Angela Merkel hat Jens Spahn entmachtet - vorsichtshalber, kommentiert Georg Anastasiadis.
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Jens Spahn warnt vor einer Inzidenz 800 - schlimm, aber kein Anlass für einen Ausnahmezustand für Geimpfte, kommentiert Georg Anastasiadis.

Kommentar zur Corona-Lage

Spahn warnt vor Inzidenz 800 - die Politik sollte sich jetzt sehr vor einem Fehler hüten

  • Georg Anastasiadis
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Wieder warnt die Politik in schrillen Tönen vor Corona. Minister Spahn malt schon die Inzidenz 800 an die Wand. Doch für Panikmache bestehe kein Anlass, kommentiert Georg Anastasiadis.

Falls sich die Deltavariante des Coronavirus im aktuellen Tempo weiterverbreitet, käme Deutschland im Herbst auf eine Sieben-Tage-Inzidenz von 800, warnt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Das klingt schlimm, es ist auch schlimm – und eignet sich dennoch nicht für neue Panikmache oder gar als Begründung für einen neuen Lockdown. Denn die, deren Leben durch das Virus bedroht ist, sind dann durchgeimpft – falls sie sich zur Impfung durchringen. Das bleibt in einem freiheitlichen Staat die Entscheidung jedes Einzelnen.

Corona in Deutschland: Studienlage ist eindeutig - Nun muss der Ausweg aus dem Irrgarten der Pandemiepolitk her

Eine potenziell tödliche Erkrankung ist Covid-19 ab Herbst jedenfalls nur noch für erwachsene Ungeimpfte. Die Studienlage ist eindeutig: Die gängigen Vakzine schützen sehr effektiv vor schweren Verläufen und reduzieren auch die Gefahr der Weitergabe des Virus drastisch. Vor diesem Hintergrund sind freiheitseinschränkende Maßnahmen für Geimpfte und Genesene nicht mehr zumutbar. Die Politik sollte sich sehr davor hüten, den Ausnahmezustand für sie zu verlängern. Sie fände sonst nie mehr heraus aus dem Irrgarten der Pandemiepolitik mit dem Entzug verfassungsmäßig verbürgter Bürgerrechte. Schließlich ist das Virus gekommen, um zu bleiben.

Nicht wegzudiskutieren aber ist das Risiko, dass das Gesundheitssystem im Herbst erneut an seine Grenzen stoßen könnte, weil das ungeimpfte Viertel oder Fünftel der erwachsenen Bevölkerung so stark von Neuinfektionen betroffen ist, dass sich die Krankenhäuser wieder füllen und dringend benötigte Intensivbetten anderen Patienten nicht mehr zur Verfügung stehen.

Corona-Maßnahmen: Zugangsbeschränkungen bleiben auf der Tagesordnung - aber nur für Ungeimpfte

Eine Inzidenz von 800 im Herbst entspräche demnach einer Inzidenz von 200 in diesem Frühjahr, als noch kaum Impfschutz bestand. Neue Versammlungs- und Zugangsbeschränkungen, diesmal aber nur für Ungeimpfte, bleiben damit als Möglichkeit auf der Tagesordnung. Dringend der Erörterung bedarf auch die Frage, wie lange der Staat kostenlose Tests, etwa bei Musikveranstaltungen, zu Lasten der Steuerzahler anbieten soll.

Das alles ist keineswegs die von Impfgegnern beklagte „Impfpflicht durch die Hintertür“ und schon gar keine moderne „Apartheid“. Sondern der legitime Versuch des Staates, der Mehrheit in der Pandemie ein halbwegs normales Leben zu ermöglichen und sich selbst vor einer Überforderung durch die Minderheit zu schützen.

Georg Anastasiadis

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