Manfred Weber (CSU), Chef der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament
+
Manfred Weber hat den Namensvorschlag für das EU-Parlamentsgebäude entwickelt.

Parlament will eines seiner Gebäude nach ihr benennen

Wie die EU Sophie Scholl würdigt

  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
    schließen

Brüssel/München – Eine Entscheidung mit Symbolkraft: Das Europäische Parlament bekommt ein neues Gebäude in Brüssel, das nach der Widerstandskämpferin Sophie Scholl benannt wird. Am Montag wollen die Gremien des Parlaments den neuen Namen beschließen. Vorgeschlagen hat ihn der Fraktionschef der Konservativen, der Bayer Manfred Weber.

In Brüssel, einem seiner drei Arbeitsorte, hat das Parlament 18 Gebäude, in Straßburg 5, in Luxemburg 6 – sie alle wurden ganz oder in Teilen nach Politikern benannt, teils prominent, teils nur großen Kennern bekannt. Altiero Spinelli (ein italienischer Kommunist, aber freudiger Europäer), Louise Weiß (eine französische Abgeordnete), aber immerhin auch Winston Churchill und Willy Brandt; für Konrad Adenauer reicht es nur zu einer Brücke.

„Für ihren Traum hat sie mit dem Leben bezahlt“

Nun ist wieder ein Name frei, denn in Brüssels Rue Wiertz, in der etliche zentrale EU-Gebäude ihre Adresse haben, hat das Parlament ein bisher gemietetes, sehr zentrales Gebäude mit Büros gekauft. Sophie Scholl zur Namensgeberin zu machen, bricht mit der Polit-Namen-Systematik nur auf den ersten Blick. Weber argumentiert, die junge Widerstandskämpferin sei auch wegen ihres proeuropäischen Ansatzes im Widerstand gegen die Nazis 1943 ermordet worden. „Ihr Traum, für den sie mit ihrem Leben bezahlt hat, war der eines freien und demokratischen Europas“, schreibt Weber in einem Brief an Parlamentspräsident David Sassoli. Das Schreiben zur Namensgebung liegt unserer Redaktion vor.

Scholl wurde 1921 in Baden-Württemberg geboren, ihr Widerstand mit der „Weißen Rose“ startete in München. In Deutschland sind bereits etliche Plätze nach Sophie und ihrem Bruder Hans Scholl benannt, in München der große Vorplatz der Universität – und ihr Institut für Politikwissenschaft. Bei der Verteilung ihres sechsten Flugblattes im Lichthof der LMU waren die Geschwister Scholl im Februar 1943 festgenommen und später hingerichtet worden.

Auch interessant

Kommentare