund reagiert positiv auf das Konzept von Minister Markus Söder. Mit einer Prüfung will man sich aber trotzdem Zeit lassen. Beamtenbund-Chef Rolf Habermann im Interview:

Lange Zeit stand die Staatsregierung mit ihren Beamten auf Kriegsfuß. Auch Behördenverlagerungen bergen gewöhnlich viel Konfliktpotenzial. Rolf Habermann, Chef des Beamtenbundes, gibt sich diesmal im Interview aber erstaunlich handsam.

Herr Habermann, sind Sie mit den Plänen von Markus Söder einverstanden?

Die einzelnen Maßnahmen sind zu vielschichtig, um gleich ein abschließendes Urteil zu fällen. Deshalb werden wir uns ein wenig Zeit nehmen. Wir haben jetzt sechs Wochen, um das gemeinsam mit unseren Mitgliedsverbänden zu bewerten.

Sie kommen selbst aus Kronach. Haben Sie denn für die Grundidee Verständnis?

Ich kenne die Verhältnisse am Land hautnah. Deshalb findet die Förderung meine Zustimmung. Auch außerhalb der Ballungszentren gibt es qualifizierte Kräfte. Für die brauchen wir angemessene Arbeitsplätze. Der Staat kann die Probleme aber nicht alleine lösen, auch von der Wirtschaft müsste da mehr kommen.

Stimmt es denn, dass viele Staatsdiener lieber heute als morgen aus München weg wollen?

Ja. Wir haben zahlreiche Kollegen, die gerne näher an ihrer Heimat Dienst tun würden – die Zahl ist deutlich höher als jene, die jetzt verlagert werden. Dazu gehören vor allem Lehrer und Polizisten, die jetzt gar nicht zur Debatte stehen. Ich denke, wir werden durch natürliche Fluktuation und freiwillige Regelungen alles hinbekommen.

Sie haben vor heute nichts über die Details erfahren. Fühlen Sie sich ausreichend eingebunden?

Absolut. Es ist ja nicht unsere Aufgabe, Vorschläge zur Behördenverlagerung zu machen. Das muss von der Staatsregierung kommen. Jetzt liegt der Plan vor – und wir werden ihn prüfen. Aber offenbar hat die Staatsregierung aus den Erfahrungen der letzten Verlagerungen gelernt. Damals gab es Ärger, weil vieles einfach über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden wurde.

Zehn Stellen für ein Beschussamt in Mittenwald sind zwar schön, aber große wirtschaftliche Impulse dürften kaum zu erwarten sein. Ist die Reform zu kleinteilig?

Es wirkt an manchen Stellen so. Zumal mit jedem Umzug Kosten entstehen. Genau das gilt es jetzt zu prüfen. Eine Verlegung um der Verlegung willen macht keinen Sinn. Aber man sollte nicht vergessen: Es geht immer auch um Einzelschicksale.

Und für die Einzelnen gibt es mit der Mobilitätsprämie von 3000 Euro noch ein zusätzliches Zuckerl.

Noch nie war eine Behördenverlagerung so gut vorbereitet. Es gibt sogar ein Personalrahmenkonzept, in dem sich die Staatsregierung verpflichtet, die Betroffenen sozial abzufedern. Das geht bis hin zur Hilfe bei der Wohnungssuche. Nach erster Durchsicht der Unterlagen ist an sehr viel gedacht worden.

Söders Behörden-Konzept: Ämter-Wanderung startet noch heuer

Interview: Mike Schier

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