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Spahn kündigte weniger Biontech-Impfstoff für alle an - dann erhielt der Bundestag aber 10.000 Dosen

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Von: Felix Durach

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Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf der Bundespressekonferenz.
Ein neuer Bericht wirft ein schlechtes Licht auf die letzten Wochen von Jens Spahn (CDU) im Amt des Gesundheitsministers © Kay Nietfeld/dpa

Eine Woche nach der Impfstoff-Rationierung durch Gesundheitsminister Spahn erhielt der Bundestag 10.000 des Biontech-Vakzins. Das wirft Fragen auf.

Berlin - Knapp ein Jahr nach dem Start der bundesweiten Impfkampagne gegen das Coronavirus drohen offenbar wieder Probleme, was die Beschaffung von Impfstoffen angeht. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zeigte sich zuletzt überrascht von einem möglichen Impfstoffmangel im ersten Quartal 2022, der bei einer Impfstoff-Inventur festgestellt wurde.

Kurz vor Weihnachten wurden nun weitere Berichte veröffentlicht, die die Handlungen von Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in den letzten Wochen im Amt in ein schlechtes Licht rücken. Im Fokus stehen dabei die vom ehemaligen Gesundheitsminister vorgenommenen Rationierungen für den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Im November hatte der CDU-Politiker angekündigt, nur noch begrenzt Impfstoffe des deutschen Biotech-Unternehmens an Ärzte auszuliefern. Als Gründe dafür nannte Spahn einerseits fehlende Reserven aufgrund einer hohen Nachfrage nach Biontech und anderseits die Haltbarkeit von mehreren Million-Dosen des Moderna-Vakzins, die man nicht verfallen lassen wolle.

Spahn in der Kritik: Bundestag erhielt kurz nach Biontech-Rationierung 10.000 Dosen

Für seine Entscheidung erntete der frühere Gesundheitsminister viel Kritik. So wurde befürchtet, dass die Deckelung der Lieferungen die Impfkampagne verzögern konnte. Denn gerade das Vakzin von Biontech/Pfizer genieße in der Bevölkerung ein gutes Ansehen. Darüber hinaus wurde Spahn schlechte Planung vorgeworfen. Der 41-Jährige wehrte sich daraufhin mit Verweis auf leere Impfstoff-Lager gegen die Vorwürfe. „Wir halten da nichts zurück. Ich kann ja keinen Impfstoff ausliefern von Biontech, der nicht da ist“, erklärte er Ende November in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“.

Wie nun aus einem Bericht von t-online hervorgeht, erhielt der Deutsche Bundestag gerade einmal eine Woche nach Spahns Ankündigung eine Lieferung über 10.000 Dosen Vakzin, um den Mitarbeiter eine Booster-Impfung zu ermöglichen. Die Lieferung bestand dabei ausschließlich aus Biontech-Dosen. Auch wenn die Lieferung bereits Monate im Voraus in Auftrag gegeben wurde, wirft der Vorgang doch ein schlechtes Licht auf das Gesundheitsministerium.

Spahn sendet „falsches Signal“: Ruf von Moderna leidet unter Kommunikation des Gesundheitsministeriums

Kritisch sieht auch Klaus Heckemann, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, gegenüber t-online den Vorfall. Dieser sende ein „falsches Signal“ an die breite Bevölkerung, in der das Vakzin von Moderna ohnehin bereits ein Akzeptanzproblem besitzen würde. Viel mehr hätte man eine „starke Botschaft“ senden können, in dem man den Bundestag bewusst mit Moderna-Dosen beliefert hätte. Wie ein Sprecher des Bundestags dem Portal bestätigt hat, gab es bei der Bestellung „keine Festlegung hinsichtlich des Impfstoffs“. Biontech zu liefern sei also eine Entscheidung des Gesundheitsministeriums gewesen. „Was Spahn angerichtet hat, war ein Kommunikationsdesaster“, stellt Heckemann mit Blick auf den Impfstoff von Moderna fest.

Bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna konnten im Grunde vergleichbare Wirksamkeit nachgewiesen werden. Da beim Moderna-Vakzin jedoch im Vergleich ein häufigeres, wenn auch weiterhin sehr seltenes Auftreten von Herzmuskelentzündungen bei jüngeren Menschen festgestellt werden konnte, erhalten diesen in Deutschland nur noch Impfwillig über 30 Jahren. (fd)

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