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Selfie mit dem Innenminister: Horst Seehofer am Samstag in Berlin.

Koalitions-Streit hinterließ Verletzungen

„Jetzt ist Schluss - und aus“: Das sagt Seehofer auf die Frage nach einem Karriere-Ende

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Horst Seehofer macht Pause vom Urlaub. In Berlin zeigt sich der CSU-Chef konziliant - aber neuer Streit könnte drohen. Auch zum weiteren Verlauf seiner politischen Karriere äußert sich Seehofer.

Berlin - Rente, Ankerzentren, „Spurwechsel“ und Co. - die GroKo zofft sich mal wieder. Schon zum Start der neuen Regierung, aber auch als vor einigen Wochen der Asylstreit eskalierte, war einer stets im Zentrum des Gefechts: CSU-Chef und Innenminister Horst Seehofer. Aktuell hält sich der 69-Jährige aber zurück. Das liegt nicht nur daran, dass auch Seehofer zuletzt Urlaub hatte.

Denn zu spüren ist eine gewisse Konzilianz auch an diesem Wochenende, als Seehofer die Sommerfrische für einige Termine unterbricht. Locker spricht Seehofer über sein Verhältnis zu Angela Merkel (CDU). Zur Kanzlerin habe er natürlich auch im Urlaub Kontakt gehabt, sagt Seehofer bei einer Fragerunde mit Bürgern in Berlin. Dieser sei „zwar nicht so dicht und persönlich wie in normalen Sitzungswochen“, aber: „Wir wissen also um unsere gegenseitige Stimmung.“ Und die sei „bei allen dreien entspannt und gut“, sagt er auch mit Blick auf Vizekanzler Olaf Scholz.

Auch mit Blick auf den schwelenden Rentenstreit mit der SPD demonstriert Seehofer vor allem Zuversicht. „Ich glaube, dass alle drei Parteivorsitzenden mit der Absicht und dem Ziel heute zusammentreffen, wieder einiges voran zu bringen.“ Dass er Scholz bei soviel Freundlichkeit und Optimismus versehentlich zum SPD-Vorsitzenden macht, wo doch Andrea Nahles schon eine ganze Weile Parteichefin ist, mag der Urlaubsentspannung geschuldet sein.

Seehofer will weitermachen - und kündigt an: Sein Rückzug wird beizeiten plötzlich kommen

Denjenigen, die in Berlin schon über sein vorzeitiges Ende als Innenminister spekulieren, will Seehofer aktuell kein Futter liefern. Als er gefragt wird, wie er sich das Ende seiner politischen Laufbahn vorstelle, gibt er schmunzelnd zurück: „Schmerzfrei.“ Als er 2013 die absolute Mehrheit für seine Partei zurückgeholt und gesagt habe, dies sei seine letzte Legislatur, sei dies ein Riesenfehler gewesen. „Kaum sagen Sie das als Politiker, ist es vorbei mit der Herrlichkeit, weil alle, die sich vorstellen, dass sie ihre Nachfolger werden, sofort zu scharren beginnen.“

Horst Seehofer stellte sich beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung den Fragen der Bürger.

Ein Politiker müsse sich aber auch selbst prüfen, sagt Seehofer nachdenklich. Solange niemand sage, „jetzt wird's aber Zeit, Du wirst tattrig und kannst Dich nicht mehr klar artikulieren“, und solange keine „Anfangszustände von Demenz“ vorlägen, denke er aber nicht ans Aufhören, macht der Minister deutlich. Auf jeden Fall würde er seinen Ausstieg nicht mehr ankündigen, sondern es ganz anders machen und sagen: „Jetzt ist Schluss. Und aus.“ Sicherheitshalber fügt Seehofer hinzu: „Aber das ist auf absehbare Zeit nicht der Fall.“

„Alle sind über mich hergefallen“: Die Koalitions-Streit haben Verletzungen hinterlassen

Alles gut also? So ganz kann Seehofer das Nachkarten dann doch nicht sein lassen. Im Bürgerdialog betont Seehofer, er habe sich nach dem Amt des Innenministers nicht gedrängt. Der CSU-Chef sagt: „Es war auch die Kanzlerin, die mich gefragt hat, ob sie mit mir rechnen kann.“

Auch interessant: Merkel erklärt - darum hat sie Seehofer nicht sofort rausgeworfen

Überhaupt gilt: Die Streitigkeiten haben Verletzungen hinterlassen. Immer wieder blickt Seehofer zurück. Zum Beispiel auf den Streit um die von ihm geforderte Obergrenze für die Aufnahme von Asylbewerbern, an der die Regierungsbildung im Frühjahr fast gescheitert wäre. Er sagt: „Alle sind über mich hergefallen. Auch die eigenen Parteifreunde. Jetzt steht es im Koalitionsvertrag.“

„Verdeckter AfDler“? Seehofer weist Zuschreibungen zurück

Auch die Kritik an der von ihm betriebenen Erweiterung des Innenministeriums um eine Abteilung für „Heimat“ hat Seehofer noch nicht verwunden. In einer Rede beim „Tag der Heimat“ des Bundes der Vertriebenen am Samstag klagt er über die „nicht wenigen Widerstände“, auf die er dabei gestoßen sei. Einige hätten seine Pläne „spöttelnd“ begleitet. Andere hätten ihm völlig zu Unrecht „Volkstümelei“ und „Blut-und-Boden“-Denken vorgeworfen. „Mir wird ja immer zugeschrieben, der ist nur für Sicherheit, der ist ein verdeckter AfDler“, klagt Seehofer. Dabei sei sein ideologischer Unterbau „die christliche Soziallehre, in der bin ich großgeworden“.

Und ob der Frieden mit der Schwesterpartei CDU und dem Koalitionspartner SPD dauerhaft hält, es steht ebenfalls in den Sternen.

Beim Thema „Spurwechsel“ für Asylbewerber

gibt es bei der CDU zumindest einzelne positive Stimmen, die so gar nicht auf einer Linie mit dem restriktiven Kurs der Christsozialen liegen. Und was die SPD angeht: Seehofers Optimismus in Bezug auf das Spitzentreffen am Samstag hat es dann doch nicht ganz getroffen.

Bis in die Nacht berieten Seehofer, Merkel und Scholz - offenbar ergebnislos. Auch von „Streit“ ist die Rede

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Lesen Sie auch: „Rechtspopulismus“, „Stimmungsmache“, „beleidigte Leberwurst“: Neue Attacken auf Seehofer

dpa/fn

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