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Sitzung Kabinett

Warnung vor Katholizismus als „Staatsdoktrin“

Söders Kruzifix: Darum ist selbst Oberbayerns oberster Heimatpfleger dagegen

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Markus Söders Kruzifix-Vorstoß erntet viel Kritik - nun sogar von einem hochrangigen Brauchtumspfleger aus dem katholischen Oberbayern.

München - Mit einem Kruzifix in der Hand hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) seinen jüngsten Schlagzeilen-Coup gelandet: Künftig soll in den Eingangsbereichen aller Behörden des Freistaats ein Kreuz hängen, kündigte Söder am Dienstag an. Das sei ein „Bekenntnis zur Identität“ und zur „kulturellen Prägung“. Große Symbol-Politik - die viel Zündstoff birgt, wie sich schnell zeigte.

Am Donnerstag hat sich nun auch ein Mann in die Riege der Kritiker eingereiht, den zumindest Außenstehende dort womöglich nicht spontan vermutet hätten: Einer der wichtigsten Brauchtumsbewahrer im katholischen Oberbayern. Bezirks-Heimatpfleger Norbert Göttler hält Söders Vorstoß für „nicht sinnvoll“ - obwohl er in einem Interview die Auseinandersetzung mit den christlichen Wurzeln Bayerns ausdrücklich befürwortete.

„Etwas anderes sind Kreuze in staatlich-öffentlichen Räumen...“

„Als Heimatpfleger weise ich daraufhin, dass alles, was wir tun, auf kulturhistorischem Boden steht und da gehört das Christentum natürlich dazu“, sagte Göttler am Donnerstagmorgen dem Radiosender Bayern2. Natürlich hätten Marterl, private Kruzifixe und Konsorten ihre Daseinsberechtigung, betonte er. „Etwas anderes sind aber Kreuze in staatlich-öffentlichen Räumen, da sehe ich diese Äußerung kritisch.“

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„Dass der Staat, die Gesellschaft, das Kreuz als Identitätsfaktor braucht, das glaube ich nicht mehr“, sagte Göttler weiter. Spätestens seit 1945 sei Bayern eine plurale Gesellschaft, die „vielleicht andere Symbole hat, aber nicht mehr das Kreuz“.

Zwar habe Bayern immer noch eine Sondersituation, speziell in Oberbayern sei der Katholizismus wichtig. Und tatsächlich gebe der säkulare Staat „hunderte von Millionen aus“, etwa um Kirchen zu erhalten. Dagegen erlebe er in der Bevölkerung keinen Widerspruch, erklärte Göttler - dieses Wohlwollen der Bayern stehe freilich auch unter der „Bedingung, dass der Katholizismus nicht Staatsdoktrin ist und nicht zu stark ins Leben eingreift“, meinte er.

Lieber „Fürsorglichkeit und Barmherzigkeit“ als Behörden-Kruzifix

Indirekt legte der Heimatpfleger Söder und der CSU einen anderen Zugang zum Thema ans Herz. „Ich finde, dass wir uns durchaus mit den Effekten identifizieren können, die die christliche Tradition generiert hat“, sagte er in dem Interview in der Bayern2-Sendung „Kulturwelt“. „Solidarität, Integration, Fürsorglichkeit, Barmherzigkeit - das sind auch Menschenrechte. Eine engere Beziehung zwischen Staat und Kirche hat aber auch der Kirche nie gut getan.“

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Söder selbst hatte hingegen betont, dass Kreuz sei „nicht ein Zeichen einer Religion“. Deshalb sei das Anbringen in staatlichen Behörden auch „kein Verstoß gegen das Neutralitätsgebot“. Anders sieht das übrigens das Bundesverfassungsgericht. Schon 1995 war die Kruzifix-Klage gegen Kreuze in bayerischen Klassenzimmern dort verhandelt worden. „Das Kreuz ist Symbol einer bestimmten religiösen Überzeugung und nicht etwa nur Ausdruck der vom Christentum mitgeprägten abendländischen Kultur“, erklärte das Gericht damals. 

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fn

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